Autor, Lehrer, Kunstschaffender
Nachruf Zelko Wiener
Der Medienkünstler Zelko Wiener ist in Wien 53-jährig gestorben. Der in Banja Koviljaca, im heutigen Serbien, geborene Wiener lehrte an der Universität für Angewandte Kunst und gehörte zu den wichtigsten Medienkünstler des Landes.
8. April 2017, 21:58
Gerfried Stocker über Zelko Wiener
Zelko Wiener wurde 1953 in Banja Koviljaca im heutigen Serbien geboren. Er lebte seit 1963 in Österreich, hat seit 1982 Medienkunstprojekte realisiert und war ab 1986 als Lehrender an der heutigen Universität für Angewandte Kunst tätig.
Laut dem künstlerischen Leiter der Ars Electronica, Gerfried Stocker, war Zelko Wiener einer der Pioniere der Kommunikationskunst, die im Zeitalter des Internet und der Mobiltechnologie als selbstverständlich betrachtet wird.
"Mitte der 1980er Jahre war Zelko Wiener einer der Künstler, der bei den frühen BTX-Projekten mitgearbeitet hat. BTX, das waren die an das Telefonnetz angeschlossenen Computer, die in der Qualität von Teletext Text und Grafiken darstellen konnten", erinnert sich Gerfried Stocker.
Kunst als Kommunikationsinstrument
Bereits 1986 sind Arbeiten von Wiener bei der Biennale in Venedig und bei der Ars Electronica in Linz gezeigt worden. Auch bei seinen anschließenden Arbeiten im Internet versuchte Wiener mit seinen Bildwelten die Medienrealität zu reflektieren und zu überhöhen, um diese Form des Superrealismus als Kommunikationsinstrument einzusetzen.
Er suchte mit seinen Projekten immer wieder die Auseinandersetzung im öffentlichen Raum, wo er zum Beispiel 2005 bei seinem Ars-Electronica-Projekt "Titanen" riesige Computerprints als Gebäudefassaden verwendete. Er stellte damit einen archaischen Schöpfungsmythos im digitalen Zeitalter dar - als hybride Wesen bevölkerten die antiken Titanen die Fassade des Ars Electronica Center und bildeten eine künstliche Brücke zwischen den Zeiten.
Bildende Kunst und Netzkunst
In den letzten Jahren machte Wiener die Internetseite zeitgenossen.com, die er zusammen mit Ursula Hentschläger entwickelte, zur zentralen Plattform seines Schaffens. Bei vielen seiner Arbeiten werden Bilder zu Interaktionsflächen, die man mit dem Auge und der Maus erkunden muss, um alle Bildverlinkungen und -vernetzungen zu entdecken.
"Das war ein sehr typisches Element seiner Bild- und Netzarbeiten. Durch das Abtasten mit der Maus und dem Abtasten mit dem Auge hat er eine sehr schöne Form gefunden, die bildende Kunst mit der Netzkunst zusammen zu bringen", meint Stocker.
"Er hat die für das Internet typischen Navigationsstrukturen, das Hypertextuelle als künstlerische Mittel verwendet um seine Geschichten zu erzählen", so Stocker weiter. " Ich glaube, dass Zelko Wiener definitiv zu den wichtigsten und interessantesten Medienkünstlern gehörte."
