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Talentebörse: Kunst

Björn Kämmerer, Kunst und digitale Medien

Zwischen Film, Medienkunst und Installation

Über Grafik und Grafitti kam er zur Medien-Kunst: Björn Kämmerer, gebürtiger Deutscher, Jahrgang 1977, der seit 2005 an der Akademie der bildenden Künste Wien Kunst und digitale Medien studiert. Nun wurde er mit dem Birgit-Jürgenssen-Preis ausgezeichnet.

"Ich habe schon sehr früh viel gezeichnet, was von meiner Großmutter, die Malerin war, sehr unterstützt wurde. Nach der Matura war ich zunächst im Grafik-Bereich tätig, habe Layout, aber auch Grafittis gemacht - das war ein Weg in die künstlerische Richtung. Die Entscheidung für die Uni fiel, weil ich das Handwerk erlernen wollte. Ich kam zum Kunst-Studium, ohne eine konkrete Richtung zu haben. In Linz war das experimentelle Feld ideal, weil alles offen war und man sich nicht nur in eine Richtung entwickeln konnte. Und es gab dort einen filmischen Schwerpunkt. Der Wechsel nach Wien war dann eine logische Folge, denn ich wollte meine Kenntnisse durch neue Lehrer, neue Menschen erweitern. Und natürlich gibt es hier auch eine größere Galerien-Szene", erklärt Björn Kämmerer, in Stralsund in Deutschland geboren und in Berlin-Treptow aufgewachsen, Jahrgang 1977, der nun seit 2005 an der Akademie der bildenden Künste Wien Kunst und digitale Medien studiert.

(c) Kämmerer

Björn Kämmerer

Begonnen hat er 2002 an der Kunstuniversität Linz mit der Studien-Richtung Visuelle experimentelle Gestaltung. "Es gab in Linz einen 16-Millimeter-Schneideraum und eine spezielle Filmvorlesung. Von der Konzeption her habe ich meine damaligen Arbeiten eher auf das Kino ausgerichtet. Meine Entwicklung ging dann dahin, in der bildenden Kunst zu experimentieren, in den Raum zu gehen und zu sehen, wie man die Arbeiten installativ umsetzen, was man in der bildenden Kunst mit bewegten Bildern machen kann", erläutert Kämmerer, der im Sommer 2008 abschließen wird.

Linz, idealer Ort für den Beginn

"Ich habe meinen Zivildienst in einer schwedischen Kleinstadt gemacht. Diese Zeit war sehr spannend für mich. Und Linz hat eine ähnliche Größe. Für die Orientierung in der Kunst ist so eine Stadt, die überschaubar ist, ideal. Ich hatte mich mittels Internet informiert, kam nach Linz, fand alles sehr stimmig und wurde dort aufgenommen", so der Nachwuchskünstler über seine Entscheidung für Österreich.

Reduzierte Arbeiten mit Wiederholung als Element

"Meine Arbeiten sind sehr reduziert, ein wiederkehrendes Element ist die Wiederholung. Und sie haben Humor. Ich greife also nicht ins Bild ein, es gibt keine Abstraktion", beschreibt Kämmerer seine Arbeitsweise.

"Begonnen habe ich mit kurzen Arbeiten im Found-Footage-Bereich, also mit gefundenem Material, das ich zu 16-Millimeter-Material verarbeitet und dann auf 35-Millimeter-Material ausbelichtet, also kinofähig, gemacht habe. Über den Film kam ich zum Video und zum Raum, begann dann selbst zu filmen.

(c) Kämmerer

"drive by" (Installation, DVD-Loop, 9 Min., 2006): "Für mich war der Film ein Vehikel für den Lernprozess mit dem bewegten Bild. Dies habe ich hier erweitert: die Bewegung nicht in Bildern, sondern in Zeilen umgesetzt und als Installation gestaltet.

Video-Installation "dawn"

"Die Video-Installation 'dawn', bei der es ebenfalls um Dynamik geht, zeigt, was im Kino passiert: eine Frau sucht im dunklen Raum die Orientierung. Und genau so suchend ist der Betrachter, der den Film im Kino sieht. Das An- und Ausgehen des Lichts im Saal passiert auch im Bild Es ist eine sehr rhythmisch e Arbeit, in der ich die Bewegung der Frau in genau gleiche Teile aufgeteilt habe, diese untereinander mische und dann zum Ausgangspunkt zurück führe - damit endet der Film", beschreibt Kämmerer sein Werk, das nun im Rahmen der Jürgenssen-Preis-Ausstellung in der Akademie gezeigt wird.

(c) Kämmerer

"dawn" (Filmstill, 2007): Diese Video-Installation Björn Kämmerers, der heuer mit dem Birgit-Jürgenssen-Preis ausgezeichnet wurde, ist nun im Rahmen einer Schau an der Akademie zu sehen.

"Escalator" auf Film und Video

"Bei meiner Installation 'Escalator' geht es um Dynamik, Verselbständigung und um Bewegung. Ich habe das 4:3-Bild des 16-Millimeter-Films im Photoshop auf ein Kinoformat-Bild umgeschnitten. Diese Arbeit, die sich aus 3.500 Einzelbildern zusammensetzt, wurde dann auf 35-Millimeter-Material ausbelichtet. Die Szene mit einem Jungen, der die Treppe hinauf und hinunter läuft und einmal stehen bleibt, ist aus einem Lehrfilm für den Englisch-Unterricht aus den 1960er-Jahren. Ich habe dann an verschiedenen Stellen des Films die Bilder gespiegelt und gefilmt. Auf diese Weise habe ich versucht, den Raum zu öffnen", erklärt der Nachwuchskünstler.

(c) Kämmerer

"Escalator" (35-Millimeter-Film, 3:00 Minuten, 2006): "Diese Arbeit war beim diesjährigen 'Indielisboa' Independent Film Festival in Portugal zu sehen", so Björn Kämmerer.

"In der Loop-Variation läuft der gezeigte Junge unendlich in dem Labyrinth. In der Kinoversion, die eine reine Projektion ist, bleibt er am Ende des Films auf der Hälfte der Treppe stehen - dann wird es schwarz und der Film endet", beschreibt der Künstler.

(c) Kämmerer

Video-Installation "Escalator" im Kunstverein Braunschweig (2006): "Diese Arbeit wurde vom renommierten Pariser Exportfilmverleih 'Light Cone' .in den Katalog aufgenommen", so Björn Kämmerer.

Jürgenssen-Preisträger 2007

Für seine Arbeiten wurde Björn Kämmerer heuer mit dem Birgit-Jürgenssen-Preis der Akademie, den er am 27. April im Rahmen der Viennafair erhielt, ausgezeichnet.

Begründet wurde die Entscheidung der Jury, die aus Brigitte Felderer, Dorit Margreiter, Peter Noever und Peter Kogler bestand, mit der "subtilen Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Medium Film und dessen Übertragung auf eine Erzählform innerhalb der bildenden Kunst". Besonders hervorgehoben wurde dabei Kämmerers Video-Installation "drive by", eine aus drei Monitoren bestehende Arbeit, die ein Auto ohne Fahrenden zeigt, das sich scheinbar von einem Monitor zum anderen bewegt.

Bei zahlreichen Ausstellungen und Festivals

Teilgenommen hat der Nachwuchskünstler bereits bei zahlreichen Ausstellungen und Filmfestivals, so unter anderen:

Im Kunstverein Braunschweig (2006), bei Opera Austria, im Centro per l ́Arte Contemporanea Luigi Pecci in Prato, beim Avanto Festival in Helsinki, beim Internationalen Film Festival Leeds, beim Stuttgarter Filmwinter, bei der Diagonale Graz (2005), beim Jerusalem Filmfestival, bei der semana de cine experimental in Mardrid, der Indielisboa in Lissabon, dem Florida experimental Film/Video Festival in Gainesville (USA), den Tallin Black Nights in Estland, beim Crossing Europe Film Festival Linz, der abstracta cinema Rom, sowie beim 36. Internationalen Film Festival Rotterdam (2006).

Die Menschen begeistern

Derzeit schreibt der erfolgreiche Medien-Künstler, der für das diesjährige Filmfestival Vienna Independent Shorts den Trailer gefertigt hat, an einem Konzept für eine neue Filmarbeit.

Wie lauten seine Zukunftswünsche? "Wichtig ist mir, dass meine Arbeiten ihre Wirkung nicht verfehlen und ich die Menschen mit ihnen begeistern kann. Denn mit meinen Arbeiten kommuniziere ich, was ich denke", so Björn Kämmerer.

Text: Matthias Osiecki · 28.04.2007

Kontakt
Björn Kämmerer

Veranstaltungs-Tipp
Präsentation der Arbeiten des Birgit-Jürgenssen-Preisträgers 2007 Björn Kämmerer, 28. und 29. April 2007, 1010 Wien, Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, Aula, jeweils 11.00 bis 18:00 Uhr, Eintritt frei.

Links
Akademie der bildenden Künste Wien
Akademie der bildenden Künste Wien - Birgit-Jürgenssen-Preis 2007
Internationales Film Festival Rotterdam - Escalator
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