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Talentebörse: Kunst

Anna Schreger, Bildende Kunst

Freie Entfaltung mit Unterstützung & Förderung

Begonnen hat Anna Schreger mit dem Lehramtsstudium für bildnerische Erziehung und Französisch. An der Akademie wurde ihr klar, dass die Kunst ihre Zukunft ist. Nun hat sie bereits beide Studien abgeschlossen und stellte kürzlich bei der Wiener "art position" aus.

"Ich habe schon während meiner Schulzeit leidenschaftlich gezeichnet. Damals war ich aber sehr Vernunft gesteuert und habe mich zuerst für ein Lehramtsstudium - bildnerische Erziehung und Französisch - entschieden. Als ich dann auf der Akademie war, wurde mir aber bald klar, dass meine Leidenschaft sicher nicht der Lehrberuf ist, sondern die künstlerische Arbeit", erzählt Anna Schreger, Absolventin der Meisterklasse von Gunter Damisch für Grafik und druckgrafische Techniken an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Ihr Kunst-Studium hat sie in diesem Juni abgeschlossen.

(c) ORF, Hummel

Anna Schreger

Erleichtert wurde der gebürtigen Wienerin, Jahrgang 1977, die Ausbildung nicht zuletzt durch die Umstände: "Es waren tolle Rahmenbedingungen, die ich auf der Akademie von Anfang an hatte. Ich konnte mich frei entfalten, wurde sehr unterstützt und gefördert", resümiert die junge Künstlerin. Unterstützt wurde sie auch von den Eltern - der Vater ist Architekt, die Mutter Grafikerin.

Diplomarbeit über Installation

Ihre Diplomarbeit ist eine Installation zweier aufeinander Bezug nehmender Serien von Zeichnungen Schregers. Eine davon, bestehend aus Filzstiftzeichnungen auf Papieren in unterschiedlichen Formaten, zeigt die Sammlung einer Art von pseudo-anatomischen, graphischen Studien eigentümlicher Objekten aus Stoffen und Papieren.

(c) Schreger

Diese Arbeit Anna Schregers war im Rahmen der Diplom-Ausstellung an der Akademie im Juni 2005 zu sehen.

Die zweite Serie besteht aus Diaprojektionen, die den Herstellungsprozess der eigenhändig geformtem Objekte auf mehrdeutige Weise thematisieren: Zu sehen sind Hände, die Formen suchen, finden, konstruieren, untersuchen und sich am Greifen zugleich erregen und manieriert in Szene zu setzen scheinen. Das Publikum hat auch die Möglichkeit, die Arbeiten mit einem Fernstecher genau zu erforschen und beide Serien in einem in einer kleinen Auflage produzierten Memory-Spiel in Beziehung zu stellen. Parallel zur Diplom-Ausstellung waren anlässlich einer Gruppen-Schau der Grafikklasse im Kupferstichkabinett der Akademie weitere Zeichnungen Schregers zu sehen.

Schreger-Zeichnungen bei "art postion"

Und im vergangenen Juni stellte Anna Schreger auf der Wiener "art posotion" 25 Blätter aus ihrer Serie "Weichzeichnungen", die im Vorjahr entstanden ist, aus.

Es handelt sich dabei um schwungvoll reduzierte und präzise Abbildungen weicher, organischer Körper. Die Gebilde wirken kurios, geheimnisvoll, wesenhaft und in ihrer streng linearen Darstellungsweise sehr plastisch - und sollen das Publikum so zum "Hingreifen-Wollen" reizen. Im Speziellen setzt sich Schreger mit der Hand, dem taktilen "Begreifen", also dem Akt des Zeichnens-an-sich und dem Spiel mit weichen, textilen Strukturen und Stoffen auseinander. Der menschliche Körper ist in ihren neueren Arbeiten immer weniger sichtbar, dafür umso stärker "fühlbar".

(c) Schreger

Diese Filzstiftzeichnungen Anna Schregers basieren auf einer intensiven grafischen Beschäftigung mit dem Thema Körper.

Künstlerisch nicht festzulegen

Künstlerisch festlegen lässt sich das junge Talent nicht: "Ich denke sehr pluralistisch - meine Arbeiten lassen sich keiner Gattung zuordnen", erklärt Schreger. Begonnen hat sie mit Zeichnen - dem noch immer wichtigsten Medium für sie. "Die Zeichnung erlaubt es, am Unmittelbarsten und am Spontansten Ideen auszudrücken." Später konzentrierte sie sich auf druckgrafische Techniken wie Radierung, Siebdruck oder Lithografie. "Ich habe mir in den ersten drei Jahren sozusagen verboten, mich anderen Medien zu öffnen."

Die Öffnung vollzog sie dann bei einem Studienaufenthalt in Paris: "Ich habe damals erkannt, dass es immer auf den Inhalt und auf die Idee ankommt, welches Medium man einsetzt. Ich habe dann langsam mit Malerei begonnen, in Zusammenhang mit Grafik entstanden damals viele Künstlerbücher. Und kamen auch Objekte, also dreidimensionale Arbeiten. Im vergangenen Frühjahr habe ich nun mit Videoprojekten begonnen."

(c) Anna Schreger

Doppelseite aus dem Buch "ma collection d'hiver" (meine winterkollektion), Overheadstift auf Papier, 2000

Vorbilder Borgeois und Trockel

Gibt es Vorbilder für die junge Künstlerin? "Da kommen mir sofort zwei Namen in den Sinn: Die eine ist Louise Borgeois, deren zeichnerisches Werk mich tief beeindruckt - und sich in meinen Arbeiten niederschlägt. Die zweite ist Rosemarie Trockel. Über sie habe ich auch meine Diplomarbeit in Kunstgeschichte geschrieben. Ich habe sie vor drei Jahren bei einer Schau im Pariser 'Centre Pompidou' für mich entdeckt", antwortet Schreger spontan.

Ausstellungen seit 1999

"Da Professor Damisch sehr engagiert ist, hatten wir von Beginn an die Möglichkeit, bei Gruppen- und Klassenausstellungen teilzunehmen. Er hat sehr gute Kontakte und nützt diese auch für seine Studenten", erzählt Schreger, die bereits seit 1999 bei diversen Ausstellungen vertreten war. So z. B. vor drei Jahren mit einer Einzelschau im Wiener Kulturhaus "Sargfabrik", die sie selbst organisierte.

(c) Anna Schreger

Ausschnitt aus "intimfries" im Wiener Kulturhaus "Sargfabrik": 7 Fensterscheiben zu je 2215 x 2355 mm, Lack auf Glas, 2001

Preise

Im Jahr 2002 wurde Anna Schreger mit dem "Goldenen Füger-Preis", den die Akademie jährlich verleiht, ausgezeichnet. Für diesen Preis dürfen nur Handzeichnungen, und zwar einzelne Arbeiten, eingereicht werden. Im Vorjahr erhielt sie einen Anerkennungspreis für eine Fassadengestaltung im Rahmen des "Kunst-am-Bau"-Projekts von "Wiener Wohnen".

Freischaffend, aber mit Blick für die Realität

Bei allem Sinn für die Kunst verliert die angehende Künstlerin aber nie die Realität aus den Augen. So absolvierte sie im Vorjahr beim "Kforumvienna" ein Akademikertraining in den Bereichen Pressearbeit, Ausstellungsorganisation und Kunstvermittlung. Denn den Kunst-Betrieb auch von seinen praktischen Seiten kennen zu lernen, wird, so Schreger, nach dem alten Studien-Plan eher vernachlässigt.

"Als Künstlerin muss man sich selbst organisieren und kann nicht nur im stillen Kämmerlein hocken und warten, dass man entdeckt wird", so die stille, aber selbstbewusste Absolventin.

(c) Anna Schreger

"ohne titel" (Bildauschnitt), Öl auf Leinwand, kaschiert auf Karton, 2004

Zukunfts-Blick nach Paris

Nach Abschluss des Studiums stehen nun im Sommer für Schreger zunächst der Umzug von der Akademie in ein eigenes Atelier, die Bewerbung um ein Arbeitsstipendium sowie die Teilnahme an zahlreichen Ausschreibungen und Wettbewerben bevor.

Und die frankophile Absolventin hat auch einen künstlerischen Wunschtraum: "Nach meinem Studienaufenthalt in Paris wusste ich, dass ich dort zumindest für einige Zeit Fuß fassen möchte. Paris bietet einen Rahmen, in dem ich mich sehr wohl fühle und der sehr anregend ist."

Text: Matthias Osiecki · 15.12.2004

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