Spielerisch-ironischer Umgang mit Kitsch-Objekten
Miroslav Mirt, Bildender Künstler
Wo für andere Kunst aufhört, fängt sie für ihn erst an: Der junge kroatische Künstler und Essl-Award-Preisträger Miroslav Mirt arbeitet zum Thema "Kitsch". Er untersucht, wodurch sich konkret Kitsch von Kunst unterscheidet und was nötig ist, damit Kunst entsteht.
27. April 2017, 15:40
Ein schwülstiges Stillleben in Goldrahmen: Ein Blumenarrangement mit roten Rosen und rosa Nelken. Daneben die billige Reproduktion eines Barockgemäldes mit blassen Hofdamen. Und darunter eine romantisch verbrämte Landschaftsdarstellung. "Ich habe diese Bilder auf dem Flohmarkt gefunden. Das war für mich ein wichtiger Aspekt: Dass dieser Kitsch zugleich billig und leicht verfügbar war", erklärt der junge kroatische Künstler Miroslav Mirt.
Die Bilder der etwa zwei mal zwei Meter großen Wandinstallation "Recycle Bin" von Miroslav Mirt zeigen aber massive Eingriffe: Die Papierbilder wurden gefaltet oder gelocht, die Rahmen wurden perforiert, bei den Ölgemälden wurden Farbschichten abgespachtelt, Teile der Bilder abgetragen.
Kitsch und Kunst
Neben den auf diese Weise "behandelten" kitschigen Artefakten, hängen Zellophansäckchen mit dem abgenommenen Material: Den Papierschnipseln, dem Sägemehl der Rahmen, den Ölfarbeschichten. Und zwar säuberlich gerahmt: "Autopsie am weißen Bild", "Rahmen im Rahmen" und "Bildextrakt, Rahmenextrakt" nennt Mirt die einzelnen Teile seiner Installation.
"Durch diese Interventionen wollte ich zwei Fragen aufwerfen: Lässt sich durch die Untersuchung von Kitsch Neues über Kunst herausfinden. Und: Lassen sich Wege finden, wie aus Kitsch Kunst werden kann, kann man also den Kitsch von seinen Kitsch-Charakteristika 'reinigen'?"
Originalität, Mut und Verspieltheit
"Was ich in der Kunst suche, ist Originalität und Mut, aber auch Verspieltheit. Deshalb interessieren mich auch Künstler wie Marcel Duchamp, Andy Warhol, Marina Abramovic oder Damien Hirst. Einen direkten Einfluss auf meine Arbeit haben sie aber nicht."
Den holt sich Miroslav Mirt eher aus der Philosophie: "Während ich an 'Recycle Bin' gearbeitet habe, war 'Kitsch - Die Welt des schlechten Geschmacks' von Gillo Dorfles ein wichtiges Buch für mich. Ansonsten lese ich viel vom amerikanischen Kunstkritiker und Philosophen Arthur C. Danto."
Ein Malkurs als Auslöser
Aufgewachsen ist Miroslav Mirt in dem kleinen seit Monarchie-Zeiten bekannten Kurort Stupicke Toplice, wo seine Eltern auch heute noch leben. Erst zum Studium kam er ins 40 Kilometer entfernte Zagreb. An Kunst dachte er damals noch nicht:
"Ich habe eigentlich begonnen Wirtschaft zu studieren, aber während meines ersten Jahres mehr aus Zufall einen Zeichen- und Malkurs besucht, der von Studenten der Akademie der Bildenden Künste geleitet wurde. Damit erwachte recht plötzlich mein Interesse an Kunst und ich begann Galerien und Ausstellungen zu besuchen. Die Leiter des Workshops ermunterten mich, die Aufnahmeprüfung an der Akademie zu versuchen, was ich noch im selben Jahr versuchte, weil ich ohnehin das Gefühl hatte, dass Wirtschaft nicht das richtige für mich ist."
Im dritten Anlauf aufgenommen
Der Umstieg war kein einfacher: Anfangs stellte die Aufnahmeprüfung ein Hindernis dar - "ich schaffte sie erst 2001 nach zwei fehlgeschlagenen Versuchen", so Mirt - , dann der Widerstand der Eltern: "Sie verstehen bis heute nicht, wie ich mein Wirtschaftsstudium abbrechen konnte."
Auf der Akademie hat Mirt sich für das Lehramtsstudium entschlossen: "Ich fand das Angebot dort besonders ambitioniert. Neben den praktischen Klassen werden dort, was mir sehr wichtig ist, Kunsttheorie und Kunstgeschichte sehr ausführlich behandelt."
Brotberuf zum Überleben
Einen anderen Vorteil bietet das Lehramtsstudium daneben noch:
"Die Situation in Zagreb ist für einen jungen Künstler nicht einfach. Kaum einer kann von seiner Kunst leben. Man braucht irgendeinen Brotberuf, den man nebenher ausüben kann. Am besten ist es natürlich, wenn der auch noch etwas mit Kunst zu tun hat, wie zum Beispiel Lehrer für bildnerische Erziehung", so Miroslav Mirt.
Kontakt
Miroslav Mirt
Links
Akademie der Bildenden Künste Zagreb
Sammlung Essl
