Die Mapuche-Indianer graben Kriegsbeil aus
Die Mapuche haben das Kriegsbeil ausgegraben, greifen die Zellulose-Konzerne an und brennen Wälder nieder. Mehrere Indianer wurden bereits als "Terroristen verhaftet. Der Widerstand sei legitim, heißt es hingegen bei einem lokalen Mapuche-Sender: "Notwehr.
Der lange Kampf der Mapuche-Indianer in Chile gegen Jahrhunderte lange Unterdrückung beginnt wieder aufzuflammen. Die indigenen Völker setzen sich zur Wehr, greifen Zellulose-Konzerne an und brennen Wälder nieder. Sie empfinden ihre Situation als unerträglich und wollen Diskriminierung und Armut seitens der Regierung in Santiago nicht weiter hinnehmen.

Aufstand im Süden Chiles: Die Indianer kämpfen gegen die Vernichtung der Wälder durch skrupellose Holzkonzerne (im Bild: die Zellulosefabrik Arauco).
Die Regierung in Santiago und ihre neu gewählte Präsidentin Michelle Bachelet haben ein Problem. Die Mapuche-Indianer haben das Kriegsbeil ausgegraben und legen überall Brände. 18 Anführer der Indigenen wurden bereits als "Terroristen" verhaftet.
Die Indigenen sehen sich im Recht. Ihr Widerstand sei legitim. "Reine Notwehr", heißt es etwa bei einem lokalen Radiosender der Mapuche-Indios: "Wenn ein Dorf kein Wasser hat, wenn nichts mehr auf den Feldern wächst, und alle wissen, warum das so ist - dann haben sie das Recht aller Welt, das Übel anzugreifen, dass ihnen diesen Zustand beschert hat.
Jahrhunderte lang hatten sich die indigenen Völker in Chile erfolgreich gegen Eindringlinge gewehrt: zuerst gegen die Inkas, dann gegen spanische Eroberer und zuletzt - nach der Unabhängigkeit - gegen die chilenische Regierung in Santiago. Dank ihrer ausgefeilten Guerillataktik kontrollierten die "Araukaner, wie sie von den Weißen genannt wurden, bis 1884 Mittelchile.
Heute leben im Andenstaat noch knapp zwei Millionen der Ureinwohner, die meisten in tiefer Armut in Mittelchile oder in den Slums der Hauptstadt Santiago. Auch nach 15 Jahren Demokratie hat sich an ihrer sozialen Situation wenig geändert. Wenig geändert hat sich auch ihr Kampfeswillen - obwohl viele von ihnen während der Militärdiktatur verfolgt und ermordet worden sind.
Seit 1973, als Augusto Pinchet an die Macht kam, wurde die Situation der Mapuchi-Indianer immer schlimmer, denn für den Diktator gab es nur Chilenen, keine Indianer. Pinochet machte die von Salvador Allende begonnene Landreform rückgängig und übergab das Land der Mapuchi an Großgrundbesitzer oder direkt an Holzunternehmen. Auf diese Weise schrumpfte das Territorium der indigenen Bevölkerung auf ein kleines Refugium von ca. 200.000 Hektar.
Seit damals wurde der Süden mit Eukalyptus-Plantagen bepflanzt. Sie fraßen sich rücksichtslos in die Naturwälder und nahmen gewaltige Ausmaße an. Seit 1988, dem Ende der Pinochet-Diktatur, kämpfen mehrere Mapuche-Organisationen um die Rückgabe ihrer einstigen Böden mit Landbesetzungen und Straßenblockaden.
In jüngster Zeit werden die Proteste immer gewalttätiger. Kein Wunder! Durch den Anbau der Plantagen haben die Indianerdörfer in den Sommermonaten kein Wasser mehr. Die langen Wurzeln der Bäume saugen alles Wasser auf, die Brunnen trocknen aus. Aus Protest legen die Mapuche-Indianer nun Brände.
Von den Kleinstadt Traiguén aus sind es 15 Autominuten bis zu einem von der indigenen Bevölkerung besetzen Dorf; aber kein Schild weist den Weg zu den versteckten Holzhäusern. Von der Landstraße - so verraten Nachbarn - führt ein enger Lehmweg, vorbei an Zäunen und Schuppen, zu der Siedlung. Und überall sieht man Plantagen mit Eukalyptus - soweit das Auge reicht.
Im Sand spielen Kinder, ein paar Hühner laufen herum, an einem Campingtisch schält Eugenia Kartoffeln. Weite Röcke, eine blaue Schürze, derbes Schuhwerk. Das üppige graue Haar wird von einem violetten Tuch zusammen gehalten. Eugenia ist Mapuche-Indianerin, zwischen 80 und 90 Jahren, sagt sie:
"Vor vier Jahren sind wir hergekommen. In der Zeitung stand, dass wir Besetzer seien. Aber das stimmt nicht. Wir haben mit den Behörden geredet, und die Polizei hat uns hier gelassen. Sie hat uns nicht vertrieben. Sehen Sie, hier herum ist alles Eukalyptus. Die Bäume haben sehr lange Wurzeln und ziehen das Wasser aus dem Boden. Unsere Brunnen sind trocken, wir müssen jetzt Wasser kaufen.

Eugenia in ihrem Dorf ohne Wasser
Eugenia hat schon immer hier gelebt, im Süden Chiles, im traditionellen Gebiet der Mapuche-Indianer. Seitdem sie vor 120 Jahren militärisch unterworfen wurden, ging es ihnen nie wirklich gut. Aber nachdem die Militärdiktatur vor 30 Jahren den Süden Chiles in eine einzige Kiefern- und Eukalyptus-Plantage verwandelt hatte, ist ihre Situation dramatisch geworden:
"Wir hatten immer genügend Wasser, sagt Eugenia: "Für die Tiere, zum Trinken, zum Kochen, zum Waschen und für die Felder. Jetzt haben wir kein Wasser mehr. Im Dezember trocknen die Brunnen aus - bis Mai. Dann regnet es zum Glück wieder. Die Plantagen trocknen die Erde aus. Trotzdem pflanzen sie immer weiter ...
Text: Gaby Weber · 31.01.2006
Hör-Tipp
Journal-Panorama, Dienstag, 31. Jänner 2006, 18:25 Uhr
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Wikipedia - Mapuche