Die Echten retten die Welt

"Die Echten" erklären sich im Jahr 2008 zu den "Auser-chorenen", zu den Rettern der Welt. Das A-cappella-Ensemble bezeichnet sich als verrückteste Stimmband Österreichs. Und als solche navigiert sie mit ihrem neuen Programm gekonnt durch die Galaxien.

Ich liebe Tiere, die man von der Speisekarte kennt

Intergalaktische Umtriebe sind in diesem Jahr bei den Echten zu verzeichnen. Für sein 6. Programm hatte das A-cappella-Ensemble einen außerirdischen Plan: Mit Hilfe der kurzerhand erfundenen UU, der Universal Union, versucht man offenkundig neue Publikumskreise jenseits unseres Planeten zu erschließen. Titel dieser musikalischen Versuchung: "Die Echten retten die Welt".

Zwar retten sie die Welt nicht vor Zerstörung und Untergang sondern vorerst nur aus einer peinlichen Situation, denn: bei ihrem Auftritt im Rahmen der intergalaktischen Gala lässt sich niemand finden, der die Erde bei künftigen interplanetaren Konferenzen vertritt. Also übernehmen die Echten diesen Job.

Robbie Williams versus Mozart

Die Echten, das sind Patricia Simpson, Stephan Gleixner, Alexander Wartha und Andy Woerz. Auch in ihrem neuen Programm, das sie vor kurzem im Orpheum in der Wiener Donaustadt vorstellten, setzen die vier auf eine bewährte und eingespielte Rezeptur: Man kreiere eine überschaubare Rahmenhandlung, die es ermöglicht, unterschiedlichste Coverversionen internationaler Pop- und Rockhits ebenso wie Eigenkompositionen unterzubringen, ohne damit gröbere Verwirrung im Ablauf der zu erzählenden Geschichte zu stiften.

Im aktuellen Fall gilt es einmal zu klären, warum gerade die Echten die Erde bei der intergalaktischen Konferenz vertreten sollen. Das ist schnell erzählt: Bei ihrem Auftritt vor der Universal Union hat einer aus dem A-cappella-Ensemble zur falschen Zeit die Hand gehoben und schon war man nominiert. So viel zur Vorgeschichte.

Galaktische Erfahrungsberichte

In ihrem Programm verbinden Patricia Simpson, Stephan Gleixner, Alexander Wartha und Andy Woerz ihre musikalischen Darbietungen mit Geschichten über ihre künftige Mission im intergalaktischen Rahmen und mit Erfahrungsberichten von ihrem Galaauftritt.

"Ihr bewegt euch gut aber der Gesang ist total daneben." Das hat einer der intergalaktischen Vertreter zu uns gesagt. Das hatte auch einen Grund: Die auf den ganz weit entfernten Planeten sehen uns zwar, können uns aber noch nicht hören, denn: der Schall ist langsamer als das Licht. Beispiel: Die sehen auf der Erde Robbie Williams, hören aber noch die Musik von Mozart. Oder bei etwas näher gelegenen Planeten sehen sie Alfred Gusenbauer, hören aber, was Bruno Kreisky sagt. Deswegen hatte Alfred Gusenbauer vor allem außerirdisch gute Werte.

Mund-Art

Wie auch immer das nun mit der außeririschen Wahrnehmung von künstlerischen Darbietungen auf der Erde sein mag - jedenfalls nehmen die Echten ihre Chance wahr, einmal auch mit Elementen der Opera buffa zu experimentieren. Und dabei beweist das Ensemble mehrheitliche große Entertainerqualitäten.

Patricia Simpson, Stephan Gleixner, Alexander Wartha und Andy Woerz, seit 2000 als die Echten unterwegs, bezeichnen ihren A-cappella-Gesang als "Mund-Art" im besten Sinne, als Spielform der gehobenen Instrumentenlosigkeit. Sollte in ihren Programmen dann doch einmal der Sound einer E-Gitarre, eines Rhythmusinstrumentes oder der Trompete fehlen, dann kompensieren die Echten diesen Mangel problemlos mit ihren Stimmen.

Patricia Simpson und Alexander Wartha haben den Umweg über das Musical zum A-cappella-Gesang gewählt. Stephan Gleixner ist Musikpädagoge mit Gesangserfahrung in diversen Bands und Andy Woerz trainierte seine Stimme im Musical ebenso wie als Moderator und Synchronsprecher. In dem Programm "Die Echten retten die Welt" sind diesmal allerdings nicht nur die Gesangsleistungen des Ensembles außerirdisch sondern auch durchaus einige der Informationen, die zwischen den musikalischen Einlagen weitergegeben werden

Der Dorsch lässt sich nicht mehr fangen

Eines der Lieder des Welt-Rettungsprogramms trägt den Titel "Der Dorsch lässt sich nicht mehr fangen". Im Laufe des Abends wenden sich die Echten dann eben doch den globalen Nöten des Planeten Erde zu. Man entwirft beispielsweise Pläne für eine autofreie Zukunft auf der Grundlage einer weltweiten Null-Promille-Grenze oder erklärt, warum die Milchstraße im Zuge der globalen Erwärmung ultrahoch erhitzt wird: der längeren Haltbarkeit wegen. Man mutmaßt über die Zukunft einer laktosefreien Version der Milchstraße auf Basis rechtsdrehender Milchsäurebakterien ebenso wie über eindeutige Indizien zur Früherkennung von Außerirdischen auf unserem Planeten.

Zwischendurch lässt das A-cappella-Team sein Publikum in das berühmte Sackerl reden, in dem man weniger spannende Geschichten aufheben kann, um sie sich zu einem späteren Zeitpunkt anzuhören. Parole des Abends: "Seid's offen und lasst's euch nicht täuschen".

Hör-Tipp
Contra, Sonntag, 9. März 2008, 22:05 Uhr

Veranstaltungs-Tipp
"Die Echten retten die Welt", 7. bis 10. und 14. bis 16. März 2008, Orpheum Wien,
Ö1 Club-Mitglieder erhalten ermäßigten Eintritt (EUR 1,50).

Links
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