60 Jahre Israel: David Rubinger, Fotograf

Israel durch meine Kamera

Am Tag, als der Staat Israel gegründet wurde, entging er nur knapp dem Tod. David Rubinger dokumentierte wie kaum ein anderer die israelischer Geschichte und schuf fotografische Ikonen. Das Museum am Judenplatz zeigt 60 seiner Werke aus 60 Jahren Israel.

David Rubinger über Religion als nationalistisches Element

David Rubinger wird 1924 in Wien geboren und trägt ursprünglich den Vornamen Dietrich. Mit 15 schickt ihn die Mutter weg und rettet ihm so das Leben. Sie selbst wird deportiert und ermordet. Mit 21 bekommt David einen Fotoapparat geschenkt. Mit 24, im Unabhängigkeitskrieg, habe er noch mit der Waffe geschossen, schreibt er in seinen Erinnerungen, später dann nur mehr mit der Kamera.
Anlässlich einer Ausstellung seiner Bilder im Jüdischen Museum ist David Rubinger nach Wien gekommen. Renata Schmidtkunz hat mit ihm gesprochen.

Renata Schmidtkunz: David Rubinger, am 14. Mai 1948 hat David Ben Gurion in Tel Aviv den Staat Israel ausgerufen. Ein historischer Tag, der jetzt auch gefeiert wird, 60 Jahre Israel. Wo waren Sie denn an diesem Tag?
David Rubinger: Ich wusste da gar nicht, dass ein Staat ausgerufen wird. Ich lag hinter einer kleinen Mauer, wo ich mich vor den Kugeln der Araber geschützt habe. Ich war auf dem Weg zurück zu unserer Stellung, als das Feuer aus einem Haus eröffnet wurde. Da hab ich mich hinter diese kleine Mauer geschmissen, und einstweilen haben die Araber ein Nachbarhaus genommen. Neben mir wurden zwei getötet. Und ich lag da und guckte auf einen Baum über mir, und sehe wie die Kugeln einschlagen in diesen Baum. Ich bin später noch viele Jahre dort hingegangen. An dem Baum sieht man, glaub ich, heute noch die Wunden von 1948. Ich kann mich nicht erinnern, im Rückblick betrachtet, ob mir damals klar war, dass man in Tel Aviv tanzte. Die Jordanier haben gleich am 14. Mai Jerusalem angegriffen. Jerusalem war ja in einer besonders schwierigen Situation, weil es belagert war. Die Wasserleitungen hatten kein Wasser, und die Verbindungen mit Tel Aviv waren vollkommen abgeschnitten. Die Jordanier haben Jerusalem bombardiert. Und wahnsinnig viele Opfer fielen - eigentlich mehr in der Stadt als an der eigentlichen Kampfzone.

Wie lange waren Sie damals schon in (dem ehemals englischen Mandat) Palästina und dann im Staat Israel?
Da war ich schon seit 1939, also seit acht Jahren im Lande. Ich war in der Zwischenzeit schon im englischen Militär.

David Rubinger war ja einer der vielen Tausend Freiwilligen aus Palästina, die in der British Army gedient haben...
... was nachher die "Britische Brigade“ wurde. Am Anfang waren es nur jüdische Kompanien, jüdisch-palästinensische, denn wir wurden nicht Juden genannt, sondern Palästinenser.

Das war diese berühmte Brigade von Montgomery?
Montgomery's Army, ja.

Und das Ziel dieser jüdischen Brigaden innerhalb der British Army war, an der Seite der Alliierten gegen Hitlerdeutschland zu kämpfen, nicht wahr?
Es war ein zweiseitiges Ziel. Wie Ben Gurion damals sagte: "Wir wollen mit den Engländern kämpfen, wie wenn es kein Weißes Buch gäbe gegen die Immigration, und wir wollen gegen das Weiße Buch kämpfen, wie wenn es keinen Krieg gegen Deutschland geben würde."

Das Weiße Buch, das war ein Beschluss der britischen Regierung, in dem festgelegt wurde, dass die Immigration nach Palästina limitiert wird.
Genau. Stark limitiert.

Hör-Tipp
Im Gespräch, Donnerstag, 8. Mai 2008, 21:01 Uhr

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Veranstaltungs-Tipp
"Israel. 60 Jahre - 60 Bilder. Aus David Rubingers Fotoarchiv", bis 26. Oktober 2008, Museum Judenplatz