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Kultur
Kolumne

Spaß in Venedig

War da was?

Gerade war man noch in Venedig und schon ist die Grand Tour der Kunst auf ihrer übernächsten Station. Zeit für eine kleine Rückschau auf die 52. Kunstbiennale in Venedig unter besonderer Berücksichtigung der Peripherie.

Gerade war man noch in Venedig (Biennale) und schon ist die Grand Tour der Kunst, die diesmal von Basel (Kunstmesse) über Kassel (documenta) nach Münster (Skulpturenprojekte) führt, auf ihrer übernächsten Station. Während der Tross der Kuratoren, Museumsleute, Sammler, der professionelleren Buffet-Abräumer und Busenwunder im Schlepptau mächtiger Männer weiterzieht und sich, immer pünktlich drei Tage vor der Eröffnung, zu exklusiven Pre-Openings und Fingerfood-Parties mit globalkoloristischer Ambient-Beschallung versammelt, ist unsereins noch dabei, das Mega-Spektakel in der Serenissima zu verarbeiten. War da was?

Natürlich, und wie immer von allem zu viel. Die endlosen Raumfluchten des Arsenale vollgestopft mit Kunst unterschiedlichster Qualität, die vom diesjährigen Chefgestalter Robert Storr unter dem stretchfähigen Motto "Denke mit den Sinnen, fühle mit dem Geist" als Museum der Privatobsessionen installiert wurde. Dazu Länderpavillons bis zum Abwinken, längst nicht mehr nur in den traditionellen Giardini. Selbst der entlegenste Palazzo schmückt sich noch mit ein paar Urin-Gouachen eines usbekischen Abject-Art-Künstlers, was zu lustigen Rätsel-Ralleys durch modrige Kanäle und tenebreuse Gassen einlädt, wo Ratte und Grottenolm sich Gute Nacht sagen.

Kultur (c) ORF, Schimmer

Was uns an dieser durch ästhetisches Viagra aufgepumpten internationalen Potenzdemonstration natürlich am meisten interessiert: Wie ist das Ländermatch Österreich gegen Deutschland ausgegangen?

Die Nachbarn im Norden waren offenbar noch so angetan von den langen Menschenschlangen, die vor einigen Jahren Zugang zu Gregor Schneiders Urhaus begehrten, dass sie durch künstliche Angebotsverknappung die Nachfrage erhöhten. Und so stauten sich wieder die Massen vor dem deutschen Pavillon. Gefühlte eineinhalb Stunden betrug die Wartezeit, die investiert werden musste, um dann in einem Spiegelsaal Isa Genzkens quasi-surreale Schaufensterpuppen im Astronautenoutfit und Kleinplastiken aus silbrig bemalten Turnschuhen zu sehen. Warum das Ganze Oil heißt, weiß wohl nur gerade verstorbene Richard Rorty: Scherz, Satire, Ironie und Kontingenz. Gesamteindruck: Auch vor der Kassa des Billa gibt es Schlangen, ohne dass dort eine Epiphanie warten würde.

Österreich bot im Jahrhundertmatch den Maler Herbert Brandl auf, dessen Bilder vor allem eines sind: groß. Ein kleiner komparatistischer Rösselsprung hinüber in den italienischen Pavillon, wo ein ganzer Saal neuen Arbeiten Gerhard Richters gewidmet war, zeigte, wozu Malerei heute noch imstande ist: abstrakte Gemälde, im Karoverfahren aufgeschichtet, vieldeutig schillernd, Bedeutungsräume aufschließend, die weit hinter der Leinwand im Unendlichen versickern und von der Unmöglichkeit der Seinsfestlegung erzählen.

Herbert Brandls Naturlandschaften dagegen waren - ähem - vor allem eines: groß.

Und wie sah es in der Party-Zone nach der Tagesfron aus? Österreich hatte sich am Lido in der rustikalen Bar Pachouka eingemietet, wo, so ein Insider, der nicht genannt werden möchte, sonst eher niemand mehr hingeht. Man sah fluchtartig enteilende Politiker, man hörte eine drittklassige Band, die viertklassige James-Brown-Coverversionen in Jet-Lautstärke zum besten gab. Dafür waren die Drinks kostenlos.

Deutschland hatte sich im alten Hangar gleich nebenan eingenistet. Klotzen statt Kleckern war die Devise. Deshalb gastierte die Post-Glamrock-Disco-Queercore-Metapopcombo Scissor Sisters aus NYC und brachte selbst reifere Kunstsammlerinnen zum Wippen. Die Drinks jedoch waren kostenpflichtig mit steigender Tendenz - auf diese Weise sollte wohl die Gage für die Band wieder eingespielt werden. Gegen Ende musste für einen Gin Tonic zehn Euro berappt werden. Auch ein Rekord bei einer an Höhepunkten nicht armen Biennale.

Österreich gegen Deutschland, das ergab beim Kunstmatch unterm Strich ein 1:1. Nicht ganz Cordoba, aber immer noch mehr, als der österreichische Fußball heute zustande bringt.

19.06.2007

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