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"Probier ma’s no amoi"

Franz Zeller über die "Internetoffensive Österreich"

Österreich ist nicht gerade das, was man ein Internet-Vorzeigeland nennt. Der Breitband-Ausbau hinkt im Vergleich mit anderen entwickelten Staaten ebenso nach wie die Geschwindigkeit auf den Datenautobahnen oder die Nutzung. Nun soll alles anders werden.

Die Ziele waren durchaus hochtrabend formuliert: "Österreich soll einen Spitzenplatz in der Informationsgesellschaft einnehmen", hieß es 2005 im IKT-Masterplan, einem Entwurf für die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologie.

In drei Jahren, also bis 2008 sollte das Land unter die Top 5 der EU aufrücken und unter die Top 10 weltweit.

(c) ORF, Schimmer

Österreich ist nicht gerade das, was man ein Internet-Vorzeigeland nennt.

Dem lag eine durchaus sehr ernüchternde Diagnose zugrunde: Dass Österreich bei allen wesentlichen IKT-Indizes sowohl welt- als auch europaweit stark hinterher hinkt.

Am deutlichsten ist dies für Konsumenten in der durchschnittlichen Geschwindigkeit ihrer Internetverbindungen spürbar: Die liegt in Österreich bei knapp über 5Mbit – Südkorea und Japan schaffen fast 100Mbit. Das verhindert hierzulande auch bestimmte Services; datenintensive Videoübertragungen werden beispielsweise so nur schwer möglich - und damit auch neue Geschäftsmodelle.

Bis jetzt hat sich an Österreichs Stellung in der Informationsgesellschaft kaum etwas geändert, wenn auch die Tendenz leicht steigend ist. Schuld daran ist die kaum wahrnehmbare IKT-Politik.

Der Masterplan von 2005 ging zusammen mit der schwarz-orangen Regierung 2006 unter. Und auch unter den neuen Mehrheiten schien die Informationstechnologie nur ein Beiwagerl im Ministeriums-Portfolio zu sein. Schließlich sind die IKT-Agenden nicht einmal an einer zentralen Stelle angesiedelt.

Die Internet-Offensive, die in dieser Woche gestartet wurde, scheint daran etwas ändern zu wollen. Dass sich Kanzler und Vizekanzler als Schirmherren dieser Initiative auf die Bühne stellen, zeigt zumindest ein politisches Commitment, auf das man die Staatsmänner in Zukunft auch festlegen wird können.

Ausgegangen ist die Initiative aber von den großen Playern im IKT-Business, etwa HP, Telekom oder UPC, die über eine Lobbying-Agentur Druck machen, um Österreich fitter zu machen für die Informationsgesellschaft. Denn was hilft es, wenn Österreich beim E-Government den ersten Platz belegt, allerdings zu wenige Leute den kurzen elektronischen Amtsweg nutzen?

In sechs Arbeitskreisen, von "Generationen und Bildung" bis "Kultur und Medien" soll bis Herbst eine "Internetdeklaration" entstehen, die Österreich zu einem attraktiveren IKT-Standort machen soll. Schließlich ist die Informationstechnologie so etwas wie das Rückgrat der vernetzten Wissensgesellschaft.

Ein bisserl dürfen sich auch die normalen Bürger und Bürgerinnen an der Zukunftsfindung beteiligen. Sie finden auf der Website der Initiative eine E-Mail-Adresse, unter der sie Vorschläge deponieren können.

Was die einen als typisch österreichische "Seifenblase" und eine politisches Inszenierung abtun, sehen andere durchaus als Chance, um die Bedeutung der Informationstechnologie stärker im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern.

Es gehe nicht primär um "mehr Geld" vom Staat, meinte etwa der Generalsekretär der österreichischen Internetprovider, Kurt Einzinger. Aus anderen Ländern wisse man, dass eine informationstechnische Entwicklung schneller gehe, wenn sich die Politik zumindest zum Thema bekenne und versuche, Rahmenbedingungen zu definieren. Und vielleicht findet Österreich so, im Unterschied zu den letzten Jahren, tatsächlich zu einem konsistenten Wegweiser in die digitale Zukunft.

05.03.2008

Franz Zeller ist Leiter der Redaktion der Ö1 Sendung Matrix.

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