Kategorie:
Kolumne
Es war Senf
Empathie mit Schafen
Einerseits: Um Lammrücken schmackhaft zuzubereiten, braucht man heute keinen Mord mehr zu begehen. Andererseits: Damit ein Buch in 15 Sprachen übersetzt wird, bedarf es eines Mordes. Mit einer empathischen Buchempfehlung wollen wir diese Woche eröffnen.
Es war... ich würde es Ihnen ja so gerne verraten. "Glennkill" heißt ein Krimi, Leonie Swann dessen Autorin. Über die beiden will ich heute sprechen. Vorweg: Es ist eine Geschichte, die viele Namen braucht, was in diesem Fall aber nicht sehr schlimm ist, denn die Protagonisten, oder Helden, treten nie ohne ihre Eigenschaften auf, indem sie etwa immer kurzsichtig sind, immer gescheit oder immer dumm wie zwei Meter Feldweg. Der Vergleich passt super.

Damit ein Buch in 15 Sprachen übersetzt wird, bedarf es eines Mordes.
Normalerweise lege ich ein Buch, in dem auf den ersten zehn Seiten schon mehr als drei Namen erwähnt werden, sofort zurück ins Schränkchen. Bei "Glennkill" war es anders. In Wien wuchert übrigens die Unsitte, "in's" zu schreiben, "um's", "auf's", "an's" und "für's". Ich werde eine Firma gründen und ihr den Namen "Orthografie goes in's public" geben. Damit werde ich Millionen verdienen, mit welchen ich kilometerweise Linnen kaufe, um damit in der Vorweihnachtszeit alle Firmenwerbungen zu verhüllen, die orthografische oder grammatikalische Fehler haben. Das wird ihnen allen eine Lehre sein.
Es war... ein Bild in einer Gratiszeitung, Frau Swann trug einen Schal. Auch sonst sah sie auf dem Foto sehr freundlich aus. Es war das erste Mal, dass ich ein Buch auf Grund eines Fotos der Autorin gekauft hatte.
Das Gesicht versprach
- so etwas wie Klugheit (wenngleich ich Klugheit in Büchern, wie sie in der jüngeren österreichischen Literaturgeschichte immer häufiger anzutreffen ist, verabscheue und auch fürchte, da sie mich zornig macht auf den Autor, der mich zornig macht auf mich selbst, weil er klüger ist und ich eine Wurst bin; das ist aber bei weitem nicht der einzige Grund),
- Empathie (was auch immer das sein soll, jedenfalls etwas, wovon Frauen vorgeblich mehr besitzen als Männer; zum Beispiel Halvar von Flaake ist echt nicht empathisch, Arnold Schwarzenegger auch nicht, trotz allem nicht, und Leibwächter, mehrheitlich Männer, na?),
- Eleganz (Frauen mit Hakennasen begehre ich tendenziell, und wenn ich begehre, apostrophiere ich das Objekt als feinfühlig, nachdenklich und - elegant, eben so, wie ich mich selbst gerne sehen würde; die Partnerwahl im weitesten Sinn ist also immer das Ergebnis der Suche nach sich selbst, so auch die Wahl der Lektüre, denn Bücher sind Lebensabschnittspartner),
- jenes Gesicht ließ also irgendwie auf den Charakter dieser Frau schließen, wie denn jedes Gesicht mehr oder weniger mit dem Charakter des Inhabers zu tun hat (das kann ich in Bezug auf mich selbst leider nur bestätigen), und so bestellte ich, kraft meines Amtes als Radiojournalist, beim Verlag das Buch.
Es geht um einen Mord. Es war... nicht der Metzger. Auch wenn es lange so aussieht, als ob. Es sind Schafe, die versuchen, einen Mord aufzuklären. Ihr Schäfer wurde tot aufgefunden, jemand hatte ihm einen Spaten durch den Leib gestoßen. Wie schrecklich. Frau Leonie Swann, die beim Interview in der Sendung "Von Tag zu Tag" leider sagte, dass sie einen "Mann" hat, kann verflucht gut schreiben, vor allem aber - und das ist so selten geworden - beweist sie beispiellose Empathie für die Schafe. Bis ich ihrer ansichtig wurde, hatte ich den Verdacht gehegt, dass sie selbst ein Schaf sein könnte, welches zu Promotionzwecken irgendeine Frau aus Berlin bezahlt und sie zu den Fototerminen und Lesungen schickt. Als sie jedoch da saß und sagte, dass sie einen "Mann" hat, verflog nicht nur diese Illusion.
Sehr schade, ich kann sehr gut kochen, ich habe sogar einmal ausgezeichnete Lammrücken gemacht, vorher einige Stunden in Olivenöl und Oregano, Senf darf nicht fehlen (die Gäste rätselten, woher die feine Würze wohl gekommen wäre), Pfeffer, Salz erst in der Pfanne, weil das Salz total stark Wasser entzieht... ich weiß nicht mehr, was da sonst noch drin war, aber es gab Kartoffeln und Rotwein dazu, es war sehr, sehr, sehr schön.
16.10.2006