Ich mache kein Theater

Seit Jahrzehnten zählt sie zu den großen Persönlichkeiten der österreichischen Theaterwelt. Auch in zahlreichen Filmrollen bewies sie ihre Ausnahmestellung. Zur Institution wurde sie als Schauspiel-Lehrerin am Reinhardt-Seminar, wo sie 20 Jahre unterrichtete.

Erni Mangold über ihre Haltung zum Schauspielerberuf

Von den Kritikern wird sie als "Theater-Legende" gefeiert. Sie selbst nimmt es freundlich-achselzuckend zur Kenntnis:

"Ich bin ein sehr direkter Mensch, der sich nicht gern verstellt. Ich mache kein Theater um meine Person".

Der schönen Sprache wegen ...

"Ich wollte ursprünglich gar nicht zum Theater. Das war im Grunde genommen eine Idee meines Vaters. Er wollte, dass seine Tochter Künstlerin wird. Wenn es schon mit der Musik nicht funktionierte, dann sollte es das Schauspiel sein. Nicht zuletzt der schönen Sprache wegen ...",

erinnert sich Erni Mangold, die aus einer Künstlerfamilie stammt. Ihr Vater war Maler, die Mutter wäre gern Konzertpianistin geworden, musste aber ihrer Familie zuliebe auf eine Karriere verzichten. Von ihr erhielt sie vom vierten bis zum 14. Lebensjahr Klavierunterricht ...

Die Volks-Schauspielerin

Als Schauspielerin war Erni Mangold am Theater in der Josefstadt, am Hamburger Schauspielhaus unter Gustav Gründgens, am Wiener Volkstheater und an vielen Bühnen in Österreich, Deutschland und der Schweiz engagiert. Sie erhielt die begehrte Kainz-Medaille, und vor wenigen Jahren wurde der in Groß Weikersdorf geborenen Niederösterreicherin der Titel "Kammerschauspielerin" verliehen.

Sie gilt als große "Volks-Schauspielerin", doch sie hat es auch geschafft, in der alternativen Theater-Szene ein Star zu werden. Als Mitglied der Kleinbühnenjury im Kunstministerium setzte sie sich beispielsweise 1990 für die Uraufführung des Stückes "Die Präsidentinnen" des damals unbekannten jungen Dramatikers Werner Schwab ein und stand bei der umstrittenen Uraufführung im Wiener Künstlerhaustheater auch selbst auf der Bühne.

Als "Sexerl" für den Film entdeckt

Ob in Filmen wie "Kassbach" von Peter Patzak oder im Kinofilm "Before Sunrise" von Richard Linklater, ob in Serien wie "Der Kommissar" oder im "Tatort" - ob in den "Polt"-Filmen von Julian Pölsler oder in den Fernsehfilmen von Xaver Schwarzenberg - Erni Mangold hat auch immer gern für den Film und das Fernsehen gearbeitet.

Bereits Anfang der 50er Jahre wurde die junge, hübsche Erni für den Film entdeckt, als "Sexerl", wie sie erzählt. Einige Filmtitel aus jener Zeit waren etwa "Abenteuer im Schloss" oder "Lavendel - Eine ganz unmoralische Geschichte". Aber auch in schwierigen Rollen konnte sie beeindrucken. Bereits 1948 war sie im Film "Der Engel mit der Posaune" zu sehen. Zu einem Erfolg wurde 1955 ihre Rolle als hörige Geliebte des Hellsehers "Hanussen" im gleichnamigen Film mit O. W. Fischer.

Mit Leidenschaft Lehrerin

As Schauspiel-Lehrerin wurde sie zur Institution. Bereits 1972 unterrichtete sie am Mozarteum in Salzburg, 1976 übernahm sie eine Lehrtätigkeit am Max-Reinhardt-Seminar in Wien, die sie 20 Jahre lang mit großer Leidenschaft ausübte. Bis heute bekomme sie Briefe und Fotos von ehemaligen Schülerinnen und Schülern, sagt sie.

Ihren 78. Geburtstag hat Erni Mangold in diesen Tagen gefeiert, ein Alter, das man ihr nicht ansieht, aus dem sie aber auch kein Geheimnis macht:

"Ich habe keine Schwierigkeit, die zu sein, die ich bin", sagt sie. Von "Ruhe-Stand" könne sowieso keine Rede sein, es gäbe genug Anfragen für neue reizvolle Rollen. Im Mai wird sie im Wiener Volkstheater eine Rolle aus Elfriede Jelineks Prinzessinnendramen spielen, ein etwas anderes "Schneewittchen" ...

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