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Radiodoktor - Medizin und Gesundheit
09. Die Altorientalische Musiktherapie
Die älteste dokumentierte Musiktherapie
Im Jahr 1999 wurde das Institut für Ethno-Musik-Therapie von dem Kulturwissenschaftler und Ethnologen Gerhard Tucek gegründet. Mag. Tucek hat damit der Altorientalischen Musiktherapie neue Beachtung gesichert.
Orientalische, heilende Klänge
Die Altorientalische Musiktherapie (AM) ist ein - seit ca. 1.000 Jahren dokumentiertes und praktisch bewährtes - System mit therapeutischer, prophylaktischer und rehabilitativer Bedeutung. Damit ist die Altorientalische die älteste dokumentierte Musiktherapie der Welt.

Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen beschreiben den Einsatz der Altorientalischen Musiktherapie seit etwa 800 nach Christus in Spitälern in Damaskus. Auch in den Spitälern von Kairo, Aleppo, Sivas, Kayseri, Istanbul, Edirne usw. wurde Musik als medizinische Hilfsdisziplin regelmäßig von eigens angestellten Musiktherapeuten eingesetzt.
Makamen, die heilen sollen
Statt dem uns vertrauten Akkordsystem hat sich im Orient das so genannte Makamensystem entwickelt. Makamen sind neuntönig mikrotonal ausgerichtete Tonskalen, die mit spezifischen Klangstrukturen auf einem bestimmten Grundton aufbauen.

Dieses System verleiht der Musik des Orients die typische Ornamentik und den Phrasenreichtum. Für die medizinische Therapie wurden 12 Makamen ausgewählt, denen jeweils ganzheitliche Wirkungen auf Körper und Psyche zugeschrieben wurden. Die Wirkung der Altorientalischen Musiktherapie beruht auch auf gezielter Emotionsveränderung durch entspanntes Musikhören einerseits, und durch Bewegungen und Tanz andererseits.
Neurologische Rehabilitation durch AM
Im neurologischen Rehabilitionszentrums Wien Meidling wird die Altorientalische Musiktherapie seit 1997 bei der Behandlung von Wachkomapatienten und Patienten mit schweren neurologischen Ausfällen eingesetzt.

Gehirnverletzungen als Folge von Unfällen sind häufig. Vor allem Kinder und junge Menschen, ganz besonders Männer, sind davon betroffen. Je nachdem welche Teile des Gehirns verletzt wurden, können Lähmungen, Sprachstörungen, Merk- oder Orientierungsstörungen, Persönlichkeitsveränderungen etc. resultieren. Viele der Unfallopfer verbringen Monate, manche auch Jahre im Spital.

Je früher die entstandenen Ausfallserscheinungen behandelt werden, umso größer ist die Chance auf Besserung. Deshalb sollte sobald keine Lebensgefahr mehr besteht, die Rehabilitation beginnen. Also eigentlich schon während der Patient noch im Koma liegt und von der Therapie - bewusst - gar nichts merkt.

Die Rehabilitation von Menschen mit Schädel-Hirntrauma umfasst viele Disziplinen, im Rehabilitionszentrum Wien Meidling auch die Altorientalische Musiktherapie.
Altorientalische Musiktherapie bei Wachkomapatienten
Insbesondere bei Patienten mit apallischem Syndrom infolge von Schädel-, Hirntraumata fördert die altorientalische Musiktherapie maßgeblich die Kontaktaufnahme zu zielgerichteten Handlungsimpulsen.

Denn bei Patienten mit Wachkoma zeigte die altorientalische Musiktherapie erstaunliche Erfolge. Es kam dabei immer wieder zu berührenden Situationen, wo mit Hilfe der Musiktherapie Patienten - manchmal auch im Beisein ihrer Angehörigen - erstmals wieder mit der Umwelt in Kontakt traten.

Von diesen Erfahrungen ausgehend wurde 2001 eine Studie mit Wachkomapatienten durchgeführt. Anhand von EEG Untersuchungen konnte festgestellt werden, dass bei auffällig vielen Patienten, die mit altorientalischer Musiktherapie behandelt, Veränderungen der Hirnströme auftraten. Die AM scheint also bei Patienten mit neurologischen Verletzungen oder Behinderungen eine sanfte, aber aktivierende Wirkung zu haben.
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