Licht, Gerechtigkeit und Würde

Antonio Skármeta war mit Pablo Neruda befreundet und bis zum Militärputsch Pinochets Dozent für lateinamerikanische Literatur. Im Exil in Deutschland hat er begonnen, Drehbücher zu schreiben. Weltberühmt wurde er mit dem Roman "Mit brennender Geduld".

Als die chilenische Luftwaffe am 11. September 1973 den Regierungspalast ihres eigenen Präsidenten bombardierte, wurde mit US-amerikanischer Unterstützung auch ein demokratisches Experiment zerstört und Jahre des Terrors und der Willkür sollten folgen. Intellektuelle und Künstler mussten fliehen. Einer von ihnen war Antonio Skármeta, der mit Pablo Neruda, der den Staatsstreich um nur zwölf Tage überleben sollte, befreundet war und der an der Universidad Santiago de Chile lateinamerikanische Literatur lehrte: "In der Zeit zwischen 1970 und 1973, als der Versuch gestattet wurde, einen sozialistischen Weg zu finden, haben die meisten Dichter und Intellektuellen an diesem Weg teilgenommen und Salvador Allende unterstützt."

Exil in Deutschland

Antonio Skármeta, geboren am 7. November 1940 in Antofagasta, liebt Weißwein und er ist, wenn er über Chile spricht, ein Chauvinist. Nach dem Pinochet-Putsch verbrachte Skármeta seine Exiljahre in Berlin, lebte von 1989 bis 2000 wieder in Santiago de Chile und war anschließend - bis 2002 - Botschafter in Deutschland. Daraus könnte man leicht eine Tradition ablesen, da viele lateinamerikanische und besonders chilenische Autoren ihre Länder als Botschafter vertreten haben. Pablo Neruda war in Paris, Jorge Edwards in Kuba, aber der Schein trügt, "die Schriftsteller sind an ihre Schreibtische zurückgekehrt."

Neben Spanien und Frankreich waren es 1973 vor allem die deutschsprachigen Länder, die den chilenischen Flüchtlingen Exil angeboten hatten. Skármeta hatte schon vor seinem Exil mit dem deutschen Regisseur Peter Lilienthal Filme wie "Es herrscht Ruhe im Land" gedreht.

"Die Geschichte Chiles endet nicht mit Pinochet"

Antonio Skármeta war zwar der erste Autor, der in einem Roman ("Ich träumte, der Schnee brennt") die Ereignisse des Staatsstreichs von Pinochet thematisiert hatte, aber "die Geschichte Chiles beginnt nicht mit Allende und endet nicht mit Pinochet". Die "wunderbare Geschichte, die wir vor Allende hatten", ist in dem Roman "Das Mädchen mit der Posaune" nachzulesen. Auf der Flucht vor den Nazis, die bereits ihre Eltern ermordet haben, erreicht Magdalena in Begleitung eines Posaunisten im Dezember 1944 die chilenische Stadt Antofagasta. Magdalena träumt zwar von Amerika, doch der Traum führt direkt zur Sehnsucht nach Allende.

Sein bekanntestes Buch, den Roman "Mit brennender Geduld", hat Skármeta 1984 selbst verfilmt. Es ist die Geschichte von Mario Jiménez, der nicht mehr wie seine Vorfahren Fischer sein möchte. Als Postbote in Isla Negra, dem Urlaubsort von Pablo Neruda an der Pazifikküste, bringt er dem Dichter die Post und möchte von ihm die Kunst der Metapher erlernen, um mit Poesie die angebetete Beatrice zu erobern. Roman- und Filmtitel sind einerseits ein Zitat von Arthur Rimbaud: "Im Morgengrauen werden wir, bewaffnet mit brennender Geduld, die Städte betreten." Andererseits hat sich Neruda bei der Dankesrede zur Verleihung des Nobelpreises auf Rimbaud berufen: "Nur mit brennender Geduld werden wir die strahlende Stadt erobern, die allen Menschen Licht, Gerechtigkeit und Würde schenken wird. So wird die Poesie nicht vergebens gesungen haben." Der Roman endet mit dem Tod Nerudas und dem gewaltsamen Verschwinden Marios.

"Il Postino" in Italien

Weltberühmt wurde Skármeta 1994, als Michael Radford den Roman noch einmal unter dem Titel "Il Postino" verfilmte. Allerdings wurde die Erzählung des Films mit Massimo Troisi und Philippe Noiret von Chile nach Italien verlegt. Pablo Neruda hatte dort einige Jahre verbracht.

Auch die Rechte an Skármetas neuem Roman "Der Dieb und die Tänzerin" über die Zeit nach Pinochet, von dem in Spanien sofort 200.000 Exemplare verkauft wurden und dessen deutsche Übersetzung im Oktober erscheint, wurde vom "Il Postino"-Produzenten gekauft. "Hoffentlich bekommen wir 2006 wieder einen schönen Film", sagt Skármeta und verstaut den Grünen Veltliner, den Ö1 Weißwein-Sieger, in seinem Koffer. "Den bringe ich nach Santiago. Meine Frau liebt Grünen Veltliner."

Buch-Tipps
Antonio Skármeta, "Mit brennender Geduld", Piper Verlag, ISBN 3492226787

Antonio Skármeta, "Der Dieb und die Tänzerin", Piper verlag, ISBN 349204719

Antonio Skármeta, "Das Mädchen mit der Posaune", Piper Verlag, ISBN 3492239811