Einige Ansichtskarten
Gerald Matt, der Direktor der Wiener Kunsthalle, ist als besessener Sammler bekannt. Seine Wohnung in Wien, so gesteht er, drohe permanent zum Museum auszuarten, sodass er nicht selten aus Platzgründen das Weite suchen müsse und auf Reisen gehe.
"The power of beeing deeply moved by the presence of beautiful objects". Diesen Ausspruch des englischen Philosophen Walter Pater hat sich der Direktor der Kunsthalle Wien, Gerald Matt, zu eigen gemacht: Die tiefe Ergriffenheit vor einem schönen Gegenstand sei es, was ihn zum Sammeln treibe, sagt er. Krawatten, Frauenfiguren aus den 20er und 30er Jahren, Überseekoffer, aber auch zeitgenössische Fotografien hat der gebürtige Bregenzer im Lauf vieler Jahre etwa zusammengetragen, und zwar keineswegs wahllos, wie er betont.

"Welche Geschichte ist zum Beispiel mit einem Gegenstand verbunden? Welches persönliche Erlebnis, welche Erinnerung wirkt monadenhaft in diesem Gegenstand zusammengefasst und entfaltet sich dann, wenn ich ihn mir einverleiben kann."
Gerald Matt ist außer Sammler auch ein obsessiv Reisender. Seine ausgewählten Fundstücke sind Postkarten - und die sind nur scheinbar gewöhnlich: Seit vielen Jahren schreibt Gerald Matt Karten an sich selbst, als Absender gibt er eine gewissen Herrn "Sebastian Mayreck" an, der Vorname der erdachten Figur kündet von einer besonderen Verehrung.

"Dieser Sebastian, auch als Heiliger Sebastian, war eine ganz wichtige Figur in der Kunstgeschichte, auch für viele Autoren und Künstler."
In Havanna, Buenos Aires, Shanghai, Kiev oder am Weg von Südnorwegen zum Nordkap hinauf - an jeder Straßenecke, auf jedem Breitengrad dieser Erde finden sich Geschichten, die postwendend an die Adresse "Gerald Matt" in Wien ankommen. Dass die Geschichten allesamt nicht der "Wahrheit" enstprechen, stört Gerald Matt keineswegs. Sein Kunstverständnis und seine Lebensauffassung sind immerhin eng mit den Begriffen Fiktion und Realität verbunden.

"Es ist spannend einen Freund wie Sebastian zu haben, der eine Möglichkeit, die ich selber nicht lebe, quasi auslebt und mir über die Postkarten zukommen lässt. So sind das sozusagen Tagebücher meines fiktiven Heldens."
Text: Christa Eder · 18.05.2007
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Kunsthalle Wien