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Programmierer

Schein und Sein

Die Softwarewelt ist bereits mehr als 50 Jahre alt. Aus Forschungslabors wurden Garagenfirmen, daraus Konzerne und einstige Wunderkinder verkamen zu Programmiersklaven, die das umsetzen müssen, was sich das Management ausgedacht hat.

Man nennt sie Kommando-Koder und Codeflicker; Jene Programmiersklaven, die auf Zuruf reagieren und das umsetzen müssen, was sich das Management ausgedacht hat.

Das Resultat sind schnelle Hacks, eine unüberblickbare Mischung aus alten und neuen Code, überschrittene Abgabetermine und aus dem Ruder laufende Budgets, weil ständig Nachgebessert werden muss. All das erschwert das Leben von Kunden, Management und Programmierern gleichermaßen. Und es kostet Geld.

(c) APA

Über Probleme will niemand reden

Kaum ein Auftraggeber weiß am Anfang so recht was er eigentlich von seinen Programmierern will. Er weiß nur, dass er was will und dass es bereits gestern fertig sein hätte sollen.

Wirklich über ein Problem reden möchte aber niemand so recht. Schon gar nicht mit den Programmierern. Die, so Stefan Schmidt vom Fraunhofer Institut für Rechnerarchitektur und Softwaretechnik in Berlin, sind in den Köpfen der Leute nicht mehr Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.

Der Programmierer als Künstler

In den 70er Jahren klang das noch anders. Da beschrieb Fred Brooks, Turing Award Gewinner des Jahres 1999 die Arbeit der Programmierer in seinem Buch "The Mythical Man Month" etwas enthusiastischer:

"Der Programmierer wie der Dichter baut sich seine Luftschlösser mit Hilfe seiner Phantasie. Nur wenige kreative Werkzeuge sind so flexibel, so einfach zu polieren und zu überarbeiten, so geeignet zur Verwirklichung von großartigen konzeptionellen Strukturen wie Software."

Über Luftschlösser lässt sich schwer reden, genauso wie über abstrakte Kunstwerke, Lyrik und Programmiersprachen, für die man vielleicht besser den Begriff Notation hätte wählen sollen.

Software ist kein Allheilmittel

Die Programmierer selbst sind nicht ganz unschuldig an dieser Misere. Noch immer gibt es den Streit darüber, wer eigentlich ihre Verbündeten sind: Sind es die Ingenieure, die Computerwissenschafter oder doch eher die Mathematiker? Als Künstler verstehen sich auf jeden Fall nur wenige. Selbst wenn sie oft genug wie Schriftsteller auf einen leeren Texteditor starren.

Programmierer haben den weißen Mantel schon längst an den Nagel gehängt, trotzdem erscheinen sie Vielen noch immer als etwas sonderbare Wesen, die in ihren Kammern sonderbare Dinge eintippen. Auf der anderen Seite haben die Entwickler selbst nicht gerade viel dazu beigetragen ihre Misere zu beenden.

Mit agilen Programmiermethoden und auch mit Open Source Projekten, zog wenigstens so etwas wie eine gute Kinderstube in die Softwareschmieden ein. Aber, so der Amerikaner Richard Gabriel, Entwickler von Software und Poet, nach mehr als 50 Jahren Softwaregeschichte wäre es auch an der Zeit sich ein wenig in Bescheidenheit zu üben und einzugestehen, dass Software kein Allheilmittel ist. Es wäre an der Zeit Fehler zuzugeben und einzugestehen, dass so mancher Code und Programmierer weit davon entfernt sind perfekt zu sein.

23.04.2006

Hör-Tipp
Matrix, Sonntag, 23. April 2006, 22:30 Uhr

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