Eine Tasche
Die größeren, den materiellen Dingen übergeordneten Themen seien den meisten Menschen offenbar zu riskant geworden, konstatiert der Philosoph. Es sei daher zweckdienlich, das unfassbare Große am Kleinen festzumachen. Fanz Schuh bildet hier keine Ausnahme.
Permanent trägt der Philosoph und Schriftsteller Franz Schuh Gedanken an umfassende Buchprojekte mit sich herum. Manche werden realisiert, allzu viele bleiben bloß theoretische Gedankenspielereien, die nicht und nicht "dingfest" gemacht werden wollen. Aus diesem Grund besitzt Franz Schuh eine Tasche.

"Das ist eine ganz billige Tasche. Ordentliche Menschen, die etwas gelernt haben, bekommen solche Taschen bei Kongressen geschenkt. Diese Taschen haben unendlich vielen Nachteile, aber einen Vorteil: viele Untergruppen von Taschen."
Die Tasche stellt für Franz Schuh selbstredend nicht nur etwas Materielles dar, sie ist bloß die Verdinglichung eines Problems. Jedes neue Projekt, so weiß er, verlangt meist auch eine neue Tasche. Es versteht sich aber von selbst, dass er keine besonders hervorheben möchte. Gewissermaßen handelt es sich also um eine "Demokratie der Taschen", in der alle Exemplare gleich sein müssen und etwaige Unterschiede nicht weiter Gewicht fallen dürfen.

"Ich habe wie alle Menschen ein Ordnungsproblem. Die einen haben ihr Ordnungsproblem durch Pedanterie und Starrsinn, die anderen haben es durch Chaos. Ich neige eher zum Chaotischen und da sind die Taschen enorm hilfreich."
Franz Schuh charakterisiert sich und seine Arbeitsweise so: Seine Projekte haben stets einen doppelten Charakter: den theoretischen, den er mit Lust verbindet und den anderen, der mit dem leidigen Realisieren zu tun hat. Zeitlebens, so Schuh, schwanke er gleichsam dialektisch zwischen diesen beiden Prinzipien.

"Es versteht sich, dass die Tasche, die sie hier sehen, eine Verkörperung meines jüngsten, noch geheim gehaltenen Projekts ist. Und wenn sie gegangen sein werden, werde ich die Tasche in die Ecke schleudern, und mich dem Lustprinzip widmen."
Text: Christa Eder · 09.03.2007