Erinnerungen an Hugo Wiener

Hugo Wiener gehört zu den bedeutendsten Humoristen, die unser Land hervorgebracht hat. Bereits als Kind soll er den Wunsch geäußert haben, später einmal zum Kabarett zu gehen. Er schrieb über 100 Kabarettprogramme und an die 400 Chansons.

"Das Leben ist eine Tragödie - zusammengestellt aus vielen Komödien". Dieser Ausspruch stammt von Hugo Wiener. Von ihm stammen unzählige Revuen, unvergessene Doppelconferencen für Karl Farkas und Ernst Waldbrunn, er schrieb Texte für Operetten und hinterließ ein 19-bändiges Satire-Werk - kurzum: Hugo Wiener gehört zu den bedeutendsten Humoristen, die unser Land hervorgebracht hat.

Berufswunsch: Kabarettist

Schon als Kind war der Berufswunsch des Kapellmeistersohnes klar: Er wollte zum Kabarett. Dort hoffte er jemanden zu finden, der seine Lieder und Texte interpretiert. Beides ist ihm gelungen - und gemeinsam mit seiner Frau Cissy Kraner hat Hugo Wiener das heimische Nachkriegskabarett entscheidend mitgeprägt.

Was Hugo Wiener später mit Worten so virtuos beherrschte, nämlich einen unverkennbaren Ton entstehen zu lassen, das tat er ursprünglich mit Noten. Der studierte Musiker arbeitete als Kapellmeister im Opernhaus von Bratislava ebenso wie im Wiener Ronacher oder als Pianist im kleinen, aber exklusiven Wiener Revuetheater "Femina".

Rettung in Caracas

Nach einigen Operettenerfolgen in Wien folgte Hugo Wiener 1938 einer Einladung nach Kolumbien. Rund um die 400-Jahr-Feier der Stadt Bogota war eine original Wiener Revue in spanischer Sprache geplant. Dieses Engagement rettete sein Leben - seine gesamte Familie und viele seiner Freunde verlor Hugo Wiener in den Konzentrationslagern der Nazis.

Mit nach Südamerika reiste eine junge Soubrette, die Wiener für diese Tour engagiert hatte: Cissy Kraner. 1945 wurde geheiratet. Die Kriegsjahre verlängerten das Südamerika-Gastspiel von Hugo Wiener und Cissy Kraner um rund zehn Jahre. Gemeinsam eröffneten sie in Caracas "Johnny's Musicbox", ein Kabarettlokal, in dem sie allabendlich mit ihren Liedern und Texten auftraten.

Die Wiener Farkas Revue

Zurück im Nachkriegs-Wien folgten Cissy Kraner und Hugo Wiener bald dem Ruf in das Simpl des Karl Farkas. 16 Jahre dauerte diese Zusammenarbeit. Einer Anekdote zufolge soll Karl Farkas seinen Hausautor, Hugo Wiener, immer als seinen Mitarbeiter vorgestellt haben. Die wenigsten wussten aber, worin diese Mitarbeit bestand. Also regte Hugo Wiener einmal an, den Mantel des Schweigens zu lüften und seinen Namen - wie einst den von Fritz Grünbaum - mit auf das Simpl-Plakat zu nehmen. Farkas willigte gerne ein und schon nach wenigen Wochen konnte man folgende Ankündigung lesen: die neue "Wiener Farkas Revue".

Der Nowak lässt mich nicht verkommen

Zu den bekanntesten Chansons von Hugo Wiener und Cissy Kraner zählte mit Sicherheit "Der Nowak". Es erzählt die Geschichte eines braven Mannes, der seine Freundin nicht und nicht verkommen lassen will. Den Nowak hat es wirklich gegeben. Das Ehepaar Wiener/Kraner stieß während eines Urlaubs am Wörthersee 1952 indirekt auf ihn. Die beiden hatten eine Frau kennengelernt, die - sobald die Rede auf ihren Freund kam - immer nur vom Nowak sprach. Kein Vorname, kein Kosenamen, nur "der Nowak". Diesen Nowak hat Hugo Wiener schließlich verewigt. Der "Nowak" wurde mehrfach übersetzt und ist in die internationale Chansongeschichte eingegangen; selbst Zarah Leander soll das Lied in ihr Repertoire aufgenommen haben.

Nach 16 Jahren Simpl zog sich Hugo Wiener enttäuscht zurück. Er schrieb für Theater, Film und Fernsehen. Die "Pension Schöller", "Ober, zahlen" mit Hans Moser und die Vorlage für die Serie "Ein verrücktes Paar" mit Harald Juhnke und Grit Böttcher sind nur einige der Texte, die aus der Feder von Hugo Wiener stammen.

Einmal geht's noch

Als wahrscheinlich letzter Vertreter des alten Wiener Kabaretts sind Hugo Wiener und Cissy Kraner gemeinsam zuletzt im Winter 1992 auf der Bühne gestanden. "Einmal geht's noch" war der damals augenzwinkernd gemeinte Titel ihres Programms, das einige Klassiker ihres humoristischen Schaffens beinhaltet hat. Wie immer waren es Geschichten, die den österreichischen Alltag beschrieben haben. In diesem Sinn war und ist Hugo Wiener immer fester Bestandteil der österreichischen Kultur.

Nach dem Tod von Hugo Wiener, im Mai 1993, ist Cissy Kraner noch einige Jahre aufgetreten, musikalisch unterstützt von Herbert Prikopa. Die Klassiker von Hugo Wiener sind bis zum heutigen Tag präsent geblieben - und zwar ganz in seinem Sinn: im Heute leben, den Blick aber stets auf das Morgen richten.

Hör-Tipp
Patina, Sonntag, 4. Oktober 2009, 9:05 Uhr

Links
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