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Gesellschaft

Politisch - kritisch - lyrisch

Yaak Karsunke, Erich-Fried-Preisträger 2005

Seit 1969 ist er Schriftsteller - der Lyriker Yaak Karsunke. Ende November wird ihm im Wiener Akademietheater der "Erich Fried Preis 2005" überreicht - eine Auszeichnung, die ihn besonders freut, denn mit Fried verband ihn eine jahrelange Freundschaft.

Der Lyriker liest aus seinem Gedicht "Berliner Begegnung"

"Yaak Karsunke ist ein Dichter, dessen Poesie eine wichtige Prüfung der Literatur glänzend besteht, nämlich, ihre Leser auf einen anderen Stern zu versetzen", sagte Juror Christoph Ransmayr bei der Jurybegründung für die Auszeichnung des Lyrikers mit dem renommierten "Erich Fried Preis 2005".

Mit Yaak Karsunke wurde ein Schriftsteller ausgezeichnet, der stets politisch aktiv war. Er engagierte sich in Deutschland in den 60er Jahren in der APO, der Außerparlamentarischen Opposition, er war 1968 Sprecher der Ostermarsch-Kampagne für Demokratie und Abrüstung sowie Mitbegründer und Chefredakteur der Literaturzeitschrift "Kürbiskern", in der auch neue Gedichte von Erich Fried und anderen namhaften Lyrikern publiziert wurden.

(c) ORF, Hummel

Die Auszeichnung freute Yaak Karsunke besonders, denn mit Erich Fried verband ihn eine jahrelange Freundschaft. Gemeinsam mit ihm ist er bei vielen politischen Veranstaltungen aufgetreten.

Seine Freundschaft mit Fassbinder

Der Lyriker und Dramatiker war auch mit Rainer Werner Fassbinder befreundet. Er spielte in mehreren Fassbinder-Filmen wie "Berlin Alexanderplatz" als Schauspieler mit. Ebenso schrieb er Theaterstücke, die von Fassbinder, Johan Kresnik und anderen inszeniert wurden.

Mit seinen Gedichten ist der Schriftsteller auch in vielen Anthologien mit deutschsprachiger Lyrik nach 1945 und in vielen Schul-Lesebüchern vertreten.

Vom Schauspieler zum Chefredakteur

Der gebürtige Berliner besuchte nach drei Semestern Rechtswissenschaften die Max-Reinhardt-Schauspielschule, aber obwohl er später in Filmen von Rainer Werner Fassbinder mitwirkte, verlor der Beruf des Schauspielers für ihn bald an Reiz: "Ich hatte eine vollkommen falsche Vorstellung von diesem Beruf", sagt er rückblickend.

1964 übersiedelte er und seine Familie nach München; er besuchte politische Veranstaltungen, engagierte sich in der APO und gründete 1965 mit anderen linken Autoren die Literaturzeitschrift "Kürbiskern". Aus Protest gegen die sowjetische Politik gab er 1968 seine Position als Chefredakteur und Mitherausgeber auf. In diesem Jahr war er auch "Rädelsführer" bei der so genannten Ostermarsch-Kampagne für Demokratie und Abrüstung.

Vom Theaterkritiker zum Schriftsteller

Ab dem Jahr 1969 lebte Yaak Karsunke als freier Schriftsteller. Er schrieb Theaterkritiken für Zeitschriften, er arbeitete für den Rundfunk und begann, eigene Texte, vor allem lyrische, zu schreiben.

Sein erster Gedichtband "Kilroy & andere" erschien 1967; 1969 folgte der Band "reden & ausreden". Durch seine Tätigkeit als Theaterkritiker kam er in Kontakt mit Schauspielern und Regisseuren, so etwa auch mit dem in Österreich geborenen Regisseur und Choreografen Johann Kresnik, von dem ja derzeit im Wiener Volkstheater seine Inszenierung des umstrittenen Stücks "Spiegelgrund" zu sehen ist.

Sein Geld verdiente er als Kritiker des "Kulturspiegels" beim Bayerischen Rundfunk. Dabei besuchte er auch viele Kellertheater und ungewöhnliche Spielstätten. Bei Aufführungen im "Action"-Kino in München lernte er auch Rainer Werner Fassbinder kennen.

Der Krimiautor und Pädagoge

Neben der Lyrik und dem Schreiben von Theaterstücken und Hörspielen hat Yaak Karsunke sich auch überaus erfolgreich als Krimiautor versucht. 1990 erhielt er für seinen Kriminalroman "Toter Mann" den Deutschen Krimipreis.

Lange Jahre war der Schriftsteller auch als "Pädagoge" tätig. Er umschreibt das mit dem Satz: "Ich habe anderen das Leben schwer und das Schreiben leicht gemacht". Im "Berlin-Kolleg", einem Institut für den Zweiten Bildungsweg, hat er zunächst Laien beim Schreiben geholfen - "Schreiben als sprachlicher Ausdruck" - eine Hilfestellung für Arbeiter. Von 1990 bis 1999 war er Gastprofessor für "Szenisches Schreiben" an der Hochschule der Künste in Berlin.

Erinnerungsstücke an schlechte Zeiten

In seiner Wohnung in Berlin, in der er mit seiner Frau Ingrid lebt, fallen einem neben den vielen Büchern auch schöne, rätselhafte Objekte auf - Figuren, gebaut aus alten Werkzeugteilen und Fundstücken auf der Straße: Ein gebogener Draht, ein abgebrochenes Stück Holz, alte Eisenteile fügen sich zu Gebilden zusammen, die aus Bildern von Paul Klee stammen könnten. Es seien Erinnerungsstücke an die Jahre, in denen er als Hilfs- und Gelegenheitsarbeiter sein Geld verdienen musste, sagt er.

Sein bis dato letzter Gedichtband - erschienen im Vorjahr - heißt "Hand und Fuß". Die konsequente Arbeit an der Lyrik werde - so Yaak Karsunke - natürlich weitergehen, und blättert dabei, während er spricht, in seinen zahlreichen Gedichtbänden.

Text: Heinz Janisch · 27.10.2005

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