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Die Autobio-Geografen

Karten in die Hände der Bürger geben

Landkarten und Stadtpläne waren bisher das Produkt von Verlagen, Fremdenverkehrsverbände und Staaten. Sie legten fest, wo Grenzen verliefen und was als Sehenswürdigkeiten galt. Jetzt hat eine Webseite damit begonnen dieses Monopol aufzubrechen.

Die Webseite Platial.com bietet seinen Nutzern die Möglichkeit, Googles Straßenkarten um eigene Fixpunkte und Notizen zu erweitern. Das Ziel sei das Erstellen eines kollaborativen Atlanten, berichtet Platial-Mitbegründerin und CEO Di-Ann Eisnor.

"Wir wollen damit das Prinzip in Frage stellen, dass Karten nur von großen Firmen oder Nationen definiert werden", erklärt sie, "wir wollen Karten in die Hände der Bürger und Nutzer geben."

(c) ORF, Schimmer

Auf der Webseite Platial.com entstehen Landkarten und Stadtpläne der anderen Art.

Pläne und Karten der anderen Art

Platials Nutzer haben damit die Möglichkeit, ganz eigene Einblicke in ihre Städte und Nachbarschaften zu geben. So gibt es für Portland eine Karte, die Orte linker Stadtgeschichte in Form einer Stadtrundfahrt beschreibt.

An stelle von Kirchen und Denkmälern bekommen Neugierige dabei die ehemalige Zentrale der Black Panthers und wichtige Plätze gewerkschaftlicher Organisierung präsentiert.

Karten für gebrochene Herzen

Andere Nutzer haben damit begonnen, ganz persönliche Momente ihres eigenen Lebens auf Platials Karten festzuhalten. Di-Ann Eisnor bezeichnet solche Karten als Autobio-Geographie.

"Sie tragen Orte ein, an denen sie gelebt haben und an denen sie wichtige Dinge erlebt haben", erklärt sie. So gibt es Karten für erste Küsse ebenso wie Karten für Orte, an denen jemandem das Herz gebrochen wurde. "Es ist sehr selbst referentiell“, so Eisnor.

Unterhaltsam und faszinierend

Manche Nutzer versuchen sich auch an einer Gratwanderung zwischen privat und öffentlich, indem sie persönliche Anekdoten und Alltagsgegebenheiten kartografisieren.

So erfahren Platial-Besucher von absurden Bar-Streitigkeiten und kindlichen Fahrrad-Unfällen. Das Ergebnis ist oft nicht nur unterhaltsam, sondern auch ein faszinierend anderes Stadtportrait. Platials Betreiber sehen in Platial zudem auch eine Art kollektives Experiment. Di-Ann Eisnor meint dazu: "Wir hoffen, dass uns viele verschiedene Leute zeigen, wie Geographie in dieser neuen, sozialeren Form aussieht."

23.07.2006

Hör-Tipp
Matrix, Sonntag, 23. Juli 2006, 22:30 Uhr

Download-Tipp
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Link
Platial.com

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