Arbeit an Diplomfilm "Schwestern"
Begonnen hat sie mit der Fotografie, dann folgte die Kostümbildnerei: Barbara Schärf, Jahrgang 1976, die an der Filmakademie Wien Regie studiert. Derzeit arbeitet die gebürtige Wienerin, die heuer abschließen wird, an ihrem Diplomfilm "Schwestern".
"Ich habe mit 16, als ich von meinem Vater eine Kamera bekam, zu fotografieren begonnen. Damals habe ich auch viel geschrieben. Und ich ging oft ins Kino, weil ich dort in eine andere Welt eintauchen konnte. Bei einem Film konnten ich meine Gedanken ordnen. Nach der Matura wollte ich zunächst etwas Handwerkliches lernen, denn ich hatte das Gefühl, nichts mehr aufnehmen zu können. So wählte ich das Modekolleg in Mödling, um Kostümbildnerin zu werden. Auch bei dieser Ausbildung, die ich abschloss, hatte ich schon einen Regieansatz, denn man arbeitet ja mit Charakteren. Letztlich stellte ich aber fest, dass es doch nicht mein Beruf ist.
So habe ich dann an der Uni 1996 mit Theaterwissenschaft, Publizistik und Politikwissenschaft begonnen. Und nach zwei Jahren wurde mir klar, dass ich an die Filmakademie will. Als ich den Film für die Aufnahmeprüfung machte, war mir aber noch nicht bewusst, was alles zur Regie gehört", erzählt Barbara Schärf, gebürtige Wienerin, Jahrgang 1976.

Barbara Schärf
Ihre Ausbildung hat die Nachwuchs-Filmerin, die derzeit an ihrem Diplomfilm arbeitet und das Studium voraussichtlich noch 2008 abschließen wird, bei Peter Patzak, Wolfgang Glück und Michael Haneke erhalten.
Was die junge Regisseurin besonders am Medium Film reizt? "Dass man hier eintauchen und Dinge mit allen Sinnen erfahren kann. Und sich vieles, was zwischen den Zeilen steht, gut darstellen lässt."
"Ich habe großen Respekt vor dem Dok-Film, aber ich bin schon eher beim Spielfilm zuhause. Beim Dok-Film wären es vor allem Porträts, die mich interessieren. Aber ich tue mir schwer mit dem Einsatz der dargestellten Menschen, weil die Grenzen so verschwommen sind. Es ist auch der Respekt vor der Realität - und die versuche ich in meinen Filmen zu zeigen", hält Schärf ihre Präferenzen fest.

"Fassaden" (Kurzfilm, 16 Min., 16mm; 2007): "Beziehungen sind ein extrem wichtiges Thema für mich, weil man hier Probleme sehr gut schildern kann", so Barbara Schärf.
"Was sich in meinen Arbeiten durchzieht, ist eine große Verträumtheit. Meist spielen sie an einem Ort und sind mit wenigen Darsteller besetzt. Anhand einer alltäglichen Situation beschreibe ich widersprüchliche Gefühle", erläutert die junge Filmregisseurin.
Derzeit arbeitet Schärf an ihrem Diplomfilm "Schwestern" (Arbeitstitel), einem Kurzfilm, für den sie auch das Drehbuch geschrieben hat.
Der Streifen, der bis Ende dieses Jahres fertig gestellt sein soll, handelt von zwei Schwestern und deren Verarbeitung des Todes der Mutter.
Mit ihrem Kurzfilm "Nachtnebel" hatte Schärf einen großen Erfolg: er wurde 2005 im Rahmen des Internationalen Filmfestival der Filmakademie Wien mit dem Preis in der Kategorie "Beste Regie" ausgezeichnet.

"Nachtnebel" von Barbara Schärf (Kurzfilm, 15 Min, Digi Beta; 2005): Bei diesem Film, der zu ihren wichtigsten Arbeiten zählt, war die junge Regisseurin auch für Buch und Produktion verantwortlich.
"Diese Arbeit, die mit nur drei Schauspielern besetzt ist, besteht bis auf zwei bewegte Sequenzen nur aus Fotos. Es ist quasi ein Hörspiel mit Bildern. Wir waren ein ganz kleines Team. Es war ideal, weil man bei dieser Arbeit die Fehler gleich korrigieren konnte, was sonst kaum möglich ist. In 'Nachtnebel' geht es um eine Frau, die einen irritierenden Traum von ihrem Freund hat. Diesen erzählt sie ihm. Und auf diese Weise wird ihr vieles über die Beziehung klar", schildert Schärf.

"Nachtnebel" (Kurzfilm, 15 Min, Digi Beta; 2005): Dieser erfolgreiche Kurzfilm Barbara Schärfs wurde beim Filmfestival Locarno sowie bei der Diagonale 2005 gezeigt.
Ein weiteres wichtiges Werk der Nachwuchs-Regisseurin ist der Kurzfilm "Fassaden", der 2007 entstanden ist und für den sie ebenfalls das Buch verfasste.
"Hier geht es um Identitätssuche. Eine Frau, die sich von ihrem Freund getrennt hat, sitzt nun in der halbleeren Wohnung und weiß nicht, wie sie wieder in den Alltag zurückfindet. Es war insofern eine wichtige Arbeit, weil der Film letztlich ganz anders wurde, als ich ihn ursprünglich geplant hatte", berichtet Schärf.

"Fassaden" (Kurzfilm, 16 Min., 16 mm; 2007): Diesen Film hat Barbara Schärf für die diesjährige Grazer Diagonale eingereicht.
Seite ihrem Beginn an der Filmakademie hat die junge Regisseurin folgende Filme gemacht:
"Fever" (Kurzfilm, Buch und Regie; 1998), "Traumschiff" (Dokumentarfilm, Regie; 1999), "Jana" (Kurzfilm, Buch und Regie; 1999), "Fernweh" (Kurzfilm, Buch und Regie, 2000), "Praterstern" (Dokumentarfilm, Regie; 2003 begonnen, noch in Arbeit),
Und Schärf war mit ihren Arbeiten bereits bei wichtigen Filmfestivals vertreten:
So unter anderem in Locarno (2005), bei der Diagonale, bei Pépinières pour jeunes artistes FIPA, bei Premiersplans Festival d´Angers sowie beim Trieste Film Festival (alle 2006).
Die Realität hat die Nachwuchs-Regisseurin auch bei ihren Jobs, mit denen sie ihr Studium finanzierte, kennen gelernt: als Kassiererin im Filmmuseum, als Kellnerin, als Leiterin eines Doku-Workshops in Mostar sowie als Scriptgirl.
Wie ihr wichtigster beruflicher Zukunftswunsch lautet? "Als Drehbuchautorin und Regisseurin jene Spielfilme machen zu können, die mir wichtig sind. Und möglichst davon leben zu können. Denn ich muss einfach Filme machen", so Barbara Schärf.
Text: Matthias Osiecki · 26.01.2008