Standort: oe1.ORF.at

Musik

Apollo et Hyacinthus

Abschluss des Salzburger Mozart-Marathons

Das Salzburger Festpielprojekt "Mozart 22", die Aufführung aller Mozartopern, wurde im Sommer mit den frühsten Opern Mozarts beendet, darunter "Apollo et Hyacinthus" am originalen Aufführungsort. Ö1 strahlte das Werk am Donnerstag aus.

Apollo et Hyacinthus, Beginn der Ouvertüre

Gerade einmal elf Jahre alt war Mozart, als er das Singspiel "Die Schuldigkeit des ersten Gebotes" schrieb. Schon zwei Monate später vertonte er einen lateinischen Text für sein Schuldrama "Apollo et Hyacinthus".

Im Zentrum der Salzburger Festspiele 2006 stand Peter Ruzickas Projekt "Mozart 22", bei dem sämtliche 22 Bühnenwerke Mozarts aufgeführt wurden. Zum Abschluss waren die zwei allerfrühesten Bühnenwerke Mozarts zu erleben, die oben genannten Werke "Apollo et Hyacinthus" und "Die Schuldigkeit des ersten Gebotes" - in einer historisierenden Inszenierung von John Dew. Mit Erfolg. Der Regisseur habe dem Stück "den nötigen Charme verliehen", lobte die Süddeutsche Zeitung.

Dreiecksverhältnis unter Männern

"Apollo et Hyacinthus", entstanden 1767. Den Text zum lateinischen "Intermedium" schrieb Pater Rufinus Widl. "Eigentlich geht es hier um ein Dreiecksverhältnis unter Männern", schrieb "Die Welt" über das Werk: "Davon weiß aber Mozart noch nichts und der Librettist, ein Benediktinerpater, hat tunlichst jede pädagogische Bedenklichkeit vermieden."

"Apollo und Hyacinth" entstand für eine Aufführung am Salzburger Universitätsgymnasium. Widls Text greift auf den alten Frühlingsmythos von der Metamorphose des Hyacinth zurück, wie sie bei Ovid, Palaiphatos und Lukian überliefert ist. Es sangen und spielten Orchester und Solisten der Universität Mozarteum unter der Leitung von Josef Wallnig am originalen Aufführungsort, der Universitätsaula.

Extrem stilisierte Aufführung

Die Stuttgarter Zeitung war von der Aufführung angetan: "Wie eine extrem stilisierte, sich auf Posen beschränkende Opernaufführung zu Mozarts Zeiten ausgesehen haben mag, hat John Dew mit seiner charmanten kleinen Inszenierung von 'Apollo et Hyacinthus' demonstriert."

Kein wirtschaftlicher Misserfolg

Wirtschaftlich war das anfangs mit Naserümpfen bedachte Mozartopern-Großprojekt "Mozart 22" ein Erfolg. Das Publikum fand die Idee, sämtliche, auch die seit eh und je ignorierten, Bühnenwerke Mozarts in einem Festspielsommer auf die Bühne zu bringen, verführerisch und kaufte die Eintrittskarten. Die Bilanz der Feuilletons fiel zwiespältig aus.

Gerade über die Qualität von Mozarts Frühwerk war man sich uneins. Die Stuttgarter Zeitung hob den anschaulichen Nutzen der Aufführung aller 22 Werke hervor, besonders die Auseinandersetzung mit dem Jugendwerk, denn: "Vieles mag beim jungen Mozart Handwerk im Sinne der zeitgenössischen Kompositionslehre gewesen sein. Zugleich aber gibt es da eine Innigkeit, eine Welthaltigkeit, die man auch einem 'Wunderkind' kaum zumuten mag." Ruzickas Wagnis habe bewiesen, dass sie, ideenreichen Regisseuren anvertraut, durchaus aufführbar und bühnenwirksam sind.

Mozart von "tieferem Niveau"?

Die Neue Zürcher Zeitung ist vom Gegenteil überzeugt: "Dass es Musik aus der Feder Mozarts gibt, die vergessen ist, hat sein Richtiges; die (übrigens selbst sehr lebendige und darum bewegliche) Rezeptionsgeschichte wirkt da als ganz natürlicher Filter." Tatsache sei, "dass viele dieser unbekannten Stücke auf tieferem Niveau liegen und darum bloß mäßiges Interesse hervorrufen. Vielleicht gehört es zu den Verdiensten von 'Mozart 22', dass man sich das mit den eigenen Ohren klar machen kann."

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung betonte die Abmivalenz des "Mozart 22"-Projekts: "Es stellt sich heraus, daß die Vielfältigkeit des simplen Konzeptes, alle Mozart-Opern auf die Bühne zu bringen, die eigentliche Schwierigkeit ist. Salzburg präsentiert den Jubilar als Betreiber eines musikalischen Krämerladens, der Kernseife und Kaviar verkauft. 'Mozart 22' ist so ambivalent wie das neue kleine Festspielhaus, das durch seine exzellente Akustik besticht und mit seiner Sparkassen-Architektur abschreckt."

23.11.2006

Mehr zu Mozart22 auf DVD in ORF.at

Hör-Tipp
Wolfgang Amadeus Mozart, "Apollo et Hyacinthus", Freitag, 24. November 2006, 00:08 Uhr

Links
Apollo et Hyacinthus - Libretto in deutscher Sprache
Apollo et Hyacinthus - Libretto in lateinischer Sprache
Calling Mozart
Mozart 2006
Wiener Mozartjahr 2006
New Crowned Hope
Mozart 2006 Salzburg
Süddeutsche Zeitung
Stuttgarter Zeitung
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Neue Zürcher Zeitung

Mehr dazu auf oe1.orf.at

Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick