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Talentebörse

Gordan Savicic, digitale Kunst

Mit reflektiertem Zugang zu neuen Medien

Technik faszinierte ihn von Kindheit an: Gordan Savicic, Jahrgang 1977, der 2007 sein Studium für digitale Kunst an der Angewandten beendet hat und nun Mediendesign in Rotterdam studiert. Am Samstag hat er den 3. Preis des "Transmediale Award" gewonnen.

"Ich bin ja im Computerzeitalter geboren worden, habe von Kindheit an mit technischen Dingen gespielt und sie verfremdet. Daher wählte ich zunächst auch eine technische Ausbildung. Bei meiner späteren Mitwirkung bei Künstlergruppen wie Indowa entstanden experimentelle Literatur und Kurzfilme. Und so kam ich zur digitalen Kunst.

Nach einer Nachdenkpause wusste ich, dass ich Kunst studieren will. Und diese neue Richtung für digitale Kunst gab es nur an der Angewandten", erzählt Gordan Savicic, in Banja Luka in Bosnien-Herzegowina geboren und in Österreich aufgewachsen, Jahrgang 1977, der seit 2002 an der Angewandten digitale Kunst bei Peter Weibel und Tom Fürstner studiert und 2007 bei Ruth Schnell mit Auszeichnung abgeschlossen hat.

Bevor er an die Angewandte kam, besuchte er die HTL für Nachrichtentechnik in Wien. Nun setzt Savicic, der zwischen Wien, Rotterdam und Berlin pendelt, sein Studium am Piet Zwart Institut in Rotterdam in Holland fort, wo er im Sommer 2008 auch den Master in Media Design machen wird.

Kritischer und reflektierter Medien-Zugang

"Mich interessiert an der digitalen Kunst der reflektierte Zugang zu neuen Medien. Mit neuen Möglichkeiten arbeiten zu können - aber auch zu zeigen, wo Technik misslingt. Meine Kritik an der Medien-Kunst: oft wird etwas legitimiert, nur weil es gut aussieht und blinkt. Mich interessiert aber, was diese Medien für die Info-Gesellschaft bewirken und wie das in den Kunstmarkt eindringt", erläutert Savicic seinen Zugang.

Spannung zwischen Alltag und Algorithmen

"Viele meiner Arbeiten haben mit einem Code, einem Algorithmus zu tun - der nicht nur aus dem Computer kommt. Ich versuche zu zeigen, welchen Einfluss die Spannung zwischen Alltagsleben und diesen abstrahierten Algorithmen auf unseren Alltag hat", erklärt Savicic.

Erfolgreich mit Diplomarbeit "Constraint City"

In seiner ausgezeichneten Diplomarbeit "Constraint City - the pain of everyday life" setzte sich Gordan Savicic auf spielerische Weise mit sozialen Netzwerken auseinander:

"Ich habe eine Weste produziert, die auf WLAN-Signale reagiert. Je stärker das Signal eines gesperrten Netzwerks ist, desto enger wird das Korsett. Daher der Hinweis im Titel. Ich legte täglich meinen Weg von zuhause zum Studio und zurück mit dieser Weste zurück. Und an manchen Stellen wurde die Weste so eng, dass ich einen anderen Weg wählen musste."

"In 'Constraint City' wird einerseits der Code der Stadt gemeldet, im Gegenzug schreibt die Stadt den Code direkt auf den Körper, ist also Träger eines abstrakten Stadtalgorithmus", so Savicic, der mit diesem Projekt im projectspace am Karlsplatz gezeigt wurde und dafür den Kunsthalle Preis 2007 erhielt.

"Ludic Wheel" in Art der Pataphysik

Die Arbeit "Ludic wheel" ist in der Tradition der Pataphysik, also dem absurdistischen Philosophie- und Wissenschafts-Konzept des französischen Schriftstellers Alfred Jarry, aus einer Zusammenarbeit Savicics mit Marguerite Charmante und der Ludic Society entstanden. Verwendet wurden dabei selbstgeätzte Grundplatten, wobei die Leiterbahnen in Spiralform designed sind, um einen Fehler in dem absurden Interface zu erzeugen.

3. Preis des "Transmediale Award 2008"

Bei der diesjährigen Berliner "Transmediale", dem größten deutschsprachigen Festival für Kunst und digitale Kultur, bei dem er mit "Constraint City" für den Award nominiert war, gewann er Samstag, 2. Februar 2008, den 3. Preis.

Im Rahmen des wichtigen Festivals nimmt er auch an einem Symposium in Peenemünde teil.

Von Wien bis Rotterdam

Und der junge Künstler war bereits bei zahlreichen Ausstellungen vertreten, wie eine Auswahl zeigt:

Bei "Avto.Gut" in der Sammlung Essl in Klosterneuburg (2003), bei "Real Presence G4" im Museum des 25. Mai in Belgrad (2004), mit "insertcoin" im Grazer Medienkunstlabor sowie im Walcheturm Zürich (beide 2005), bei "Performance w/Marguerite Charmant" bei der "transmediale" in Berlin, mit "insertcoin" im Künstlerhaus Dortmund, ebenfalls mit "BioPong" bei der Spielmesse Leipzig, bei "Device Art / Monowheel Jahrmann/Moswitzer/Savicic" in Zagreb (alle 2006), bei der Schau der Digitalkunst-Klasse der Angewandten "pain of everyday life", mit "V2 Test_lab PLAY / the pain of everyday life" in Rotterdam und bei der Spielemesse Leipzig sowie mit "constraint city" im projectspace Wien (alle 2007) und nun bei der "transmediale" in Berlin.

Konferenzen und Workshops

Ebenso hat Savicic an zahlreichen Konferenzen und Workshops im In- und Ausland teilgenommen:

Darunter beim Festival "Guerilla Bluetooth Rock'n'Roll @ Take Away" im Dana Centre in London, im Rahmen von "ProTOYtyping", wo er einen Interface-Workshop an der Design-Akademie in Konstanz hielt (beide 2006), bei einer Präsentation von "Constraint City @ v2" in Rotterdam, bei "TRII @ Play Cultures" im Contemporary Museum in Novi Sad in Serbien, beim "BlitzplayHeroIII, Ludic Society Open"-Workshop im Rahmen des piksel Festivals in Bergen/Norwegen, beim Digital Sound Workshop der "resonance" in Wien sowie beim beim Game Fashion Workshop mit Margarete Jahrmann des NABA Fashion Institute in Mailand (alle 2007).

Auszeichnungen und Förderungen

Natürlich hat der vielseitige Künstler inzwischen auch Preise und Förderungen erhalten:

Eine ÖH-Förderung für sein Projekt "Bicycletron", ein Auslandsstipendium der Angewandten (beides 2006), einen Förderung der Stadt Wien für eine Dokumentation von "Constraint City" sowie den Kunsthalle Wien Preis 2007.

Jobs zum Überleben

Vielfältige Erfahrungen konnte Savicic auch bei Jobs, die er zum Gelderwerb ausübte, sammeln: als Programmierer und Designer bei scalar und Contentfabrik, als Media Producer am Luzerner Stadttheater sowie als Setdesigner und Setdresser.

Künstlerische Unabhängigkeit

Nach seinem Studien-Ende in Rotterdam plant der Digitalkünstler Ausstellungen und will sich als Artist in Residence bewerben.

Sein größter beruflicher Zukunftswunsch? "Ich möchte künftig so unabhängig wie möglich als Researcher und Künstler arbeiten können", so Gordan Savicic.

Gestaltung: Matthias Osiecki · 03.02.2008

Die Ö1 Talentebörse ist ein Kunstförderprojekt mit Unterstützung der Bank Austria.

Mehr zur Emanuel Andel und Gordan Savicic und der transmediale in futurezone.ORF.at

Kontakt
Gordan Savicic

Links
Universität für angewandte Kunst Wien
Piet Zwart Institute - Media Design
Insert coin - BioPong
Kunsthalle Wien - Preis 2007: Borderline
Gordan Savicic
Contentfabrik
Haus der Kulturen der Welt
Indowa
Kunsthalle Wien
Ludic Society
Luzerner Theater
resonance 2007
Scalar
The Handydandy
Transmediale.08

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