Analyse und Darstellung
Das Zeitalter der Simulation
Simulation wurde früher als Instrument zum Testen von technischen Systemen oder als Mittel zur Vorhersage verstanden. Im 21. Jahrhundert geht es darum, das zu verstehen, was dahinter steckt. Die neuen Möglichkeiten von und durch Simulationen.
8. April 2017, 21:58
Die beiden Veranstalter der Konferenz "The Age of Simulation", das Ars Electronica Center und FAS Research, haben beide langjährige Erfahrungen mit Simulationen.
Das Ars Electronica Futurelab setzt sie in den verschiedensten Bereichen ein. Angefangen von verschiedensten Ausstellungsobjekten im Ars Electronica Center, wie dem Flugsimulator Humphrey, mit dem man einen virtuellen Rundflug über Linz und auf den Grund der Donau machen kann, bis zu Installationen und Simulationen für Kulturbetriebe und die Industrie.
Netzwerke besser verstehen
FAS Research beschäftigt sich in erster Linie mit der Analyse von sozialen Netzwerken. Untersucht wird zum Beispiel, wie es zu Gruppenbildungen und zur Ausschließung von Menschen aus diesen Gruppen kommt. Im Auftrag von Firmen oder Forschungseinrichtungen wird auch der Frage nachgegangen, wie Netzwerke beschaffen sein müssen, um Innovationen zu ermöglichen. Bis vor kurzem, so FAS-Leiter Harald Katzmair, habe man derartige komplexe Systeme nicht auf diese Weise untersuchen können.
Auch Lothar Krempel und sein Team vom Max Planck Institut für Gesellschaftsforschung in Köln setzen Simulationen ein, um Netzwerke besser zu verstehen. Ausgangsmaterial für eines ihrer Projekte war eine umfassende Sammlung von Petitionen, die die Bewohner einer Stadt in Südwestdeutschland in den Jahren 1848 und 1849 bei ihrem Herrscher eingegeben hatten.
Aus den unzähligen Schreiben, die eine Historikerin zusammengetragen hatte, konnten die Forscher Beziehungsgeflechte zwischen verschiedenen Personen und gesellschaftlichen Gruppen, die gemeinsame politische Aktivitäten gesetzt hatten, simulieren. Lothar Krempel vergleicht das mit dem Wiederzusammensetzen eines Moleküls, das zuvor als Haufen einzelner Atome vorgelegen war.
Spielen und Lernen mit Simulationen
Im Zeitalter der Simulation bleiben die Analyse und Darstellung komplexer Zusammenhänge mithilfe von Simulationen aber nicht auf die Forschung beschränkt. Simulationen haben sich unbemerkt in viele Lebensbereiche eingeschlichen, zum Beispiel in jene des Lernens, des Spielens und des spielerischen Lernens.
Eric Klopfer, Direktor des Teacher Education Program am MIT in Boston und sein Team adaptieren kommerzielle Spiele und entwickeln eigene Spiele für den Unterricht. Spiele würden eine Möglichkeit des aktiven, engagierten Lernens bieten und damit sehr positiv Fertigkeiten und Wissen vermitteln, so Klopfer.
Die ganz aktuelle Entwicklung von Eric Klopfer und seinem Team ist StarLogo The Next Generation. Dafür haben die Forscher puzzle-artige Bausteine entwickelt, die es Kindern und Jugendlichen ermöglichen, auf sehr einfache und intuitive Weise ihre eigenen Simulationen zu programmieren - zum Beispiel für die Ausbreitungsmechanismen einer Infektionskrankheit.
"Rapunsel"
Auch Ken Perlin, Gründer und Leiter des Media Research Lab an der Abteilung für Computerwissenschaften der New York University, möchte Kindern das Programmieren von Simulationen näher bringen:
"Mein Ziel und das Ziel meiner Kollegen ist, originäres Denken und Forschen zu fördern. Kinder sollen nicht nur das Lernen, was wir ihnen vorsagen. Sie sollen die Fähigkeiten behalten, die sie bereits haben. Kinder sind sehr kreativ, sie haben eine unglaubliche Vorstellungskraft, aber seltsamerweise wird das in unserem Bildungssystem manchmal behindert. Man vermittelt ihnen, dass man auf dem Weg zum Erwachsenwerden dieses originelle Denken aufgeben muss."
Um Mädchen im Alter von 11 bis 13 Jahren, die zumeist das Interesse an Mathematik und dem Programmieren verlieren, zu motivieren, haben Ken Perlin und sein Team ein Spiel entwickelt, mit dem man das Programmieren in Java lernt.
Mit dem Spiel "Rapunsel" kann man Charaktere gestalten und nach eigenen Vorstellungen tanzen lassen. Man kann auch Code mit anderen tauschen und Tanzwettbewerbe veranstalten.
Mehr dazu in science.ORF.at
Hör-Tipp
Matrix, Sonntag, 22. Jänner 2006, 22:30 Uhr
Download-Tipp
Ö1 Club-Mitglieder können die Sendung nach der Ausstrahlung 30 Tage lang im Download-Bereich herunterladen.
Links
Media Research Lab - Rapunsel
The Age of Simulation
Ars Electronica Futurelab
FAS Research
Lothar Krempel
Education Arcade
matrix.ORF.at
