Chaya Czernowins "Zaide-Adama"

Die israelische Komponistin Chaya Czernowin hat für die Salzburger Festspiele Mozarts Opernfragment "Zaide" ergänzt - in einer recht widerborstigen und anspruchsvollen Klangsprache. Österreich 1 präsentierte Ausschnitte der Oper "Zaide-Adama".

Ausschnitt aus "Zaide-Adama"

Zaide-Adama war als szenische Aufführung Teil des "Mozart 22"-Projekts der Salzburger Festspiele, also eine der Aufführungen aller Mozartopern bei den diesjährigen Festspielen. Die israelische Komponistin Chaya Czernowin hat Mozarts Opernfragment ergänzt - in einer recht widerborstigen und anspruchsvollen Klangsprache.

Zeitgenössisches Musiktheater in Salzburg 2006: In diesem Fall hieß das, dass sowohl Zeitgenössisches, als auch Mozart zu hören war, nämlich das Mozartsche Opernfragment "Zaide" und seine Ergänzung im Sinne eines zeitgenössischen Kontrapunkts durch Czernowin.

Keine Vervollständigung

Schon die Wahl des Wortes, was Chaya Czernowin denn nun gemacht habe mit diesem Fragment, verrät viel über das Werk. Es ist keine Ergänzung im Sinne einer Vervollständigung des Mozartschen Textes, im Gegenteil. Es ist gibt auch kaum Übergänge, die so komponiert wären, dass man von der einen in die andere Welt gerät. Eher das Gegenteil: Hier ist die von Mozart komponierte, aber eben nicht fertig komponierte Geschichte über ein Liebespaar, das zueinander nicht kommen kann, weil es im muslimischen Feindesland festgehalten wird und weil Zaide vom Sultan selbst begehrt wird.

Und da ist die von Chaya Czernowin musikalisch skizzierte Geschichte einer Israelin und eines Palästinensers, die einander lieben, und die ihrer Herkunft wegen auch nicht zueinander kommen können. Wie Zaide in der Vertonung durch Mozart ausgegangen wäre, weiß man nicht, das Fragment bricht aber an einer Stelle ab, in der gerade die Unversöhnlichkeit die Oberhand besitzt, und auch Chaya Czernowins Geschichte endet als Tragödie.

Der Konflikt hinter der Liebesgeschichte

Hie Mozart also, hie Czernowin, ein Pendeln zwischen den Jahrhunderten. Und nur ganz selten lässt Czernowin einige irritierende Klänge "ihrer" Musik schon durch den Mozart klingen, wie um eine Ahnung des ebenso Zeitlosen wie Zeitgenössischen des hinter der tragischen Liebesgeschichte liegenden Konflikts anklingen zu lassen.

Im ersten Teil der Oper wähnen sich die Liebenden bei Mozart im Glück, ein Fluchthelfer ist gefunden, und die Liebenden bei Czernowin erkunden mit einzelnen Worten und Vokalen ihre Liebe, "Mund", sagt der Mann, "kaum weiß ich, wo ich bin" die Frau, "Sonne, Himmel" singen sie, und später die Worte "adama", "dam" und "ima". Übersetzt heißen diese drei: Erde, Blut, Mutter. Wie todbringend die Gefahr dieser Liebe sein kann, beginnt sich abzuzeichnen.

Tödliche Rache

"Zaide" von Mozart erzählt von zwei Liebenden, denen die Erfüllung ihrer Liebe verwehrt bleibt, gefangen im osmanischen Reich, und Zaide begehrt vom Sultan selbst. Dieser bemerkt die versuchte Flucht und nun ist seine Enttäuschung unermesslich und ebenso sein Wille zur tödlichen Rache und Bestrafung. In der zeitgenössischen Parallelgeschichte, in Chaya Czernowins Parabel über die tödliche Bedrohung durch die Unversöhnlichkeit, ist ebenfalls auf die Utopie der Liebe der Schrecken der Realität gefolgt.

Obwohl die Liebenden, die Israelin und der Palästinenser, ihre Liebe selbst für unmöglich erklärt und abgebrochen hatten, ist die Rache ihrer jeweiligen Familien für den begangenen Verrat fürchterlich und tödlich. Volk tritt auf, die Väter treten auf, "Heuchlerin, Schlange, Verrat" wird deklamiert, und die Bühne und Szenerie von Claus Guth und Christian Schmidt lassen Steinigungen erahnen.

Keine Chance für die Liebe

Sultan Soliman singt in einer Arie, in der er sich selbst beschreibt: "Ich bin so bös als gut", Verdienste würde er würdigen, aber "reizt man meine Wut, so hab ich auch Waffen, und diese fordern Blut". Und auf diese Zeile von Soliman folgt unmittelbar die zeitgenössische Rache und Bestrafung durch die Väter, ein harter und zugleich schmerzlich präziser Schnitt.

Die Liebe erhält in keiner der beiden Geschichte eine Chance, ob sich in Mozarts Version das noch hätte wenden können, darf man zwar vermuten, komponiert wurde es eben nicht mehr, in Chaya Czernowins Geschichte ist die Chancenlosigkeit der Liebe der explizite Kern der Geschichte, das Untergehen ob Unversöhnlichkeit und Hass; und die daraus formulierte künstlerische Anklage.

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Hör-Tipp
Zeit-Ton, Freitag, 1. September 2006, 23:05 Uhr

Links
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