Vernetztes Wissen
E-Learning wurde bereits in den 1970er Jahren erfunden, aber ohne CD-ROM, Multimedia und WorldWideWeb wäre es wahrscheinlich nie bis an die Schulen vorgedrungen. Heute wird der Begriff E-Learning nicht mehr so gerne verwendet.
Den Begriff E-Learning verwendet heute niemand mehr so gern. "Wir reden ja auch nicht über "Gebäude-Lernen", wenn wir über die Wissensvermittlung in den Schulen reden, meint dazu Erik Duval. Der Belgier, der an der katholischen Hochschule in Leuven unterrichtet, ist nicht der Einzige, der die Bezeichnung "E-Learning" gerne aus seinem Vokabular streichen würde. Der, davon ist er überzeugt, lässt die Menschen zu sehr auf das ominöse E starren und lenkt damit davon ab, worum es wirklich geht: ums Lernen und um technikunterstütztes Lernen.

Ohne CD-ROM, Multimedia und WorldWideWeb wäre E-Learning wahrscheinlich nie bis an die Schulen vorgedrungen.
Egal wie man es nennen will: E-Teaching, E-Inclusion, technikunterstütztes Lernen oder kollektives Lernen, im Wesentlichen ringt man noch immer um die Frage; was ist das Problem beim Lernen?
Darauf hat man zwar heute auch noch nicht wirklich eine Antwort, aber man will sich zumindest nicht mehr damit zufrieden geben, dass E-Learning einfach nur dazu missbraucht wird. Zumindest gibt es mittlerweile auch offizielle Evaluierungen, die zeigen, dass nur allzu oft mit dem Versiegen der Geldquelle auch das Engagement der Beteiligten endet. Dass darüber auf diversen einschlägigen Veranstaltungen geredet wird, lässt sich schon als Fortschritt bezeichnen.
Für Wim Veen von der technischen Universität in Delft besteht trotzdem wenig Hoffnung. Erziehern, so meint er, fehle jegliches Gespür für den Einsatz von digitalen Werkzeugen.
In der Welt der Jugendlichen, die sich schon längst vernetzt haben, bleiben die Erwachsenen digitale Immigranten. Sie sprechen weder das Vokabular noch verstehen sie den Lebensstil der "Homo Zappiens". So nennt er die Kinder, die heute nur mehr an einem einzigen Ort gezwungen werden können ihr Handy abzudrehen: im Klassenzimmer.
"Homo Zappiens" sind vernetzt, sie brauchen keine Autoritätsperson, um zuzuhören und man muss keinen Universitätsabschluss haben, um von ihnen wahr- und ernst genommen zu werden. Jedoch sollte man sich mit ihrem Spielzeug auskennen, um mitreden zu können.
Für "Homo Zappiens" macht es keinen Unterschied, ob sie jemanden digital oder physisch begegnen. Und da sie in der Lage sind, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen: Fernsehen, Videospielen, Chatten und Musikhören, haben sie bereits eine ganz andere Methode zur Wissensaneignung entwickelt als die Erwachsenen.
Nach außen hin erscheint ihr Wissen vielleicht fragmentarisch, aber im Gegensatz zum Homo Sapiens, sind sie in der Lage aus diesen vielen Einzelteilen ein sinnvolles Ganzen zu schaffen. Jugendliche, die mit Spielkonsole und Videorecorder aufgewachsen sind, haben angeblich auch keine Scheu mehr davor Fehler zu machen. Das Konzept, dass Fehler eine Bestrafung nach sich ziehen müssen, gehört nicht mehr zu ihrem Lebenskonzept. Schließlich haben sie vom Videospiel gelernt, dass nach Fehlern die Zeile "Game Over" am Bildschirm aufleuchtet. Und das heißt nichts anderes als: neues Spiel, neues Glück.
28.05.2006
Hör-Tipp
Matrix, Sonntag, 28. Mai 2006, 22:30 Uhr
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