Haydn mit anderen Ohren hören
Die heurigen Haydntage in Eisenstadt standen unter dem Motto "Haydn und die Romantik". Adam Fischer, der am Sonntag das Abschlusskonzert leitet, verriet im Ö1 Interview, dass seine früheren Haydn-Interpretationen heute nicht seine Zustimmung finden.
"Haydn und die Romantik" - unter diesem Motto standen die diesjährigen Haydntage in Eisenstadt, die am Sonntag mit einem Konzert der Österreichisch-Ungarischen Haydn Philharmonie zu Ende gehen. Ö1 überträgt die Matinee live. Dirigent des Konzerts ist Adam Fischer, der vor 20 Jahren die Österreichisch-Ungarische Haydn Philharmonie gegründet hat.
Mit diesem Orchester hat er im Lauf dieser zwei Jahrzehnte sämtliche Symphonien Haydns auf CD eingespielt. In der Ö1 Sendung "Intrada" verriet Fischer im Gespräch mit Sepp Gmasz, dem E-Musik-Leiter des ORF Landesstudios Burgenland, allerdings, dass sich sein Haydnbild grundlegend gewandelt habe.

"Wir haben vieles nicht entdeckt, wir haben oberflächlich darüber hinweg gespielt", so Adam Fischer über seine frühen Haydn-Einspielungen.
Die früheren Aufnahmen würden heute nicht mehr seine Zustimmung finden, so Fischer: "Das, was wir vor zehn oder 15 Jahren gemacht haben, lehne ich heute total ab. Die neuen CDs, die wir gemacht haben, die zeigen, dass wir Haydn heute mit ganz anderen Augen sehen und mit ganz anderen Ohren hören. Ich kann nicht sagen, dass das besser ist, aber im Augenblick ist es der richtige Weg, Haydn zu spielen. Wir haben vieles nicht entdeckt, wir haben oberflächlich darüber hinweg gespielt und das finde ich heute fast wie ein Verbrechen. Es kann allerdings sein, dass ich es in zehn Jahren wieder ganz anders empfinde."
Haydn sei voll mit überraschenden Ideen, aber diese Ideen müsse man erst einmal entdecken und dann präsentieren: "Dazu gehört nicht nur, dass man das erkennt, sondern auch ein gewisser Mut beim Musizieren. Ich hab mich gerade in letzter Zeit sehr intensiv mit dem Leben Haydns beschäftigt und entdecke immer wieder Dinge, die mir bisher in einem anderen Licht erschienen sind. Ich traue mich jetzt immer mehr, und das habe ich auch an meine Musiker weitergegeben, mich zu diesen witzigen Ideen Haydns zu bekennen."
Ein langgehegter Wunsch Adam Fischers war es, im Haydnsaal ein Neujahrskonzert mit der "Schöpfung" zu dirigieren. Was hier aus technischen Gründen (der Haydnsaal darf nicht beheizt werden) nicht möglich ist, kann er nun als neuer Generalmusikdirektor der Budapester Oper realisieren: Die Schöpfung in seiner Heimatstadt Budapest, noch dazu zu einem besonderen Termin.
"Die Schöpfung in Budapest ist für mich persönlich ein wichtiges Ereignis", so Fischer. "Weil das ist der erste Tag, wo die Schengen-Grenze zwischen Österreich und Ungarn vollkommen wegfällt, und das ist für uns ein schöner Grund zum Feiern. Wir haben mit dem Orchester zur Zeit des Eisernen Vorhangs angefangen und jetzt gibt es keine Grenze mehr. Für mich persönlich ist es deshalb auch von Bedeutung, weil ich unsere alte Familienwohnung in Budapest wieder beziehe, die unmittelbar neben der Oper liegt. Als Kind habe ich dort meine ersten musikalischen Eindrücke erlebt und jetzt sehe ich in der Berufung zum Generalmusikdirektor so etwas wie die Krönung meiner musikalischen Laufbahn."
Text: Sepp Gmasz · 15.09.2007
Hör-Tipp
Internationale Haydntage 2007 - Matinee live, Sonntag, 16. September 2007, 11:03 Uhr
Link
Haydn Festspiele Eisenstadt
Österreichisch-Ungarische Haydn Philharmonie