Komponieren mit strengem Regelwerk

Die Lust am Risiko und strengen Regeln

Zunächst hat sie nur Werke anderer Musikschaffender interpretiert. Dann begann sie zu improvisieren. Schließlich holte sie sich das fachliche Know-how als Komponistin. Heute bewegt sich Elisabeth Harnik in allen Formen des musikalischen Ausdrucks.

Elisabeth Harnik liebt es im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Risiko zu spielen. Denn an eine Improvisation geht sie gerne ohne Vorbereitung heran. Die Pianistin trifft alle Entscheidungen im Augenblick. "Dabei baut sich eine Spannung auf, die auch das Publikum spürt. Jeder Klang erhält ganz eine eigene Qualität. Bei der Improvisation spiele ich sehr energetisch geladene Musik." Wichtige Impulse für das Improvisieren erhielt Elisabeth Harnik von Peter Kowald, Joelle Léandre und David Moss.

Elisabeth Harnik improvisiert nicht nur alleine, sondern auch diversen Ensembles wie zum Beispiel soundog, the links oder plasmic trio. "Im Kollektiv erhalte ich Impulse von den anderen Musikern und Musikerinnen. Da gibt auch immer wieder Unvorhersehbares. Ich schätze es, wenn ich dadurch mein eigenes musikalisches Material völlig neu erleben kann."

Zurück in die Zukunft

Der besondere Kick beim Improvisieren: "Ich kann rückwärts in die Zukunft gehen. Ich kann dem, was ich gespielt habe, im Nachhinein einen Sinn geben."

Beim Komponieren ist gerade das Gegenteil der Fall. "Hier kann ich in der Zeit zurückgehen, denn ich arbeite an einer Komposition sehr sprunghaft. Das heißt ich beginne zum Beispiel nicht mit dem Anfang eines Stücks, sondern mitten drinnen. Ich kann jederzeit Teile im Stückablauf verschieben oder den Anfang ändern."

Strenges Regelwerk

Während Harnik beim Improvisieren gerne ohne Konzept an die Sache herangeht, arbeitet sie beim Komponieren mit einem strengen Regelwerk.

"Komponieren ist eine sehr einsame Tätigkeit", gesteht Harnik. "Deshalb liebe ich es, mir ein Regelwerk als Gegenüber zu suchen. An dem kann ich mich reiben. Manchmal irritiert es mich sogar. Aber das ist gut. So kann ich über mich selbst hinaus wachsen. Denn arbeite ich nur intuitiv, besteht die Gefahr, dass ich lediglich auf Bewährtes zurückgreife."

Lust am Experiment

Harniks Erfahrung mit Improvisation hat auch Spuren in ihren Kompositionen hinterlassen. "Ich habe von der Improvisation den Experimentellen Ansatz übernommen. Als Improvisatorin habe ich ja seit jeher Klangforschung am Klavier betrieben. Und dieses Klangforschen ist mir auch als Komponistin wichtig. Es interessiert mich, einen Klang von jeder Seite zu beleuchten. Oder einen bestimmten Aspekt in seiner Klanglichkeit hervorzuheben, wie zum Beispiel seinen Geräuschanteil. Das gibt es in meiner Musik sehr oft: Klänge, die zwischen Geräusch und ungetrübtem Klang oszillieren."

Tolles Umfeld

Als Komponistin ist Elisabeth Harnik eine Spätberufene. Einige Jahre nachdem die gebürtige Grazerin ihr Klavierstudium abgeschlossen hatte, fasste sie den Entschluss, erneut die Schulbank zu drücken.

Mit 30 Jahren begann sie ihr Kompositionsstudium an der Grazer Kunstuniversität bei Beat Furrer. "Ich bin dort aber auch George Friedrich Haas und Bernhard Lang begegnet. Ich habe das alles aufgesogen. Graz war ein hervorragendes Umfeld."

Hör-Tipp
Zeit-Ton, Montag, 23. April 2007, 23:05 Uhr

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Elisabeth Harnik
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