"Local Artist Award" bei crossing europe

Gruzei, Katharina - bildende Kunst

Über einen Umweg kam sie zur Kunst: Katharina Gruzei, Jahrgang 1983, Studentin an der Kunst-Uni Linz. Sie war 2008 erste Siegerin des Ö1 Talentestipendiums. Im April 2012 zeigte sie Foto-Arbeiten in Berlin. Beim Linzer Festival crossing europe erhielt die erfolgreiche Künstlerin für den Experimental-Film "Die ArbeiterInnen verlassen die Fabrik" nun den "Local Artist Award".

"Das Interesse für Kunst war schon früh da, aber Kärnten ist nicht gerade überflutet mit Kunst, Museen und Galerien. Ich habe schon relativ jung fotografiert, es dann aber aufgegeben. Mit etwa 15 habe ich das Fotografieren wieder aufgenommen und gleich nach der Matura in Wien und in Linz Aufnahmeprüfungen gemacht - allerdings erfolglos.

So habe ich zunächst mit Betriebswirtschaftslehre begonnen und nebenbei künstlerisch weiter gearbeitet. 2004 nahm ich einen neuen Anlauf - und in Linz hat es schließlich mit der Aufnahmeprüfung geklappt", erzählt Katharina Gruzei, gebürtige Klagenfurterin, Jahrgang 1983, die seit 2004 nun an der Kunstuniversität Linz Experimentelle audiovisuelle Gestaltung.

Seit 2006 studiert Gruzei auch Kunst- und Kulturwissenschaften in Linz.

Erste Ö1 Stipendiatin

Durch Entscheidung der Fach-Jury wurde Katharina Gruzei am 18. September 2008 zur Siegerin des mit 10.000 Euro dotierten Ö1 Talentestipendiums ausgewählt, das im Vorjahr erstmals vergeben wurde. Die Verleihung fand am 29. Oktober 2008 im MAK Wien statt.

Vom 30. Oktober bis 3. November 2008 waren im Rahmen einer Präsentation der Preisträger/innen sowie aller Finalist/innen drei ihrer für den Bewerb um das Ö1 Stipendium eingereichten Arbeiten im MAK, Wien zu sehen.

Mehr dazu in oe1.ORF.at

Austauschstudentin an der University California

Die junge Nachwuchskünstlerin war 2006 Austauschstudentin an der UCSB University of California in Santa Barbara in den USA.

Danach belegte sie Visual Cultural Studies an der Universität der Künste in Berlin in der Klasse von Katharina Sieverding. Ihr Kunst-Studium wird sie voraussichtlich 2012 abschließen.

Im Rahmen des Ö1 Talentestipendiums für bildende Kunst, das eine vierteljährliche Dokumentation über die Arbeit der Siegerin vorsieht, berichtete oe1.ORF.at im Zeitraum dieser 12-monatigen Förderung weiters im Juli sowie im Oktober 2009 über Gruzeis aktuelle Arbeit.

Mehr zur zweiten Dokumentation über Katharina Gruzei in oe1.ORF.at

Wichtige Auslands-Erfahrungen

Durch Austausch-Programme konnte Gruzei inzwischen wichtige internationale Erfahrungen sammeln:

"Es ist gut, das Land, in dem man aufgewachsen ist, zu verlassen. Von außen kann man sein bisheriges Umfeld weit besser reflektieren. So habe ich zwei unterschiedliche Schulen kennen gelernt: die amerikanische und die deutsche. Das sind zwei ganz verschiedene Herangehensweisen. Wie und was wird unterrichtet, was wird verlangt, wie viel Zeit gibt man der Reflexion? Außerdem ist es dabei sehr wichtig, eine Fremdsprache zu beherrschen. Und parallel dazu sind viele Auslandsprojekte entstanden", so Gruzei.

Das Experiment als wichtiges Element

"Ein wesentliches Element meiner Arbeiten ist das Experiment. Hier wird eine Grundsituation geschaffen und man weiß noch nicht, was dabei herauskommt. Da ich um Förderungen ansuche, muss ich aber bereits eine Idee für das Endprodukt formulieren. Dennoch bleibt Freiraum, wie meine Arbeit letztlich aussieht. In meinem Studien-Bereich kann ich jeweils das Medium wählen, mit dem ich mein Konzept am Besten umsetzen kann", erläutert Gruzei ihren künstlerischen Zugang.

Video, Film, Fotografie und Sound

"Bei meinen Arbeiten stehen die Medien Video, Film, Fotografie im Mittelpunkt. Jetzt kommt noch der Sound dazu. Meine aktuellen Projekte bewegen sich an der Grenze zwischen Standbild, also Fotografie, und Video, dem bewegten Bild."

Gesellschaftspolitische Veränderungen im Fokus

"Ich interessiere mich für gesellschaftspolitische Veränderungen, für politische Positionen, die sich im Alltag zeigen. Und ich setze mich auch mit Geschlechterrollen auseinander", In meinen Arbeiten geht es also immer um Menschen", beschreibt Gruzei.

"Local Artist Award" bei crossing europe

Und für ihren Experimental-Film "Die ArbeiterInnen verlassen die Fabrik" wurde Katharina Gruzei zum Abschluss des diesjährigen Linzer crossing-europe-Festivals am 28. April mit dem "Local Artist Award" ausgezeichnet.

Dieser Preis wurde erneut in einen Geld- und einen Sachpreis geteilt: Gruzei erhielt für ihren Film 4.000 Euro, gestiftet vom Land Oberösterreich. Edith Stauber bekam von Synchro Film für "Nachbehandlung" einen Gutschein über 2.000 Euro.

Foto-Schau in Berlin

Im April 2012 zeigt Katharina Gruzei in der Ausstellung "l' image touche au réel" in der Kunsthalle am Hamburger Platz in Berlin-Weißensee ihre neuen Fotoarbeiten.

Ziel dieser Gruppen-Schau, an der auch Ö1 Talent Rainer Nöbauer-Kammerer teilnahm, ist ein formales und inhaltliches Befragen und Bearbeiten des fotografischen Mediums. Dabei werden durch verschiedene Annäherungen an dem verbindenden Thema ein Diskurs und verschiedene Standpunkte gegenüber dem Medium Fotografie eingenommen.

Experimentalfilm bei "Diagonale 2012"

Im Rahmen der diesjährigen Grazer "Diagonale", die von 20. bis 25. März stattfand, zeigte Katharina Gruzei ihren experimentellen Kurzfilm "Die ArbeiterInnen verlassen die Fabrik". Das Grazer Filmfestival verwendete ein Bild aus Gruzeis Film als Sujet.

In ihrem Kurzfilm nimmt Gruzei Bezug auf "Die ArbeiterInnen verlassen die Fabrik", den ersten vorgeführten Film der Geschichte der Brüder Lumière aus dem Jahr 1895. Gedreht wurde Gruzeis Film in den Linzer Tabakwerken.

Präsentation in Tiflis

Im September 2011 war bei Wato Tsereteli im "Center for Contemporary Art" in der georgischen Hauptstadt Tiflis zu einer Präsentation eingeladen.

Damals erkundete die junge Künstlerin Osteuropa und reiste bis in die Region Aserbaidschan nahe dem Iran.

"expectation"-Schau in Salzburg

Im Herbst 2010 zeigte Katharina Gruzei in der Einzel-Schau "expectation leads to dissappointment" im Salzburger "periscope" neue Arbeiten.

In dieser Schau fand sich der Besucher in einer visuellen Recherche wieder, die das fotografische Porträt in seinen Anfängen, der kriminologischen Verbrecherfotografie, thematisierte.

"Farewell to Longing" im Kunstraum NÖ

Davor zeigte Gruzei im Juni 2011 im Rahmen der Gruppen-Ausstellung "Farewell to Longing" im Wiener Kunstraum NÖ neue Werke.

Die von Marion Stemberger kuratierte Schau, die bis 23. Juli geöffnet war, setzte sich mit der Frage nach einer zukunftsoffenen Sichtweise auf den Heimatbegriff - nicht nur jenseits der ideologischen Diskreditierung, sondern vor allem jenseits des Eskapismus nostalgischer Deutungstraditionen – auseinander.

"Zeitgenössische Fotografie" im MMKK

Bis 31. Jänner 2010 war Katharina Gruzei in der Gruppen-Ausstellung "Zeitgenössische Fotografie - Neue Positionen aus Österreich" im Museum Moderner Kunst Kärnten (MMKK) vertreten.

Im Mittelpunkt der MMKK-Schau stand die zeitgenössische Fotografie in Österreich. Mit dem Fokus auf Fotokünstler/innen, die aus Kärnten stammen oder bereits in der Sammlung des Museums vertreten sind, sowie jungen Fotokünstler/innen aus Österreich wurde ein Einblick in aktuelle Positionen gegeben.

Am 4. November 2009 diskutierte Kuratorin Silvie Aigner mit Christine Frisinghelli (Camera Austria), Katharina Gruzei und Hubert Blanz.

"Sander remixed" bei Linzer "One Night Stand"

Ebenfalls vertreten war Gruzei im Rahmen der Linz-2009-Schau "One-Night Stand: 21 Abende - 21 Eröffnungen" am 15. September in der Landesgalerie Linz:

Unter dem Titel "Sander remixed" zeigte sie ausgewählte Fotos von August Sander, der für seine Serien "Menschen des 20. Jahrhunderts" sowie "Antlitz der Zeit" bekannt ist. Er lebte von 1901 bis 1909 in Linz und arbeitete in einem kommerziellen Porträtstudio. Dazu kamen Fotos aus Gruzeis Privatsammlung, sowie ihre künstlerischen Arbeiten - Performances und Re-Inszenierungen im Bild. Diese Bildquellen wurden miteinander arrangiert und breiteten sich als visuelle Recherche der klassischen Porträt-Fotografie, die sich in der Zusammenstellung befragt und ergänzt, aus.

Beim "One-Night Stand"-Projekt wurden an 21 aufeinanderfolgenden Tagen jeweils eine Einzelausstellung einer/eines in Linz lebenden Künstler/in präsentiert.

Bei "Go to the Salzamt" im neuen Atelierhaus

Bis 23. Oktober 2009 zeigte Gruzei in der Schau "Go to the Salzamt" im neuen Linzer Atelierhaus ihre Arbeiten.

An der Ausstellung nahmen weiters Mehmet Dere (Istanbul), Stefan Kuntner (Linz), Rait Rosin (Talinn), Emily Speed (Liverpool) sowie Jens Sundheim (Dortmund) teil.

In Fotogalerie Wien bei "Performance II"
Weiters war Gruzei im Rahmen der Schau "Performance II - Übertragung und Übersetzung" im September 2009 in der Fotogalerie Wien im WUK vertreten.

Von Sommerakademie bis Stanford

2009 war die erfolgreiche Ö1 Stipendiatin Katharina Gruzei bereits zahlreich bei Ausstellungen und Veranstaltungen vertreten:

So hielt sie Ende Mai auf Einladung der renommierten US-Universität eine Lecture in Stanford. Ende Juli war sie als Assistentin von Ines Doujak im Rahmen der Internationalen Sommerakademie in Salzburg tätig.

Collage im Salzburger Kunstverein
In Salzburg zeigte sie eines bei der Sommerakademie entstandenen Bilder im Rahmen der Ausstellung "No Sound of Music" im Salzburger Kunstverein.

Und im Mai 2009 hielt sie auf Einladung der renommierten US-Universität eine Lecture in Stanford. Ende Juli war sie als Assistentin von Ines Doujak im Rahmen der Internationalen Sommerakademie in Salzburg tätig.

SOHO in Ottakring, Viennafair
Ebenso stellte sie im Rahmen des Wiener Festivals "SOHO in Ottakring", das 2009 unter dem Motto "Arbeiten oder nicht arbeiten" stand, Foto-Arbeiten im Atelier von Steven Matthewson aus.

Davor war Gruzei durch die Galerie Charim bei der "Viennafair" vertreten, die ihre Foto-Serien "Fullmoon", "Working in Los Angeles", "getting loose" sowie die Installation "L. A. Work Shift - Intersektion of Lives and Highways" präsentierte.

Schau "Totale Partizipation" in IG Bildende Kunst

Im Februar 2009 nahm Ö1 Stipendiatin Katharina Gruzei in der IG Bildende Kunst als geladene Künstlerin am Workshop "Totale Partizipation - Radikale Entspannung" teil, der mit einer Ausstellung abgeschlossen wurde.

Bei der Schau in der Wiener Galerie der IG Bildende Kunst zeigte Gruzei eine Video-Installation.

Foto-Schau "Nachts ... " in Bozen

Von 11. November bis 20. Dezember 2008 zeigte Katharina Gruzei gemeinsam mit der Japanerin Akiko Sato in der Ausstellung "Nachts" in der Galerie "foto-forum" in Bozen ihre neuen Fotoarbeiten aus der Serie "Fullmoon".

Bei diesen 20 Arbeiten verwendete Gruzei das Mondlicht als Hauptlicht für ihre ausschließlich analog gefertigten "Lichtbilder", wobei sie die nächtliche Lichtquelle Mond auch inhaltlich aktiv thematisierte.

Mit Los-Angeles-Projekt in Wiener Galerie

Davor zeigte Katharina Gruzei in der Wiener "Plattform für junge Kunst" Arbeiten ihres Projekts "Working in Los Angeles". Die Ausstellung war bis 31. Oktober 2008 geöffnet.

Vor dieser Schau präsentierte die erfolgreiche Künstlerin bis 4. Oktober im Rahmen der Gruppen-Ausstellung "Aus Gnade und Verzweiflung. Performative Kulturvermittlung vom Sofa aus" in der Wiener Galerie Charim neue Werke.

Schau "Land of Human Rights" in Graz

Bis 13. September 2008 zeigte Katharina Gruzei, die seit 2005 bereits an zahlreichen Ausstellungen teilgenommen hat, ihre Arbeiten im Rahmen der Gruppenausstellung "Land of Human Rights - What do you do for a living?" im Grazer Kunstverein "rotor".

An dieser Schau nahmen weiters Jiri Cernicky, Helmut und Johanna Kandl, Eleonore de Montesquiou, Marija Mojca Pungercar, Reinigungsgesellschaft, Josef Schützenhöfer sowie Artur Zmijewski teil.

Körner-Preis 2008 für "Women and Space"

Für ihre großformatige Foto-Serie "Women and Space", die sie 2006 während ihres US-Studiums begonnen hat und die noch nicht abgeschlossen ist, hat Katharina Gruzei den Theodor-Körner Preis für Bildende Kunst und Kunstfotografie 2008 erhalten.

"Für dieses Projekt fotografiere ich junge Frauen in ihrem Zimmer. Dabei interessiere mich für die Objekt-Subjekt-Beziehungen - wie die Räume aussehen, ihre Größe, ob Frauen überhaupt eigene Räume haben und wie sie diese nutzen. Ich ziehe den Konnex zu Virgina Woolfs Essay 'A Room of One's Own', in dem sie beschreibt, welche Voraussetzungen notwendig sind, damit eine Frau kulturell produktiv sein kann", schildert die junge Künstlerin.

"Nun blicke ich in diese Räume und schaue, was ich dort finde. Ich definiere das Zimmer als den Raum für alles weitere Tun, das außen passiert - also Handlungsspielraum, Entscheidungsraum. Ich bin auf der Suche nach dem Politischen im Privaten auch hinsichtlich der Globalisierungsprozesse."

Foto-Serie und Video "LA Work Shift"

Dieses Projekt Gruzeis, entstanden nach ihrem Aufenthalt in Los Angeles, besteht aus zwei Teilen: der sechsteiligen Foto-Serie "Working in Los Angeles" und der Sechs-Kanal-Video-Installation "LA Work Shift - Intersection of Lives and Highways".

"Diese Mega-Metropole ist durch die großen Entfernungen, die man zum Arbeitsplatz zurücklegen muss, geprägt. Noch dazu gibt es kein effizientes öffentliches Verkehrsnetz. Für diese Arbeit war ich mit Menschen auf den Highways unterwegs und habe sie befragt. Man verbringt dort täglich vier bis fünf Stunden im Auto, was unbezahlt zur Arbeitszeit dazu kommt. Aber ohne Auto kann man in dieser Stadt nicht überleben."

Mehr Mittel für Kunst und Kooperationen

Wie lauten die Zukunftswünsche der Siegerin des ersten Ö1 Talentestipendiums?

"Ich wünsche mir, mit mehr Gelassenheit arbeiten zu können - was natürlich mit der finanziellen Situation zu tun hat. Das setzt den Wunsch voraus, dass es mehr Geld für Kunst gibt und dadurch weniger Konkurrenzdruck. Und dann könnten Künstler zusammen statt gegeneinander arbeiten. Für meine Arbeit wünsche ich mir, dass es weiterhin viel Interesse, Kritik und Kommentare gibt - und ich schließlich davon leben kann", so Katharina Gruzei.

Service

Mehr zu Ausstellungen, Preisen, Stipendien und Publikationen von Katharina Gruzei in oe1.ORF.at

E-Mail - Katharina Gruzei

Kunstuniversität Linz
Kunstuniversität Linz - Experimentelle Gestaltung: Katharina Gruzei
Kunstuniversität Linz - "Best of 06": Katharina Gruzei - Mona Lisa
blogspot.com - Katharina Gruzei: Opening Fotogalerie Wien
blogspot.com - Katharina Gruzei: Farewell to Longing
AnaDoma-FilmVideoFest – Rahmenprogramm
Atelierhaus Salzamt Linz
arttransponder - Katharina Gruzei
arttransponder - Totale Partizipation
Berlinerpool - Totale Partizipation, Radikale Entspannung
Charim Galerie Wien
crossing europe
Diagonale Graz
D21 - Veranstaltungsarchiv 2008
Fotogalerie Wien - Performance II
Kunstraum Niederoesterreich - Farewell to Longing
Landesgalerie Linz - "One-Night Stand: 21 Abende - 21 Eröffnungen"
Exhibition "Land of Human Rights: What do you do for a living?"
Kunsthalle am Hamburger Platz
Museum Moderner Kunst Kärnten
periscope
Photographers' Gallery
Salzburger Kunstverein
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