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Bob Dylan

Seine Musik und sein Leben

"Bob Dylan hat nie nur Pop- oder Rockmusik gemacht, nie nur Folkmusik. Er hat stets Kunstformen integriert, die außerhalb des Genres Pop oder Rock standen", so Sachbuch-Autor Olaf Benzinger. Heute feiert der "Song and Dance Man" seinen 65. Geburtstag.

Die Verbindung von Lyrik und hitparadentauglicher Musik, das ist laut Olaf Benzinger das Erfolgsrezept der Folk- und Rock-Ikone Bob Dylan. Zum ersten Mal überzeugend praktiziert vor 43 Jahren, als Dylan mit "Blowin' In The Wind" einen Song schrieb, der zur Hymne der Bürgerrechtsbewegung wurde; ein Song, der nicht nur unzählige Male gecovert wurde, ein Song, der auch Generationen von Gitarrenanfängern glücklich gemacht hat, die den schlichten Akkorden des Ohrwurms ihr erstes Erfolgserlebnis verdankten.

Was der Songwriter selbst zu dem Lied meint, wovon der Text erzählt, was von Dylans späteren Einspielungen zu halten und wie der gelegentlich vorgebrachte Plagiatsvorwurf zu beurteilen ist, das kann man jetzt nachlesen in Olaf Benzingers Buch mit dem schichten Titel "Bob Dylan. Seine Musik und sein Leben".

(c) APA

Am 24. Mai feiert Bob Dylan seinen 65. Geburtstag.

Kommentare zu allen 500 Dylan-Songs

Olaf Benzinger lässt in seinem Buch Dylans komplettes Plattenwerk Revue passieren, vom Debütalbum aus dem Jahr 1962 bis zum Spätwerk "Love and Theft". Er beschäftigt sich dabei mit Live-Alben genauso wie mit Schwarzmarktplatten, erwähnt Produzenten, Begleitmusiker und einschlägige Coverversionen und schreibt - mal mehr, mal weniger ausführlich - über jeden einzelnen der rund 500 Dylan-Songs: eine immense Fleißarbeit!

Nur über das Leben, über die Biografie des "Song and Dance Man", so Dylan über Dylan, will sich der Autor nicht ausführlicher äußern. Benzinger begnügt sich mit einem kursorischen Abriss im Einleitungskapitel, das gerade mal zwanzig der 320 Seiten ausmacht, sowie knappen Informationen, die er den einzelnen Kapiteln voranstellt, und beschränkt sich dabei auf "harte Fakten".

Verborgenes Privatleben

Der Autor weiß, dass man die Dylan-Literatur mit Vorsicht genießen muss - zu selten hat sie Dichtung von Wahrheit zu trennen gewusst, zu oft hat Robert Allen Zimmermann, wie der am 24. Mai 1941 geborene Künstler mit bürgerlichem Namen heißt, der eigenen Mythen- und Legendenbildung Vorschub geleistet.

Analyse statt Idolatrie war Olaf Benzingers Vorsatz. Herausgekommen ist ein ziemlich trockenes Kompendium, das den Bogen spannt von "She's No Good", dem ersten Song des ersten Albums mit dem schlichten Titel "Bob Dylan", bis "Sugar Baby", dem düsteren Abschiedslied seiner vorläufig letzten Platte "Love and Theft", die Benzinger als "Vermächtnis seines gesamten künstlerischen Lebens" betrachtet.

Meilenstein "Like A Rolling Stone"

Einer der "Meilensteine" der Rockmusik ist "Like A Rolling Stone", vom Magazin "Rolling Stone" zum "bedeutendsten und besten Rocksong aller Zeiten" gekürt. Bei Benzinger kann man nachlesen, dass Dylan "noch nie zuvor" mit seinen Musikern "ähnlich akribisch" ein Stück erarbeitet hatte, dass es mit sechs Minuten Länge "die bis dato längste Single der Schallplattenära" wurde und dass es auf einem ursprünglich zehn Seiten langen Gedicht Dylans basiert, das eigentlich gar kein Song hätte werden sollen. "Like A Rolling Stone" ist "eine machtvolle Unabhängigkeitserklärung von allen damaligen Songklischees". Doch Dylan machte sich damit nicht nur Freunde. Vor allem nicht bei den Fans aus dem Lager der Folkmusik, die sich vom Rockmusiker Dylan "verraten und verlassen" fühlten.

Bei Dylan kann man sich eben darauf verlassen, meint Benzinger, "wenn ein Album in einer bestimmten Weise klingt, dass das Folgealbum ganz anders ist. Und je erfolgreicher das Vorgängeralbum ist, desto stärker ist die Abweichung beim nächsten Album."

Akribische Datenauflistung

Bob Dylan sei "ein permanenter, leibhaftiger Protest gegen alle Festlegungen und Konventionen", sagt Olaf Benzinger, davon überzeugt, dass Widersprüche den Künstler eher reizten als irritierten. "Dem 'wahren', 'privaten', 'persönlichen' Bob Dylan wirklich nahe zu kommen", sei "unter solchen Voraussetzungen unmöglich", glaubt der Autor.

So hat er sich auf dessen Werk konzentriert - das "wohl vielseitigste und komplexeste Gesamtkunstwerk der Popkultur." Er hat sich diesem nicht mit der Euphorie des Fans, sondern mit der Nüchternheit des Philologen genähert, eines Sachbearbeiters, der akribisch Produktions- und Veröffentlichungsdaten auflistet, dabei die so genannten Studiosheets amerikanischer Studios auswertet, der über Konzerte informiert, über unveröffentlichte Songs, inoffizielle Live-Mitschnitte, Filmdokumentationen und Soundtracks.

Flotte Formulierungen und markige Urteile sind Benzingers Sache nicht. Sein Ton ist der des Chronisten. Olaf Benzinger wollte kein "Fanbuch" schreiben. Das ist ihm gelungen. Eine packendere Dastellung des Dylanschen Songkosmos aber wäre mit dem sichtlichen Bemühen um Objektivität durchaus vereinbar gewesen. Der "Song and Dance Man" hätte sie verdient gehabt.

Text: Wolfgang Seibel · 24.05.2006

Hör-Tipp
Kontext, jeden Freitag, 9:05 Uhr

Download-Tipp
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Buch-Tipp
Olaf Benzinger, "Bob Dylan. Seine Musik und sein Leben", dtv, ISBN 3423245484

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