Franz Jägerstätter

Am 26. Oktober 2007 wird Franz Jägerstätter in Linz seliggesprochen. Der oberösterreichische Bauer und Mesner hatte 1943 den Dienst als Soldat in der Deutschen Wehrmacht verweigert und wurde daraufhin von den Nationalsozialisten hingerichtet.

Franz Jägerstätter war eine der herausragenden Persönlichkeiten des österreichischen Widerstands, meint Wolfgang Neugebauer, ehemaliger wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes. Die Konsequenz, die er für diesen Widerstand in Kauf nehmen musste, war das Todesurteil wegen Wehrkraftzersetzung, das das Reichkriegsgericht am 6. Juli 1943 gegen ihn aussprach und das am 9. August 1943 in Brandenburg an der Havel vollstreckt wurde - Franz Jägerstätter wurde enthauptet.

Der letzte Brief
Er geht überaus gefasst in den Tod. Seit 2. März sitzt er bereits in Haft - erst in Linz, anschließend in Berlin-Tegel. Am 9. August schreibt er einen letzten Brief an seine herzallerliebste Gattin Franziska. Die Ehe mit Franziska sei Franz Jägerstätter im Letzten immer Halt und Heimat gewesen, wie Biografin Erna Putz schreibt, Franziska sei in allen Entscheidungen zu ihrem Mann gestanden.

Herzallerliebste Gattin! (...) Heute früh um zirka halb 6 Uhr hieß es sofort anziehen, das Auto wartet schon, und mit mehreren Todeskandidaten ging dann die Fahrt hierher nach Brandenburg, was mit uns geschehen wird, wussten wir nicht. Erst zu Mittag teilte man mir mit, dass das Urteil am 14. bestätigt wurde und heute um 4 Uhr nachmittags vollstreckt wird. Will euch nun kurz einige Worte des Abschiedes schreiben. Liebste Gattin und Mutter. Bedanke mich nochmals herzlich für alles, was ihr mir in meinem Leben alles für mich getan, für all die Liebe und Opfer, die ihr für mich gebracht habt, und bitte euch nochmals, verzeiht mir alles, was ich euch beleidigt und gekränkt habe, sowie euch auch von mir alles verziehen ist. (...) Ich danke auch unsrem Heiland, dass ich für ihn leiden durfte und auch für ihn sterben darf.

Tiefer Glaube

Durch und durch religiös motiviert sind Jägerstätters Entscheidungen, am 10. April 1938 gegen den so genannten Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland zu stimmen, ein Bürgermeisteramt in seiner Heimatgemeinde St. Radegund abzulehnen, sowie der gravierendste Schritt, im März 1943 seinen Dienst als Soldat in der Deutschen Wehrmacht zu verweigern. Von Oktober 1940 bis April 1941 war er eingerückt; eine prägende Zeit, denn nach der Rückkehr erklärte er, er könne nicht kämpfen und andere Menschen töten, damit Hitler die ganze Welt beherrschen könne.

Bis zu seiner Verhaftung war er Mesner in St. Radegund. Seine in tiefem Glauben wurzelnde Motivation und Überzeugung hat Jägerstätter in vielen Texten festgehalten. "Es bleibt uns nichts über, als gegen den Strom zu schwimmen", schreibt er da, oder "Besser die Hände gefesselt als der Wille", und stellt die Frage:

Wie bringt man es fertig, zu gleicher Zeit Soldat Christi und Soldat der nationalsozialistischen Revolution zu sein, für den Sieg Christi und seiner Kirche und zugleich auch für den Nationalsozialistischen Sieg zu kämpfen?

Ein einfacher Bauernsohn

Franz Jägerstätter, der 1907 als lediges Kind einer Bauernmagd in St. Radegund geboren wurde, war ein einfacher Bauernsohn, der nur sieben Jahre Volksschulbildung hatte. Sein Leben mag heute auch als Beispiel dafür gelten, dass Widerstand gegen ein totalitäres Regime möglich ist. Seine Haltung ist auch der Beweis dafür, dass die Bevölkerung - anders, als nach 1945 gerne behauptet - über viele Verbrechen der Nationalsozialisten durchaus Bescheid wusste, etwa über die Euthanasieanstalten in Ybbs und Hartheim.

In Österreich gab es einige hundert Wehrdienstverweigerer, die ebenfalls hingerichtet wurden. Die meisten von ihnen waren Zeugen Jehovas. Jahrzehntelang waren sie nicht als Opfer des NS-Regimes anerkannt. Erst durch die bahnbrechenden Worte des früheren Bundeskanzlers Franz Vranitzky, wonach Österreich nicht nur das erste Opfer Hitlers, sondern auch Täter gewesen sei, änderte sich in Österreich die Gesamtsituation für bislang diskriminierte Opfergruppen. Erst im Jahr 2005 jedoch wurden alle Opfer der NS-Militärjustiz gesetzlich anerkannt.

Späte Anerkennung

Es sollte auch sehr lange dauern, bis Franz Jägerstätter rehabilitiert wurde. Seine Witwe Franziska erhielt erst 1950 eine Witwenrente nach dem Opferfürsorgegesetz. 1997 hob das Berliner Landgericht das Todesurteil gegen ihn auf; im selben Jahr wurde der Seligsprechungsprozess eingeleitet.

Bis heute ist Jägerstätter in manchen rechts-konservativen Kreisen in- und außerhalb der Kirche umstritten, die Seligsprechung am 26. Oktober 2007 kann denn auch als Schritt der Kirche interpretiert werden, sich ihrer Vergangenheit zu stellen.

Service

Erna Putz (Hg.), "Franz Jägerstätter, sein Briefwechsel mit Gattin Franziska. Aufzeichnungen aus dem Gefängnis", Styria Verlag