Minimalismus im Zentrum der Gestaltung
Über die Informatik kam er zu seinem Metier: Tobias Egger, Jahrgang 1984, der seit 2006 Grafik Design an der Angewandten studiert. Bei der "Essence 08"-Schau, die er auch gestaltet hat, zeigt er die Arbeiten "Liebe Leser/Innen" und "Habicht Forces".
"Mein Interesse entstand durch den unüblichen Weg über die Informatikstunden im Gymnasium. Dabei haben wir mit diversen Computerprogrammen gespielt. Und in der Folge haben wir versucht, immer weiter zu kommen.
Und dann hat sich die Frage gestellt, wie könnte ich mein Wissen erweitern? Dabei stieß ich damals auf die Angewandte. Ich habe mich beworben - und es hat im ersten Anlauf geklappt", erzählt Tobias Egger, gebürtiger Südtiroler aus Parcines, Jahrgang 1984, der seit 2006 Grafik Design an der Universität für Angewandte Kunst in Wien studiert.

Tobias Egger
Begonnen hat Egger zunächst bei Fons Hickmann, seit 2007 studiert er nun bei Oliver Kartak. Sein Kunststudium wird er voraussichtlich 2010 abschließen.
Die Basis für seine Kreativität wurde bereits in der Schulzeit gelegt, wo er im Musikgymnasium Innsbruck sowie im Musisches BORG in Telfs sowohl im musischen als auch im bildnerischen Bereich gefördert wurde: "Das war eine ganz wichtige Grundlage für meine Entwicklung", resümiert Egger rückblickend.

"Viennae" (2006): Dieser Versuch Tobias Eggers einer breitfedergezeichneten humanistischen sans-serif-Schrift ist ein Work in Progress.
Und ab Herbst 2008 beginnt der Nachwuchs-Grafiker noch mit dem Studium der Politikwissenschaft an der Universität Wien:
"Ich will in Verbindung mit der Grafikausbildung meine Kenntnisse auch dazu nutzen, zum Bewusstsein der Menschen auf politischer Ebene beizutragen. Das halte ich für äußerst wichtig - denn zurzeit lässt das Grafik Design in diesem Bereich sehr zu wünschen übrig."
"Bei mir steht das stark Reduzierte im Zentrum, das finde ich am Ehrlichsten. Trotz dieses Minimalismus versuche ich, klare Aussagen zu treffen. Das ist der Rote Faden meiner Arbeiten. Es wurde mir gesagt, dass Minimalismus zwar klar, aber langweilig ist - diese Meinung teile ich nicht", so der junge Grafiker.

"Zufallswelt der Kunst" (2008): Dieser Plakat-Entwurf Tobias Eggers für "The Essence 08" zeigt illustrativ den Einfluss des Zufalls in der Welt der Kunst.
Bei der "Essence"-Schau 2008, die im MAK gezeigt wurde, war Tobias Egger nicht nur mit zwei Projekten vertreten, sondern realisierte erstmals auch die Präsentation der Arbeiten seiner Klasse, die unter dem Motto "Kommunikationsguerilla" standen.
"Zu sehen war das Projekt "Liebe Leser/innen", das ich mit meinem Kollegen Markus Riedler gemacht habe. Wir haben 5.000 Flugblätter mit diesem Satz, der im Impressum der 'Heute'-Zeitung steht, bedruckt: 'Wir übernehmen keine Gewähr für Aktualität, Wahrheitsgehalt und Korrektheit der bereitgestellten Informationen'. Diese haben wir dann um sechs Uhr Früh in den U-Bahnen an Fahrgäste verteilt. Ziel dieser Aktion war es, das Bewusstsein der Menschen bezüglich Medien zu schärfen", schildert Egger.

"Liebe Leser/Innen" (mit Markus Riedler, 2008): "Ziel dieser Aktion war die Reflexion der Leser sowie eine kritische Betrachtung der Informations-Aufbereitung und -Verbreitung", so Tobias Egger zu diesem Projekt, das auch mediales Echo hatte.
"Interessant waren auch die vielfältigen Reaktionen auf unser Projekt. So drohte 'Heute'-Herausgeberin Eva Dichand, die ja nicht wusste, wer Initiator dieser Aktion war, mit einer Anzeige. Es hätte schließlich auch Wettbewerbsschädigung sein können. Wir klärten letztlich alles in einem Brief an die Herausgeberin auf - und man war froh, dass es nur eine Aktion von Kunststudenten war", schildert Egger schmunzelnd seine Erfahrungen bei diesem Projekt, das im "Kurier" und im "Standard" auch mediales Echo fand.
Auch Eggers zweite Arbeit "Habicht Forces Austria", die mit seinen Studienkollegen Laurenz Feinig, Bernhard Fuchs und Patrick Bonato entstand, bewegt sich im politischen Bereich:
"Mit diesem Projekt wollten wir auf die aktuelle militärische Lage aufmerksam machen und zeigen, dass der Krieg heute stark kommerzialisiert ist. Im Speziellen wollten wir darauf hinweisen, dass es bereits etliche private Militär-Dienstleister gibt, die von Regierungen zu bewaffneten Einsätzen herangezogen werden. In Österreich ist die Gründung paramilitärischer Organisationen allerdings verboten. Wir haben das Corporate Design für eine solche fiktive österreichische Gruppe namens 'Habicht Forces Austria' geschaffen", berichtet Egger.

"Habicht Forces Austria" (2008): "Hier wurde anhand eines fiktiven privaten Militärdienstleisters die Einstellung zu privaten Kriegsunternehmen sowie die Gewaltbereitschaft der Österreicher/innen untersucht", so Tobias Egger.
"Das Paket umfasste Informationsmappe, Flyer, Formulare und Uniformen. In selbst geschneiderten schwarzen Uniformen, mit Barett und Dienstausweis haben wir dann Menschen befragt. Dazu zählten unter anderem Fragen wie 'Würden Sie in Gefechtssituationen von Ihrer Schusswaffe Gebrauch machen?'
Dabei war das Echo noch interessanter als beim 'Heute'-Projekt. Denn man kann anhand der ausgewerteten Fragebögen, die in Form von Diagrammen bei der 'Essence'-Schau gezeigt werden, deutlich machen, wie Menschen zu diesen Themen stehen. Die Mehrheit unserer Befragten bejahte solche Organisationen und konnte sich auch vorstellen, für sie zu arbeiten. Es war eine meiner wichtigsten, wenn zugleich auch beunruhigendsten Arbeiten der letzten Zeit."
2007 präsentierte Egger im Rahmen der "Essence 07" sein Filmporträt "Adrian Frutiger Über", in dem er sich mit dem Schweizer Grafik Designer und bedeutendsten Schriftgestalter des 20. Jahrhunderts auseinandersetzt.

"Adrian Frutiger Über" (Bern, 2007): Mit dieser Arbeit präsentierte Tobias Egger ein einfühlsames Filmporträt des wichtigsten Schriftgestalters des 20. Jahrhunderts.
"Ich würde gerne in einem kleineren Studio vor allem für Kulturinstitutionen arbeiten - Kataloge, Broschüren und Plakate entwerfen. Die Werbung ist eher nicht mein Metier.
In diesem Zusammenhang will ich unbedingt im Rahmen des Erasmus-Programms meine Kenntnisse in Holland oder der Schweiz, wo es hervorragende Ausbildungsmöglichkeiten gibt, noch vervollkommnen. Aber ich möchte dann in Österreich arbeiten - um beizutragen, dass sich die Situation im Bereich Grafik Design positiv erändert", so Egger.

"Confusion" ("Stiegl"-Bierflaschenwettbewerb zur Euro 2008): Der minimalistische Entwurf Tobias Eggers für diesen Bewerb, für den Etiketten europäischer Länder verlangt wurden, zeigt seine Version für England.
Obwohl er noch genügend Zeit hat, beginnt sich der ambitionierte Grafik Designer bereits mit seiner Diplomarbeit auseinander zu setzen. "Auch sie wird mit Politik zu tun haben - es wird um Staatsphilosophie gehen."
Wie die Zukunftswünsche des nachdenklichen Grafikkünstlers aussehen? "Ein eigenes Studio, wo ich möglichst eigenständig arbeiten kann, wäre natürlich ein Traum. Vor allem inhaltlich auf einer intellektuellen Ebene tätig zu sein, wo ich nicht nur für die Verpackung, sondern auch für den Inhalt verantwortlich bin - das wäre mir am Wichtigsten", stellt Tobias Egger mit Nachdruck fest.
Text: Matthias Osiecki · 05.07.2008
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