Börseinformationen für junges Publikum

Wallstrip

Ein amerikanischer Hedgefonds-Manager gibt mit einem Online-Videoblog Einblick in die Börseszene. Obwohl "Wallstrip" Börsianer ganz schön nackt dastehen lässt, hat sich aber auch an der Wall Street zum Kultobjekt gemausert.

Die Wall Street, das Weltleitzentrum des Geldes, ist längst nicht mehr so sexy, wie sie einmal war. Aus der Euphorie der späten 1990er ist ein bierernster Wettlauf gegen die Stichkarten-Automaten geworden. Die Börse hat sich nie wirklich vom Zusammenbruch der New Economy erholt, seit dem 11. September gehört darüber hinaus der Terrorschutz zum Arbeitsalltag. Und für die skandalgeschüttelten Investmentbanken gelten härtere Bilanz-Regeln als je zuvor.

Zeit, dem Spaßfaktor wieder Rechnung zu tragen, dachte sich Howard Lindzon, der 41-jährige Gründer des Online-Video-Blogs "Wallstrip". "Ich ziehe mich nicht aus”, scherzt Howard Lindzon, "enthüllen möchte ich nur, dass die Finanzwelt die albernste Industrie überhaupt ist. Die Amerikaner sind so besessen von Geld und Karrieremachen.”

Gags am laufenden Band

Howard Lindzon und seine Reporter nehmen sich und das eigene Business kräftig auf die Schaufel und sind sich für keinen Gag zu schade. Für einen Bericht über die Machenschaften der amerikanischen Manager begab sich die versammelte Redaktion als Gangster verkleidet auf Spurensuche in ein altes New Yorker Mafiaviertel. Alles Top Secret natürlich. Gerne macht das Team auch die Strassen von Manhattan unsicher. So gab es eine Parodie der Spielshow "Der Preis ist heiß", die direkt vor der Handelskette Aaron Rents gedreht wurde, die Wucher mit Computer-Leasings treibt.

Börseberichte kommen an

"Stock culture meets pop culture” lautet das Motto von Wallstrip. Das Timing ist perfekt, denn auch die etablierten Finanzmedien erkennen das Geschäft mit den Internet-Informationen. Der Wirtschafts-Fernsehsender CNBC hat vor einigen Monaten die Website CNBC.com gestartet. Dort wird jetzt täglich zwischen drei und acht Stunden Liveprogramm gesendet.

Die Fernseh-Clips des Börseninformationsdienstes TheStreet.com zogen zwischen Oktober und Dezember 2006 nie dagewesene viereinhalb Millionen Zuschauer an: Eine Steigerung von zwölf Prozent gegenüber dem Vorquartal. Doch keines dieser Programme ist wirklich innovativ. Neu ist nur das Medium, während Information und Darstellung sich kaum von dem unterscheiden, was schon seit Jahren im Fernsehen gezeigt wird: Börsenwissen, oft zu verstaubt und zu trocken, um die profitable Zielgruppe der 20- bis 30-Jährigen zu erreichen.

"Wallstrip” hingegen kommt so gut an, dass es vor kurzem von "CBS News” gekauft wurde. Gemacht werden soll es weiterhin von Howard Lindzon und seinem kleinen aber feinen Team. Denn tatsächlich steckt hinter all dem Jux von Wallstrip eine gut durchdachte Idee mit seriösem Informationsgehalt. Howard Lindzon beschäftigt eine Handvoll Aktien-Experten, die die hauseigene Website ständig mit neuesten Insider-Informationen rund um die Finanzwelt füllen.

Hör-Tipp
Matrix, Sonntag, 3. Juni 2007, 22:30 Uhr

Links
Wallstrip
Howard Lindzon
thestreet.com

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