Michal Matejcik, Harfe

Die Harfe, das ist für ihn die Verbindung von Musik und Malerei: Michal Matejcik, gebürtiger Slowake, Jahrgang 1977, der an der Musik-Uni Wien sein Harfe-Studium mit Auszeichnung beendet hat. Das große Talent möchte als Orchestermusiker und Pädagoge tätig sein.

"Neben der Brücke ...": M. Matejcik spielt T. Hosokawa

"Ich habe bereits mit sechs Jahren mit Klavier begonnen und als ich 15 war, wollte ich auch die humanistischen Fächer lernen. Und so habe ich mich entschieden, ins Gymnasium zu gehen. Als ich die vierte Klasse besuchte, wurde eine neue Abteilung am Konservatorium eröffnet, wo man auch Harfe unterrichtete. Ich war von dieser Möglichkeit begeistert und habe dort mit dem Harfe-Studium begonnen", erzählt Michal Matejcik, gebürtiger Slowake, Jahrgang 1977, der seit 2000 an der Wiener Musik-Universität bei Adelheid Blovsky-Miller Konzertfach Harfe studiert und im Juni 2005 sein Studium mit der zweiten Diplomprüfung, die er mit Auszeichnung bestand, abgeschlossen hat.

Der talentierte Nachwuchs-Musiker verfügt über eine profunde Ausbildung: So hatte er fünf Jahre Harfen-Unterricht am Konservatorium seiner Geburtsstadt Zilina sowie in Bratislava bei Prof. T. Kovac, L. Sawiczova und Z. Törökova und hat seine Matura und das Absolventendiplom abgeschlossen. Warum er sich gerade für die Harfe entschied? "Was mich an diesem Instrument so reizt, sind die Klangfarben. Die Harfe - das ist für mich eine Verbindung von Musik und Malerei", erklärt Matejcik seine Entscheidung.

Bewerbung als Orchestermusiker

Derzeit bewirbt sich der junge Nachwuchs-Musiker um eine Orchesterstelle, wie er erzählt: "Ich habe verschiedene Probespiele in Deutschland, wo ich mich um eine Orchesterstelle bewerbe. In Österreich gibt es derzeit keine freie Stelle für einen Harfenisten."

Will Michal Matejcik auch als Solist tätig sein? "Ich möchte als Orchestermusiker und als Solist arbeiten. Denn eine Orchesterstelle zu haben, bedeutet natürlich Sicherheit. Und man kann ja dann auch als Solist auftreten und Kammermusik machen."

Instrument mit sieben Pedalen

Als größtes Problem beim Erlernen der Harfe sieht der talentierte Musiker das Pedalisieren: "Die Harfe hat sieben Pedale - auf der rechten Seite vier Pedale, auf der linken drei - und es darf nicht eine Stelle stärker chromatisiert sein, denn sonst schafft man es mit den Füßen nicht gleichzeitig. Und wenn man vier Pedale gleichzeitig treffen muss, ist das sehr schwierig."

Von Renaissance bis zu Zeitgenössischem

"Kompositionen für Solo-Harfe gibt es meistens aus der Renaissance und aus dem 20.Jahrhundert. Denn im Barock und in der Klassik wurde die Harfe in der Kammermusik nicht als Solo-Instrument, sondern wie ein Basso continuo eingesetzt, weil die Instrumente damals einen begrenzten Tonumfang hatten und ihr Klang nichts so groß war. Früher gab es nur drei oder vier Pedale und die Harfen waren in bestimmten Tonarten gestimmt. Die heutige Konzertharfe hat diese Modulationsmöglichkeiten", erläutert Michal Matejcik.

Zu den berühmtesten Solo-Kompositionen für dieses Instrument zählen Mozarts Konzert für Harfe und Flöte, Beethovens Variationen über ein Schweizer Lied für Klavier oder Harfe, Spohrs Fantasie für Solo-Harfe, Debussys Tänze für Harfe und Streichorchester und Ravels Introduktion und Allegro für Flöte, Klarinette, Harfe und Streichquartett sowie zeitgenössische Stücke von Luciano Berio und von Toshio Hosokawa.

Philosophisches von Hosokawa

Zu den bevorzugten zeitgenössischen Komponisten Matejciks zählt der Japaner Toshio Hosokawa, dessen Solo für Harfe "Neben dem Fluss..." zum Repertoire des jungen Harfenisten zählt:

"Ich mag dieses Werk so gerne, weil es ein sehr philosophisches Stück ist. Hosokawa war bei dieser Komposition von Hesses 'Siddharta' inspiriert."

Vielfältige Orchester-Erfahrung

Erfahrung im Orchesterspiel hat der junge Harfenist bereits seit acht Jahren, als er im Konservatoriumsorchester von Bratislava begann. Inzwischen wirkt er u.a. beim Pro-Arte Orchester Wien, dem Webern Symphonie Orchester, dem Stephansdom Orchester und bei Konzerten der Yehudi Menuhin-Stiftung "Live Music Now" mit.

Und er ist Mitglied des European Philharmonic Orchestra sowie des japanischen Pacific Music Festival Orchestra. In diesem Rahmen durfte er im Vorjahr bei einem Kammermusik-Konzert mit u.a. Alessandro Cappone von den Berliner Philharmonikern sowie Peter Schmidl und Anton Mittermayer von den Wiener Philharmonikern musizieren.

Preise und Fortbildung

Kein Wunder also, dass das musikalische Großtalent auch ausgezeichnet wurde: So erhielt Matejcik den 1.Preis beim slowakischen Harfenwettbewerb 1998, an dem Schüler aller drei slowakischen Konservatorien in Bratislava, Zilina und Kosice teilnahmen. 2001/2002 und 2002/2003 erhielt er ein Stipendium der Schweizer Robert und Linna Till-Duer Stiftung und 2003/2004 war er Stipendiat der Viktor Buenzel Stiftung.

Und natürlich sorgt der Nachwuchs-Musiker auch für eine profunde zusätzliche Ausbildung: So hat er u.a. ein Kammermusik-Workshop mit Anders Ljungar-Chapelon besucht sowie an Harfen-Masterclasses mit Ion Roncea, mit Patrizia Tassini sowie mit Xavier de Maistre teilgenommen. "Man sammelt dabei immer neue Erfahrungen und bekommt neue Ideen, wie man ein Stück interpretieren kann."

Musiker und Pädagoge

"Im Sommer werde ich bei verschiedenen Konzerten in der Slowakei sowohl solistisch als auch mit Ensembles auftreten. Und im September wirke ich im Rahmen der Yehudi-Menuhin-Stiftung mit, wo wir für Menschen, die nicht ins Konzert gehen können, in Krankenhäusern und Altersheimen spielen", erzählt der junge Harfenist, der bereits seit dem Vorjahr seinen Lebensunterhalt als Musiker verdient.

Was Michal Matejciks größte Wünsche für die Zukunft sind? "Eine gute Orchesterstelle zu haben, einen seriösen Manager und unterrichten zu können, denn das Pädagogische liegt mir sehr. Ich habe derzeit zwei Schülerinnen - und ich glaube, ich mache es sehr gut."