Ein Mensch
Der österreichische Schauspieler Harald Krassnitzer hat sich selbst zum eigenen Fundstück erklärt. Ein Leben lang begleitet er sich und ist stets bemüht sich nicht aus den Augen zu verlieren. Hin und wieder bedarf es jedoch eines wirklichen Suchens.
Der Schauspieler Harald Krassnitzer hat sich selbst zum Fundstück erkoren. Nach reiflicher Überlegung, wie er sagt und nachdem er all die gesammelten, gefundenen, gekauften, geschenkten oder geerbten Dinge seiner Umgebung durchforstet und befunden hat, dass jedes Stück Materie stets nur für einen beschränkten Abschnitt seines Lebens Bedeutung hat.

"Also mein Fundstück ist derzeit 1,85 groß, hat knapp 93 bis 94 Kilo - was für mein Fundstück viel zu schwer ist."
Sich selbst hat Krassnitzer schließlich gewählt, weil die Person eines Schauspielers zeitlebens eine Art Instrument ist, das - sei es als "Bergdoktor", "Winzerkönig" oder "Tatort"-Kommissar immer neu erfunden werden muss. Und überhaupt: Auch im Privatleben muss sich der Schauspieler täglich neu finden.

"Das Finden und Erfinden meines Fundstückes ist eine äußerst schwierige Angelegenheit. Es gibt Situationen, in denen ich aufwache und nicht weiß, wo ich bin."
Eine Wirklichkeit abseits des Schauspiel-Scheins zu finden, das ist für Harald Krassnitzer eine Lebensaufgabe, die er oft und gern weit von sich schiebt. Sich selbst zu finden würde zu einer Gelassenheit führen, die weit über die Existenz hinaus weist.

"Ich bin sehr gespannt, wie mein Fundstück sich verhält in dem Augenblick, wo es erlischt. Da bin ich dann sehr gespannt, was aus meinem Fundstück wird."
Text: Christa Eder · 26.01.2007