Trafficked women

Sie kommen als "Tänzerinnen“ oder "Bardamen“, um der Armut in ihrem Land zu entfliehen: Durch skrupellose Menschenhändler landen sie aber in der Prostitution. Weltweit sind Hunderttausende Frauen in einer Art Sklavenstatus in Sex- und Hausarbeit tätig.

Die Interventionsstelle für Betroffene des Frauenhandels (IBF) vom Verein Lefö in Wien hat vergangenes Jahr 160 Frauen und Mädchen betreut. "75 Prozent der Frauen, die wir betreuen und die in der Prostitution arbeiten mussten, wollten das nicht“, sagt Evelyn Probst von der IBF.

Das größte Druckmittel gegen die Frauen ist die Angst. "Sie haben Angst vor der Polizei, vor der Abschiebung oder dass ihnen oder ihrer Familie etwas angetan wird“. Oft reicht die Androhung, die Familie darüber zu informieren, wie die Frauen ihr Geld verdienen, um sie vom Weglaufen abzuhalten, schildert Probst. Vielen wird auch der Pass weggenommen.

Vor allem Frauen

Das Alter der gehandelten Frauen unterscheidet je nach Tätigkeit: Für Hausarbeit sind Frauen zwischen 40 und 50 Jahren gefragt, für die Prostitution jüngere Frauen bis zu 25.

Immer wieder kommen internationale Anfragen von Familien, die Frauen und Mädchen suchen und vermuten, dass sie in Österreich sein könnten. 90 Prozent aller gehandelten Menschen weltweit sind Frauen. Organhandel oder Feldarbeit zum Beispiel betrifft beide Geschlechter.

Ausbeutung im Grenzland

Für Praktikerinnen wie Evelyn Probst sind Forschungsarbeiten im Bereich Frauenhandel wichtig. Ein interdisziplinäres Team von Migrationsexperten, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftern und Politologen hat sich am IWM - am Institut für die Wissenschaften vom Menschen - gebildet, um Sexarbeit und Ausbeutung von Frauen zu untersuchen.

Die Forscherinnen haben sich mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums zu einem Netzwerk mit Kolleginnen aus Kroatien, Slowenien und Serbien-Montenegro zusammengeschlossen.

"Trafficking“ statt Menschenhandel

Der Begriff "Trafficking“ hat sich in der Forschung etabliert- da es keinen deutschen Begriff gibt, der die Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit des Systems deutlich macht. "Es geht nicht nur um den Handel von Frauen in Prostitution“, sagt die Projektleiterin Birgit Sauer vom Institut für Politikwissenschaften der Universität Wien. "Es geht um den Handel in ungesicherte Arbeitsverhältnisse. Typisch ist die völlige Rechtlosigkeit, eine Form von Sklavenstatus ohne Rechte und Papiere.“

Unerforschter Markt

In Wien sollen laut Schätzungen mehr als 10.000 Männer pro Tag zu Prostituierten gehen. "Die Männer interessieren sich nicht dafür, ob das gehandelte oder legalisierte Sexarbeiterinnen sind“, so Sauer. Aufgrund der Migration entstand ein Billig-Markt, für den die Nachfrage da ist.

Sexarbeit ist in Österreich tabuisiert, es gibt keine offene Diskussion darüber, warum Männer zu Prostituierten gehen - es gibt auch keine einzige Freierstudie.

WM: "Verrichtungscontainer“

Die Fußball-WM zeigt, wie mit dem Problem umgegangen wird. Prostitution bei Sportevents ist nicht neu, neu ist jedoch wie darüber gesprochen wird: Ohne "Verrichtungsboxen“ oder "Verrichtungscontainer“ scheinen die Fans nicht mehr auszukommen.

40.000 gehandelte Frauen sollen nach Deutschland zur WM gebracht werden - viele von ihnen werden durch Österreich geschleust.

Hör-Tipp
Dimensionen, Dienstag, 16. Mai 2006, 19:05 Uhr

Download-Tipp
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Link
Lefö - Beratung, Bildung und Begleitung für Migrantinnen