Nikolaus Barton, Schauspieler

Mit Kunst und Kultur wuchs er auf: Nikolaus Barton, Jahrgang 1984, seit 2004 Schauspiel-Student am Reinhardt Seminar Wien. Über Umwege und ohne Abgehobenheit fand der junge Künstler, zuletzt in "Bambiland" zu sehen, seinen eigenen Zugang zur Kunst.

Nikolaus Barton liest aus Goethes "Hochzeitlied"

"Nach der Matura wusste ich zunächst nicht, was ich machen soll. Bis zum Zivildienst-Antritt musste ich ein Semester warten, und da die meisten meiner Freunde Wirtschaft studierten, begann ich eben auch damit. In der Zivildienst-Zeit kam ich durch die Freundin meiner Mutter zu Improvisations-Workshops. Davor hatte mich Theater eher gelangweilt. Durch die Workshops wurde aber mein Interesse geweckt. In meinem Schulfreundeskreis hatte ich mich nie so ganz integriert gefühlt. Meist war ich verkrampft und wollte so sein, wie die anderen. Die Trainings waren für mich ein erster Schritt, freier zu sein und Spaß zu haben. Damals spielte ich noch American Football, und eines Tages ergab sich die Situation, dass ich gleichzeitig einen Workshop- und einen Football-Trainings-Termin hatte - und mich für den Workshop entschied. Ich hatte schon während des Zivildienstes am Reinhardt Seminar vorgesprochen, wurde damals aber nicht aufgenommen. Nach dem Zivildienstes begann ich Theaterwissenschaften zu studieren, merkte aber bald, dass es nichts für mich war. In dieser Zeit spielte ich bei zwei Amateur-Theatergruppen, wo ich erste Erfahrungen sammelte. Und schließlich sprach ich wieder am Seminar vor und wurde aufgenommen", erzählt Nikolaus Barton, gebürtiger Wiener, Jahrgang 1984, der nun seit Herbst 2004 Schauspiel am Wiener Reinhardt Seminar studiert.

Den Zugang zu Kunst und Kultur hatte der Nachwuchskünstler, der aus einer Schauspielerfamilie kommt, von Kindheit an, wie er rückblickend reflektiert: "Aber ich denke, ich musste das eben einmal für mich selbst entdecken". Seinen Grundlagen-Unterricht erhielt er bei Klaus-Maria Brandauer. Im Vorjahr studiert er bei Susanne Granzer Unterricht und absolviert nun sein Rollenstudium bei Artak Grigorjan. "Er ist für mich genau der Lehrer, den ich jetzt brauche - und ich fühle mich sehr aufgehoben bei ihm", stellt Barton fest, der nun im fünften Semester ist und im Sommer 2008 abschließen wird.

Spiel nicht als bloße Selbstbefriedigung

"Das Privileg zu haben, sich mit der ganzen Welt beschäftigen zu dürfen, jemand anderer zu sein, und nicht diesem eintönigen Alltag, den viele Menschen haben, ausgesetzt sein zu müssen - das ist es was mich am Schauspielen reizt. Und dass man sich 100-prozentig einbringen muss. Ich habe gelernt, dass es auf der Bühne nicht um bloße Selbstbefriedigung geht, sondern darum, mit anderen eine Geschichte zu erzählen und den Menschen etwas zu vermitteln. Menschen, die sich selbst geil finden, lehne ich ab und halte mich fern von ihnen", erläutert der nachdenkliche Jungschauspieler seine Auffassung.

Die Leichtigkeit als Ziel

"Ich habe gemerkt, wie leicht man in so einen Gestaltungsdrang kommt. Unlängst habe ich den Brief eines jungen Dichters an Kleist gelesen, in dem es heißt: 'Sie loben mich zwar wegen meiner Verse, aber worum es mir wirklich geht, den Gedanken zu vermitteln, darauf achten Sie nicht'. Das ist es, was ich meine. Und wenn auf der Bühne etwas leicht aussieht, ist es meistens sehr schwer", so Nikolaus Barton.

Von Schiller bis Jelinek

Seine ersten Erfahrungen sammelte Barton bereits vor dem Studium am Reinhardt Seminar: so spielte er bei der Theater-Gruppe Sequenz Falltür in "Bitterer Abgang", in "Declaration of War" sowie den Eric Bogosian in "Talkradio" bei der Interface-Theatergruppe (alles 2004). Im Rahmen des Sommertheater Retz wirkte er in Schillers "Räubern" mit (Regie: Marius Schiener, 2005) und spielte in den Reinhardt-Seminar-Produktionen von Jon Fosses "Winter" (Regie: Bernadette Sonnenbichler, Jänner/Februar 2006), in Martin McDonaghs "Der Kissenmann" (Regie: Victoria Martin, Mai 2006) sowie in Elfriede Jelineks "Bambiland" (Regie: Philipp Hauss, Oktober 2006) mit.

"Beim 'Kissenmann' haben mir alle gratuliert, und ich musste aufpassen, dass ich nicht abhebe. Jelineks 'Bambiland' war eine völlig neue Erfahrung, denn ihre Stücke sprechen mich zwar intellektuell, aber nicht emotional an. Es war aber eine wichtige Arbeit, weil es um das Ensemble, um den Text ging."

Erfahrungen mit TV und Film

Erste Erfahrungen konnte Nikolaus Barton auch in den Bereichen Fernsehen und Film sammeln: im TV in diversen Kleinrollen, in dem Kurzfilm "Maturazeit" (2003) und in "Das Schweigen einer Sommernacht" (Regie: Elmar Weihsmann, 2005).

"Derzeit kann ich dem Theater mehr abgewinnen, als dem Film, weil dort alles sehr schnell gehen muss. Aber wenn ich mehr Erfahrung habe, möchte ich natürlich auch Film machen - allerdings in professionellern Produktionen."

Keine abgehobenen Allüren

Zum Lebenslauf des jungen Schauspielers zählen aber auch andere Berufserfahrungen, wie u.a. als Sprecher für Radiowerbung, als Schalterbeamter bei der Post, Promotionarbeit sowie die Tätigkeit als Kellner in einem Cafe in der Mariahilferstraße:

"Das gehört genau so zu meinem Leben und ich bin stolz darauf, dass ich auch diese Sachen gemacht habe. Und so erkennen konnte, dass ich Schauspieler sein will. Das Kellnern war ein 'Wunschtraum', weil ich das Klischeebild vom Schauspielstudenten im Kopf hatte, der das gemacht haben muss. Obwohl es sehr anstrengend und schlecht bezahlt war, war es sehr schön. Denn ich hatte mit Menschen zu tun, mit denen ich sonst wahrscheinlich nie Kontakt gehabt hätte. Mein Vater hat schon darauf geachtet, dass ich am Boden bleibe und nicht abhebe", so Nikolaus Barton.

Ohne materiellen Druck spielen können

Derzeit konzentriert sich der Jungschauspieler, der Englisch, Französisch und Spanisch beherrscht und ein begeisterter Sportler ist, vor allem auf den Rollen-Unterricht und erarbeitet den Biff aus Millers "Tod eines Handlungsreisenden" sowie den Trofimov aus Tschechows "Kirschgarten".

Und wie lauten die Zukunftswünsche des Nachwuchstalents? "Natürlich wäre ich über ein fixes Engagement sehr glücklich, aber die Job-Aussichten sind ja nicht sehr rosig. Jedenfalls wünsche ich mir, nie unter dem Druck zu stehen, aus finanziellen Gründen spielen zu müssen, sondern um den Menschen eine Geschichte zu erzählen", so Nikolaus Barton.