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Talentebörse: Kunst

Mark Pozlep, Videokünstler

Der Künstler auf der Straße

Auf seinen Streifzügen durch Europas Städte ist er mehr als nur Künstler: Der Slowene Mark Pozlep. Wie ein Historiker oder Soziologe sammelt er mit Skizzenblock, Fotoapparat und Videokamera Zeichen und Geräusche, die er in seinen Werken miteinander verschmilzt.

"Die letzten beiden Jahre habe ich sehr viele Reisen unternommen. Immer in europäische Großstädte. Ich liebe die Straßen, die Mauern und die Spuren, welche die Menschen auf ihnen hinterlassen." Für Mark Pozlep bilden sie die Tagebücher der jeweiligen Städte. Eingeritzt oder aufgesprayt finden sich dort "Eintragungen" aller Art: Liebesbekundungen ebenso wie Hasstiraden, Statements zur politischen Situation ebenso wie die Vorlieben für diverse Musikgruppen oder Schauspielstars.

(c) Pozlep

Mark Pozlep

"Anfangs habe ich diese Spuren nur abgemalt oder fotografiert. Wenn man den richtigen Ausschnitt nimmt, sehen diese Zeichen auf den Mauern alleine schon aus wie zeitgenössische Malerei. Ich wollte ursprünglich nur eine Bilderserie ausstellen, hatte dann aber das Gefühl, dass noch zu wenig von mir in dieser Arbeit steckte. Ich interessiere mich sehr für Musik und Film und entschied mich dann, auch die Geräusche und Bewegungen in den Städten mit einfließen zu lassen. Deshalb habe ich mich dann dem Medium Video zugewandt."

Stadt-Beobachtungen mit Kamera

Herausgekommen ist schließlich die Installation "Cities". Hier finden sich auf einer Wand zusammengefasst zwölf Bilder und drei Videos. Als Malunterlage verwendete Mark Pozlep dabei sehr aussagereiche Medien.

(c) Pozlep

Mark Pozleps Installation "Cities" verknüpft spielerisch die Medien Malerei und Video.

"Es handelt sich um alte Schulschreibtischplatten, auf denen Schüler dreißig Jahre lang ihre kleinen Botschaften hinterlassen haben. Ich habe diese dann mit den verschiedensten Materialien, mit Acrylfarbe, Kugelschreiber und Leuchtstiften übermalt und auch kleine Plastikobjekte aufgeklebt. Die Acrylemulsion war zudem durchscheinend, ich konnte also auch mehrere übereinander liegende Ebenen miteinander kommunizieren lassen", so Pozlep.

(c) Pozlep

"Cities" (Detail): Die gesammelten Spuren der Stadt werden auf 30 Jahre alten Schultischplatten collagiert.

Auch die Videos sollten "Zufallsfunde" sein: "Ich habe kein Drehbuch geschrieben, ich wollte vor der Kamera nichts inszenieren. Die Stadt sollte sich auf die ihr eigene Art und Weise ausdrücken und ich würde sie einfach mit der Kamera dabei beobachten. Aus diesem Rohmaterial schrieb ich dann am Schneidetisch meine Geschichte der jeweiligen Stadt", erklärt mark Pozlep.

(c) Pozlep

"Cities" (Detail): Die verschiedenen Botschaften werden mit unterschiedlichen Materialien wie Kugelschreiber, Acryl oder Leuchtstiften aufgezeichnet.

Einkommen durch Porträtzeichnen

Leben kann Mark Pozlep von seiner Kunst noch nicht. Seine Mutter borgt ihm immer wieder Geld, sonst verdient er sich mit kleinen Jobs, etwa als Kellner, seinen Lebensunterhalt. Und einmal im Jahr fährt er nach Venedig, wo er während des Karnevals als Porträtzeichner arbeitet:

"Es ist ein schrecklicher Job, aber letztendlich hatte er auch etwas Gutes: Ich habe nämlich bei einem Venedigaufenthalt begonnen, mit Video zu experimentieren."

Essl Award für "My Small Big Town"

Da er die Zeichen der Straße zu Kunst macht und in Galerien bringt, stellte sich für Mark Pozlep die Frage, wie der Kunsttransfer eigentlich in entgegengesetzter Richtung aussehen könnte und realisierte deshalb mit Hana Vodeb das Video "My Small Big Town", das letztes Jahr auf dem schwedischen Simrishamn Art Film Festival gezeigt wurde:

"Mich interessierte es, was wohl geschehen würde, wenn Bilder aus den Galerien genommen würden und der breiten Bevölkerung zur Bewertung vorgelegt würden? Würden sie als schlechte Versionen von Werbeplakaten wahrgenommen werden oder könnten sie tatsächlich eine neue Funktion erlangen?" Dieser lebendige Dialog zwischen Kunst und Alltag, zwischen Zufall und Plan, zwischen Galerie und Straße hat Mark Pozlep den Anerkennungspreis beim Essl Award eingebracht.

Text: Wolfgang Popp · 27.07.2005

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