Gottlob Frick, ein Ausnahmetalent

Eine ideale Verbindung: Diesmal fällt der Termin der Jubiläums-Serie "80 Jahre Oper im Rundfunk" mit dem Gedenken an Gottlob Frick, der vor zehn Jahren gestorben ist, zusammen. Gottfried Cervenka präsentiert ORF-Produktionen aus Raritäten mit dem legendären Bassisten.

Diesmal ergänzen sich zwei Programmpunkte ideal: Zum ersten die monatliche Jubiläums-Serie "80 Jahre Oper im Rundfunk" und zweitens das Gedenken an einen der populärsten Opernkünstler der Nachkriegszeit: An den Bassisten Gottlob Frick, dessen Todestag sich am 18. August zum zehnten Mal jährt.

So wird Frick u. a. mit Elisabeth Grümmer, Marga Höffgen und Helmut Krebs in einer Einspielung des Mozart-Requiems mit den Berliner Philharmonikern unter Rudolf Kempe in einer Aufnahme aus dem Jahr 1955 zu hören sein. Alle weiteren Musikbeispiele stammen allerdings aus dem ORF-Archiv - denn im Wiener Funkhaus wurden in den 50er Jahren mit Gottlob Frick mehrere Eigenproduktionen gemacht.

Zwei Opern-Raritäten

Weiters werden Ausschnitte aus zwei - auch in den übrigen Partien interessant besetzten - Gesamteinspielungen zweier heiterer Partien aus Fricks umfangreichem Repertoire vorgestellt:

Der Abu Hassan aus dem "Barbier von Bagdad" von Peter Cornelius und der Sir John Falstaff aus der komisch-phantastischen Shakespeare-Oper "Die lustigen Weiber von Windsor" des Philharmoniker-Gründers Otto Nicolai aus dem Jänner 1958.

Prominentes Ensemble

Diese Aufnahme entstand mit dem "Großen Wiener Rundfunkorchester", wie es damals hieß, unter Kurt Richter, der oft im ORF-Funkhaus beschäftigt war. Er war übrigens auch fast drei Jahrzehnte lang musikalischer Leiter der Opernschule des Wiener Konservatoriums.

Unter Richters Leitung fand sich damals ein erstrangiges, staatsopern-geeichtes Ensemble zusammen: Mimi Coertse als Frau Fluth, Hilde Rössl-Majdan als Frau Reich und im Zentrum, sozusagen als Stargast, Gottlob Frick als Falstaff. Als Liebespaar Jungfer Anna Reich und Fentonsind Else Liebesberg und Waldemar Kmentt zu hören.

Auch auf CD

Ausschnitte aus dieser Eigenproduktion sind aus Anlass des zehnten Todestages von Gottlob Frick auch auf CD beim Label "UraCant" in Zusammenarbeit mit der Gottlob-Frick-Gesellschaft erschienen.

Programm-Notwendigkeit in den 50ern

Solche expliziten Rundfunk-Opernproduktionen, wie sie vor allem in den 50er Jahren bei fast allen Rundfunkanstalten entstanden, waren damals eine absolute Programm-Notwendigkeit:

Platten waren in dieser Zeit noch Luxusgüter, die Langspielplatte stand gerade am Beginn ihres späteren Siegeszuges und die CD war noch lange nicht geboren. Und einen so inflationären Markt wie heute gab es nicht.

1952 entstanden

Die hochkarätig besetzte ORF-Eigenproduktion des "Barbier von Bagdad" entstand im Oktober 1952 unter der Leitung von Heinrich Hollreiser und auch sie ist inzwischen auf CD erhältlich.

Neben Gottlob Frick in der zentralen Rolle des Abul Hassan bietet die Aufnahme so klangvolle Namen wie Sena Jurinac, Hilde Rössl-Majdan, Rudolf Schock, Alfred Poell und selbst in winzigsten Partien etwa Walter Berry und Kurt Equiluz.

13. Kind des Gemeindeförsters

Gottlob Frick, ein echter Schwabe, was er auch nie verbergen konnte und wahrscheinlich auch gar nicht wollte, wurde 1906 in Ölbronn als 13. Kind des dortigen Gemeindeförsters geboren.

Bereits 1927 war Frick Eleve an der Stuttgarter Oper. Fritz Windgassen, der Vater des später berühmten Helden-Tenors Wolfgang Windgassen, bildete ihn. Nach den obligaten Provinzjahren wurde Frick schließlich von Karl Böhm nach Dresden engagiert.

Welt-Karriere nach dem Krieg

Die große Weltkarriere Fricks aber begann erst nach dem Zweiten Weltkrieg: Berlin, München, Wien, London, Paris, das Teatro Colon, die MET - kaum ein bedeutendes Opernhaus, an dem Frick nicht aufgetreten wäre.

Und überdies dauerte seine Karriere wesentlich länger, als die seiner meisten Fachkollegen. So sang er noch 1974 einen großartigen Gurnemanz - damals immerhin schon 68 - an der Wiener Staatsoper. 1975 war er immer noch ein großartiger Nicolai-Falstaff in Stuttgart. Und 1976 stahl er als Pimen im "Boris Godunow" dem Titelhelden die Show. Doch dieser hieß Martti Talvela und war sogar stolz darauf, mit seinem verehrten Vorbild gemeinsam auftreten zu dürfen.

Abschied mit 79

Fricks letztes Auftreten fand schließlich bei einem Konzert 1985 statt. Bald danach verschlechterte sich seine Gesundheit leider zusehends, geistig aber blieb Frick bis zu seinem Tod erstaunlich frisch und sparte auch nicht mit schwäbischen Kraftausdrücken, wenn ihm so manches an der heutigen Opernwelt missfiel.

Eine Rarität mit Fricks "Gretel"

Und eine ganz besondere Rarität zum Abschluss: Kürzlich sind einige private Liedaufnahmen der Frau von Gottlob Frick, mit der er über 65 Jahre verheiratet war, aufgetaucht.

Seine "Gretel", die selbst Sängerin war, hatte allerdings schon früh auf ihre eigene Karriere verzichtet, um sich ganz ihrem Mann und seinem Ausnahmetalent widmen zu können.

Gottlob-Frick-Gesellschaft

Im Jahr 1995 wurde in Ölbronn, dem Geburtsort des Sängers, die Gottlob-Frick-Gesellschaft gegründet. Sie beschäftigt sich mit dem künstlerischen Nachlass des legendären Bassisten, veranstaltet aber auch interessante Künstlertreffen und Konzerte.

Und zwar sowohl mit arrivierten, wie auch mit ganz am Beginn stehenden Künstlern. So wird am 25. September etwa Siegfried Jerusalem zusammen mit einer Schülerin in Ölbronn auftreten.