In memoriam Anna Moffo

In den 1950er und 1960er Jahren zählte sie zu den schönsten Frauen der Opernbühne: Anna Moffo, die nach Met-Angaben am vergangenen Freitag gestorben ist. Ein Ö1 Nachruf. Weiters die Auflösung des letzten Apropos-Oper-Rätsels und die Gewinner.

ORF-Mitschnitt: Staatsopern-"Traviata" (1964)

In den 1950er und 1960er Jahren war sie eine der schillerndsten Erscheinungen nicht nur der internationalen Opern-Szene, sondern ebenso präsent in Film, TV und natürlich auch in den einschlägigen Gazetten: Anna Moffo, die am Freitag der Vorwoche in New York gestorben ist.

So unterschiedlich das kolportierte Geburtsjahr der Moffo ist, so unterschiedlich waren auch die Meldungen über ihren Tod und über die Todesursache: erst war von Krebs die Rede, schließlich hatte es schon 1975 Berichte über eine derartige Erkrankung gegeben. Nach Angaben ihrer Stieftochter soll sie an einem Schlaganfall gestorben sein. Und auch über den Zeitpunkt des Todes schwanken die Angaben zwischen vergangenem Mittwoch und Freitag.

Nach Met-Angaben 1932 geboren

Hält man sich an die offizielle Aussendung der Metropolitan, Opera, die immerhin von 1959 bis 1976 sozusagen ihr Stammhaus gewesen ist, wurde die Moffo am 27. Juni 1932 in Wayne in Pennsylvania geboren und ist am 9. März dieses Jahres in New York gestorben.

Hier hat sie zuletzt auch gelebt und sehr aktiv am Musikleben teilgenommen, insbesondere bei Veranstaltungen der Metropolitan Opera Guild, zuletzt noch vor rund zwei Monaten.

Staatsopern-Debüt 1957

Insgesamt waren es nur 26 Abende, an denen Anna Moffo an der Wiener Staatsoper seit ihrem Debüt im Jahr 1957 als Nanetta in Verdis "Falstaff" unter Herbert von Karajan zu hören war. Ihr letzter Auftritt in Wien war eine Vorstellung von Massenets "Manon" im Jänner 1972, aber da war sie stimmlich leider bereits fast am Ende ihrer so kurzen Laufbahn.

ORF-Mitschnitt von "La Traviata"

Immerhin verfügt der ORF über eine "La Traviata"-Aufnahme mit der Moffo, eine ihrer Glanzrollen. Die Aufnahme, musikalisch von Berislav Klobucar geleitet, stammt vom 4. November 1964.

Dass der ORF diese Repertoire-Vorstellung aufgenommen hat, war damals noch lange nicht so selbstverständlich wie heute. Und Mitschnitte aus diesen Jahren sind wirkliche Kostbarkeiten.

Unzählige Plattenaufnahmen

Die etwa 15 Jahre, die Moffos Karriere dauerte, müssen an ihrer Substanz gezehrt haben. Das verdeutlichen allein schon die unzähligen Plattenaufnahmen, die in dieser Zeit mit ihr entstanden sind, ganz zu schweigen von Film- und TV-Auftritten.

Schließlich wollte eine ganze Industrie am Image dieser wunderschönen Frau mitnaschen, die durch ihre Freizügigkeit vor der Filmkamera schließlich ein Vielfaches an Publizität hatte, als es einer Opernsängerin gemeinhin möglich ist.

"Rigoletto" mit Solti

Anna Moffo wurde daher auch bei ihren Platteneinspielungen sofort an die Seite der aller ersten ihres Faches gestellt. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist der "Rigoletto" aus dem Jahr 1963, bei dem Georg Solti am Pult stand und ihre Partner Rosalind Elias, Robert Merrill und Alfredo Kraus waren.

Mit Callas in "Boheme", "Figaro" mit Giulini

1956 wirkte sie in der Einspielung von Puccinis "La Boheme" mit Maria Callas und Giuseppe di Stefano bereits als Musetta mit. In der fünf Jahre später entstandenen Gesamtaufnahme unter Erich Leinsdorf sang sie bereits die Mimi mit Richard Tucker als Partner.

Und noch immer ist der "Figaro" unter Carlo Maria Giulini aus dem Jahr 1959 mit Anna Moffo als Susanna und Giuseppe Taddei in der Titelpartie eine der Referenzeinspielungen dieser Mozart-Oper.

Italienische Wurzeln

Trotz ihrer Geburt in den USA finden sich Anna Moffos Wurzeln aber in Italien. Doch bevor sie sich zur Vervollkommnung ihres Gesangsstudiums Anfang der 1950er Jahre dorthin begab, studierte sie zunächst in Philadelphia Literaturgeschichte - und machte sogar ihren Doktor, um sich dann in Italien ebenso ernsthaft neben der Musik dem Sport zu widmen. Die Moffo war also eine äußerst vielseitig interessierte und hoch intelligente Frau.

1955 Debüt in Spoleto, 1957 an der Scala

Im Jahr 1955 debütierte die Moffo als Norina in Donizettis "Don Pasquale" in Spoleto. Bereits 1957 holte sie Karajan an die Scala, nach Salzburg und Wien. 1959 gab sie ihr Met-Debüt.

Noch davor hatte sie als "Butterfly" im italienischen TV Aufsehen erregt. Parallel dazu entstanden bereits ihre ersten Platten: um etwa 1960 ein Solo-Album unter Altmeister Tullio Serafin, wo sie sowohl im lyrischen Fach wie in spektakulären Koloraturpartien zu hören ist.

Solo-Platte mit Mozart

1958 nahm Anna Moffo mit dem Philharmonia Orchestra unter Alceo Galliera eine Mozart-Solo-Platte auf, auf der sie u. a. in "Il re pastore" in einer der schönsten Liebesarien Mozarts zu hören ist.

Klägliche Comebacks

Trotzdem konnte sie es offenbar psychisch nie verkraften, dass ihre Gesangskarriere so schnell zu Ende ging. Und so gab es immer wieder Ankündigungen eines Comebacks und ebensolche Versuche, die allerdings kläglich scheiterten und traurig waren.

Es ist unverständlich, dass niemand aus ihrer näheren Umgebung sie von solchen Selbstbeschädigungen abhielt.

"Apropos Oper" Rätsel: Auflösung und Gewinner

Im folgenden die Auflösung des "Apropos Oper"-Rätsels vom Faschingsdienstag:

  1. Anny Konetzni war die Isolde bei Herbert von Karajans erstem Wiener Operngastspiel.
  2. Richard Tauber hatte 1947 seinen letzten Opernauftritt an der Londoner Covent Garden Opera anlässlich eines Gastspieles der Wiener Staatsoper.
  3. Lotte Rysanek war die Lola in der "Cavalleria rusticana" im Jahr 1959.
  4. Franco Corelli hat natürlich den Manrico im "Trobadour" und nicht den Mandryka in "Arabella" gesungen.
  5. Der Luna in dieser "Troubadour"-Premiere von 1963 war Eberhard Wächter.
Die Gewinner

Brigitte Zsizsik, 1110 Wien
Karl-Pius Zessner-Spitzenberg, 1190 Wien
Therese Ritz, 1040 Wien
Dr. Wilhelm Cepicka, 1090 Wien
Helga Weinerth, 3454 Sitzenberg-Reidling
Beate Amstädter, 2361 Laxenburg
Robert Kittler, 1180 Wien
Mag. Karl Schiebeck, 8670 Krieglach
Klaus Schreiber, D-57078 Siegen
Evelyn Dawid
Chiara Gerini, 5020 Salzburg
Rudolf Balzer, 1110 Wien
Martin Ernst Urmann, 6060 Hall
Anton Reischer, 1050 Wien
Peter Rausch, 1210 Wien
DI Erich Zimmerl, 3710 Ziersdorf
Hans Christian, 1010 Wien
Peter Paul Klaghofer, 1180 Wien
Robert Schlesinger
Klaus Schröter, D-45468 Mülheim
Sieglinde Pauser, 2603 Felixdorf
Dr. Gisela Fenosz, 2380 Perchtoldsdorf
Gloria Pribek, 1080 Wien
Josef Prendinger, 2540 Bad Vöslau
Mag. Alois Salner, 1180 Wien

Hör-Tipp
Apropos Oper, Dienstag, 14. März 2006, 15:06 Uhr

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