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Mitdenkende Gegenstände

Allgegenwärtige Technik

Ubiquitous Computing, das heißt auf Deutsch so viel wie "allgegenwärtige Technologie". Kleinste Computer sind in sehr vielen Alltagsgegenständen vorhanden, und haben die Aufgabe, Menschen Aufgaben abzunehmen, also gewissermaßen mitzudenken.

Kleine und kleinste Computer sind bereits heute in sehr vielen Alltagsgegenständen vorhanden und haben die Aufgabe, Menschen ganz bestimmte Aufgaben abzunehmen oder im richtigen Moment eine passende Information zu liefern , also gewissermaßen mitzudenken. Computerwissenschaftler in aller Welt arbeiten an der Weiterentwicklung dieser Technologien.

Alle Lebensbereiche

In Innsbruck fand von 16. bis 19. September 2007 die 9. Internationale Konferenz UbiComp statt, an der mehr als 400 Forscherinnen und Forscher aus 50 Ländern teilgenommen haben. Präsentiert wurden Anwendungen und Anwendungsideen der allgegenwärtigen Technologie für fast alle Lebensbereiche: Verkehr, Haushalt, Industrie, Katastrophenschutz und vieles mehr.

"Das Ziel von Ubiquitous Computing ist es, Gegenstände des Alltags miteinander zu vernetzen, so dass diese miteinander kommunizieren können", erklärt Thomas Strang, Professor für Informatik und Präsident der Tagung. Grundlage für diese Technologie sind so genannte Sensornetze.

Sensor und Aktuator

Sehr kleine, hochspezialisierte Computer, so genannte Sensorknoten, erfassen einen ganz bestimmten Wert - die Herzfrequenz eines Menschen, die Fließgeschwindigkeit eines Flusses oder die Temperatur in einem Raum - und melden diesen Wert innerhalb des Sensornetzes an einen Aktuator weiter. Dieser ist, wie der Name sagt, dazu da, "aktiv" zu werden, also die Aktion zu veranlassen oder auszuführen, die als Konsequenz aus der Beobachtung des Sensors folgt.

Ein einfaches Beispiel für so eine Anwendung wäre die Klimaanlage, die mit einem Temperatursensor kommuniziert und ihre Einstellung dem jeweils aktuellen Wert anpasst. In Zukunft sollen aber auch Autos selbständig miteinander kommunizieren können. Auf diese Weise könnten Autofahrer frühzeitig darüber informiert werden, was auf der Strecke, die sie fahren, gerade passiert, ob Autos langsamer werden, bereits im Stau stehen und ob es andere Verkehrsbehinderungen gibt.

Höchste wissenschaftliche Auszeichnung

Der Forscher, der bei der Innsbrucker Konferenz den Best Paper Award erhalten hat - das ist die höchste wissenschaftliche Auszeichnung, die hier vergeben wurde -, hat einen Weg gefunden, auf sehr einfache Weise zu beobachten, was seine Angehörigen zu Hause gerade tun.

Shwetak Patel vom Georgia Institute of Technology hat ein kleines Gerät entwickelt, das erkennen kann, welche elektrischen Geräte in einem Haus oder einer Wohnung gerade verwendet werden. Es muss nur an einer einzigen Stelle eingesteckt werden, und kann dort das so genannte "elektrische Rauschen" jedes einzelnen Gerätes im Haushalt identifizieren.

Hat meine Großmutter schon Kaffee gekocht?

"Mein Gerät hängt am Stromnetz eines Hauses und hört zu, was dort passiert, welche unterschiedlichen Arten von elektrischem Rauschen gerade in der Leitung sind", erklärt Shwetak Patel. "Es sendet die Information via Internet an meinen Computer. So kann ich sehen, ob meine Großmutter heute schon das Badezimmerlicht eingeschaltet hat, ob sie Kaffee gekocht oder den Kühlschrank geöffnet hat. Wenn mir etwas Ungewöhnliches auffällt, kann ich darauf reagieren."

Anwendbar wäre das System auch in großen Gebäuden oder Betrieben, wo man auf einen Blick sehen könnte, in welchen Räumen etwa Maschinen eingeschaltet sind. Das Gerät, das Shwetak Patel entwickelt hat, ist noch nicht auf dem Markt. Es sei aber kostengünstig zu produzieren und auch insofern billig, als ein Exemplar für ein ganzes Haus genügen würde.

Vom Labor in die Praxis

Viele Projekte, die bei der Konferenz in Innsbruck präsentiert wurden, sind noch im Laborstadium. Welche Anwendungen den Schritt aus dem Labor in die Praxis schaffen, werde die Zeit zeigen, sagt Albrecht Schmidt, Professor für Medieninformatik an der Universität Bonn: "Die Technologien sind da und sie werden auch angenommen. Das sieht man ganz deutlich am Beispiel des Mobiltelefons. Wir Forscher arbeiten daran, Ubiquitous Computing sinnvoll nutzbar zu machen. Die Bedienung muss sehr einfach sein - so dass die Menschen davon profitieren, wenn sie diese Technologien benutzen, und sie nicht einfach akzeptieren müssen, weil sie nun eben da sind."

19.09.2007

Hör-Tipp
Dimensionen, Mittwoch, 19. September 2007, 19:05 Uhr

Link
ubicomp2007

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