Opium heilt alles - außer sich selbst

Opium ist ein verführerisch, besänftigend, andererseits wieder bedrohlich wirkendes Elixier. Als Rausch- oder Heilmittel war es früher sehr beliebt, heute ist Opium nur mehr verbotenes Suchtgift.

In den Opiumküchen des Goldenen Dreiecks

Schon seit der Antike ist Opium Rausch-, Heil- und Machtmittel. Der Sage zufolge griff etwa Erdenmutter Demeter zu den grünen Kapseln aus Verzweiflung über den Verlust ihrer Tochter. Sie betäubte ihren Kummer und pries die Heilkraft des Opiums.

Opium - ein göttliches Elixier?

Göttinnen von Mohnblumen umgeben erschienen auf Münzen, als Statuen und in Mysterien. Altäre waren mit den Ähren der Pflanze geschmückt. Der römische Dichter Ovid sah am Eingang der Höhle des Schlafgottes Somnus den Mohn stehen, zur Gewinnung der Schlummersäfte.

Die Sufis beispielsweise pflegten eine direkte Beziehung zwischen stofflichem und religiösem Rausch, indem sie die visionären Kräfte des Opiums zu nutzen suchten, um auf direktem Weg Gott zu erfahren. Den Chinesen wiederum galt gekochtes Opium als ein für Buddha geschaffener Trank, und an den Tempelstufen des heiligen Pushkar treffen sich noch heute viele Hindus nicht nur, um Brahma zu verehren.

"Man fühlt den göttlichen Teil seines Wesens aufsteigen“, schrieb der englische Autor Thomas de Quincey Anfang des 19. Jahrhunderts in seinen "Bekenntnissen eines Opium-Essers“ über den getrockneten Saft der unreifen Schlafmohnkapseln. Als er nach einer Magenerkrankung die tägliche Ration reduzieren musste, offenbarten sich in Depression und Horrorträumen allerdings die Schattenseiten der Sucht.

Paracelsus und sein Laudanum

"Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift, allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist, dass es aber darum verworfen werde, das möge nicht sein", verteidigte 1536 der Mediziner Paracelsus, noch heute Übervater der Arzneimittellehre, sein Mittel Laudanum gegenüber Kollegen.

Alternativtinkturen wie Theriak wurden öffentlich auf Marktplätzen hergestellt, unter Aufsicht des Magistrats und der lokalen Apothekerschaft. Die Risiken und Nebenwirkungen mögen damals den Medizinern bewusst gewesen sein, dem Verbraucher lange Zeit nicht. Opium schien - sofern erschwinglich - quer durch die Gesellschaftsschichten, für Arbeiter und feine Damen, für jung und alt, die ideale Lösung für alle möglichen Malaisen.

"Medizin pur" bis heute gescheitert

Die Geschichte des Opiums ist bis heute eine der vergeblichen Versuche, die Suchtkraft von der Heilkraft zu trennen, um "Medizin pur" zu gewinnen. Durch die Erfindung der Opiumderivate sind die Kenntnisse der heutigen Pharmaindustrie allerdings im Vergleich zu damals fundierter.

Wie folgenschwer die Suchtwirkung ist, bleibt umstritten.

Buch-Tipps
"Opium - eine Kulturgeschichte", Matthias Seefelder, Nikol Verlagsgeselschaft, ISBN 3933203325
"Die künstlichen Paradiese", Charles Baudelaire, Manesse Verlag, ISBN 3717581368
"Bekenntnisse eines Opiumessers", Thomas de Quincey, dtv, ISBN 3423021535
"Die Gifte in der Weltgeschichte", Louis Lewin, Glb Parkland, ISBN 3880599726

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