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Kultur
Kolumne

Elsner, alleiniger Sündenbock?

Wie Österreichs Zeitungen die BAWAG-Affäre beurteilen

Ist Helmut Elsner der alleinige Sündenbock in der BAWAG-Affäre? Wenn man Österreichs Gazetten so liest, scheint dies fast der Fall zu sein. Natürlich ist klar, dass er in die Causa verwickelt ist, aber in Österreich gilt doch eigentlich noch immer die Unschuldsvermutung.

"Für Herrn Elsner gilt natürlich die Unschuldsvermutung.“ "Und natürlich gilt für Helmut Elsner die Unschuldsvermutung“ - "... die Unschuldsvermutung ...“

Politik (c) ORF, Hummel

Ist Helmut Elsner der alleinige Sündenbock in der BAWAG-Affäre?

Kaum jemand wird von den Medien für so schuldig gehalten wie der ehemalige Generaldirektor der BAWAG. Ich weiß nicht, ob er "mitschuld ist, dass Milliarden in den Sand gesetzt worden sind ...“, oder "dass der ÖGB wegen ihm fast in den Konkurs geschlittert ist ...“ Ich weiß nur, dass ich nicht beurteilen kann, welche Schuld Herrn Elsner tatsächlich trifft.

100.000 Seiten stark soll die Anklageschrift (gegenüber allen Beteiligten) am BAWAG-Skandal sein. Niemand (in der Journalistik) hat sie bisher gelesen, aber für die meisten Medien ist klar: Der "arrogante" Banker sitzt jetzt zu Recht im Landesgericht, und irgendwann wird er wohl auch seine gerechte Strafe absitzen.

Natürlich habe ich auch den Fall verfolgt; natürlich habe ich auch gelesen und gehört, was man dem ehemaligen Bankdirektor vorwirft - aber ein bisschen mehr journalistische Ethik, oder besser Fairness gegenüber einem Beschuldigten, wäre schon angesagt.

Das gilt auch für den Präsidenten der Ärztekammer. Wie kommt er dazu, den behandelnden Ärzten in Frankreich vorzuwerfen, sie hätten (möglicherweise) Gefälligkeitsgutachten ausgestellt? Auf welche medizinischen Unterlagen stützt er diese abenteuerliche Mutmaßung? Hat er schon etwas vom hippokratischen Eid gehört?

Ist dieser Eid in diesem Fall nicht gültig für ihn oder seine Kollegen, die sich von Journalisten irgendwelche Attests, die angeblich Auskunft über den Gesundheitszustand von H. E. geben, vorlegen lassen und daraus Schlüsse ziehen, wie es um die Koronargefäße des Ex-BAWAG Managers steht? Warum hat jeder einfache Bürger das Recht, seine eventuellen Krankheiten nicht zum Gegenstand öffentlicher Mutmaßungen werden zu lassen, aber Herr Elsner nicht?

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Mir geht es nicht darum, Herrn Elsner oder seine Machenschaften - korrekt: die ihm vorgeworfenen Machenschaften zu verteidigen. Aber was sich derzeit in der Journalistik, in der Medizin (und zum Teil auch in der öffentlichkeitsgeilen Juristerei) abspielt, das geht, um mit Armin Assinger zu sprechen, in dessen Bereichen solche Grenzüberschreitungen üblich sind, auf keine Kuhhaut. Im Übrigen gilt für Helmut Elsner die Unschuldsvermutung - die Unschuldsvermutung!

Text: Eugen Freund · 17.02.2007

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