Zwischen Rekordwachstum und Umweltschutz
China hat in wenigen Jahren den Aufstieg zu einer der größten Wirtschaftsmächte der Welt geschafft. Dieses Wachstum braucht Energie. Kohle ist derzeit noch die wichtigste Energiequelle. Erneuerbare Energie soll in Zukunft größeren Stellenwert bekommen.
Wenn China so weitermacht - und darauf deutet im Moment alles hin - wird das Land bis 2010 der größte Produzent des Treibhausgases CO2 sein. Die EU-Staaten hat China schon überholt, und die USA werden den Spitzenplatz der Klimasünder bald los sein.
Trotzdem reagiert China empfindlich, wenn andere Staaten die Chinesen auffordern, Energie zu sparen. Das wird verständlich, wenn man den Energieverbrauch an der Einwohnerzahl misst. Ein durchschnittlicher Chinese produziert pro Jahr 3,5 Tonnen CO2, ein EU-Bürger fast 9 Tonnen, ein US-Bürger fast 20 Tonnen CO2.

Die Chinesen nehmen für sich also das Recht in Anspruch, den Lebensstandard für ihre Bürger weiter zu heben - und den Energieverbrauch weiter zu steigern.
Wachstumsmarkt Alternativenergie
Die Regierung in Peking will den Bedarf aber nicht allein über Kohle, Öl und Gas decken. China plant einen massiven Ausbau alternativer Energie. Anfang des Vorjahres hat die Führung ein Gesetz beschlossen, das hohe Förderungen für erneuerbare Energie vorsieht. Dieses Gesetz soll die Grundlage dafür liefern, dass China bis zum Jahr 2020 fast ein Drittel seiner Energie aus erneuerbaren Quellen bezieht. Dieses Ziel ist ehrgeiziger als jenes der EU.
Der Weg dorthin ist aber weit. Sogar in der Vereinigung für erneuerbare Energie in Peking ist man skeptisch, ob dieses Ziel realistisch ist. Der Präsident der Vereinigung wäre schon zufrieden, wenn die Hälfte erreichbar wäre. In der Stromproduktion hat die Wasserkraft das größte Potenzial, die einzige saubere Energieform, die die Chinesen jetzt schon stark nutzen. Aber auch Windkraft-Projekte sind in großem Stil geplant. Und sogar die teure Fotovoltaik, also die Stromproduktion aus Sonnenlicht, hat im Programm der chinesischen Regierung hohen Stellenwert.
Derzeit ist China bei der Entwicklung grüner Energie-Projekte auf Technik aus dem Ausland angewiesen. Auch österreichische Firmen sind dabei, wenn es darum geht, in den wachsenden Energiemarkt einzusteigen.
Die chinesischen Betreiber haben den Ehrgeiz, Anlagen möglichst bald selbst zu bauen. Das Gesetz für alternative Energie schreibt außerdem vor, dass 70 Prozent eines Projekts von chinesischen Anbietern umgesetzt werden müssen.
Wenn chinesische Firmen Produkte oder ganze Anlagen kaufen, müssen sich die ausländischen Anbieter vor Raubkopien schützen. Österreichische Unternehmen, die in China in Solartechnik und Windkraft tätig sind, glauben, dass ihr technischer Vorsprung groß genug ist, dass chinesische Firmen noch jahrelang nicht in der Lage sein werden, die österreichische Technik nachzubauen.
Komplexes Geschäftsfeld
Viele österreichische Firmen empfinden auch den Umgang mit ihren chinesischen Partnern sehr schwierig. Das beginnt bei der Sprache. Eine Vertrauensperson, die chinesisch kann, ist unerlässlich um mit chinesischen Geschäftsleuten in Kontakt zu kommen. Außerdem ist bei Verhandlungen oft unklar, wer in einer chinesischen Firma das Sagen hat. Und ein Vertrag oder eine schriftliche Absichtserklärung bedeutet in China nicht viel. Viele österreichische Firmen haben die Erfahrung gemacht, dass chinesische Partner trotz unterschriebener Verträge weiter verhandeln wollen und solche Vereinbarungen keineswegs als fix betrachten.
Die österreichischen Außenhandelsstellen raten österreichischen Firmen, Büros oder Niederlassungen in China zu eröffnen. Etliche Anbieter alternativer Energie-Technik haben das bereits gemacht oder planen es.
Außerdem bieten die Außenhandelsstellen den Service, unbekannte chinesische Firmen zu überprüfen. Auch in den Außenhandelsstellen gibt man österreichischen Firmen große Chancen auf dem chinesischen Markt für erneuerbare Energie - nicht zuletzt deshalb, weil Österreich in China den Ruf eines sauberen, umweltbewussten Landes hat.
20.04.2007
Hör-Tipp
Saldo, Freitag, 20. April 2007, 9:45 Uhr
Links
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