Die Technik im cineastischen Fokus
Durch seinen Vater kam er zum Film: Alexander Vittorio Papsch, Jahrgang 1980, der seit 2006 zeitbasierte Medien an der Kunst-Uni Linz studiert. Mit einem Kurzfilm vertrat er Österreich heuer bei Peking 08. Derzeit arbeitet er an einer Neuseeland-Doku.
"Mein Vater hat mich als Kind immer in den Kino-Vorführraum mitgenommen und ich durfte in den Projektor die Dias für die Werbung einschieben. Das Spiel mit dem Licht hat mich schon damals fasziniert - dass ich als kleiner Junge eine so große Leinwand bespielen konnte.
Mit drei oder vier Jahren erhielt ich zum Geburtstag eine Glitzerkugel, ein Jahr später waren es zwei Spots, die ich dann für Schokolade verliehen habe. Es kamen neue Scheinwerfer dazu. Mein erstes selbstverdientes Geld, das ich mit 14 bei Ausgrabungen in Osttirol verdiente, floss wieder in Licht-Equipment.
Zum Film kam ich also über das Licht. Eine nunmehrige Kollegin hat mich auf das neue Studium aufmerksam gemacht. Ich hatte mich damals auch in Hamburg beworben, aber dann hat sich Linz ergeben. Wir sind nun ein Team von sechs Studenten und es macht sehr viel Freude", erzählt Alexander Vittorio Papsch, gebürtiger Osttiroler aus Lienz, Jahrgang 1980. Seit 2006 absolviert er das Masterstudium für zeitbasierte Medien an der Kunstuniversität Linz. Abschließen wird er bis zum Ende dieses Jahres.

Alexander Vittorio Papsch
Seine Beziehung zum Film wurde durch seinen Vater, einen Ingenieur, der als Hobby Filmvorführer in einem der größten Kinos Österreichs war, gelegt.
"Die Technik ist ein Bereich, mit dem ich mich von Kindheit an beschäftige. Aber mir hat der künstlerische Hintergrund gefehlt. Nun hat sich der ideale Mix für mich ergeben", so Papsch.
Der Technik-Freak mit exzellenter Ausbildung hat bereits 2006 seinen Bachelor in Medientechnik und Design an der Fachhochschule Hagenberg in Oberösterreich mit Auszeichnung gemacht.
Aufgrund seines profimäßigen Licht-Equipments gründete Papsch bereits mit 19 mit einem Kollegen eine Firma für Licht- und Sound Design für Großkonzerte, die er später an seinen Teilhaber verkaufte.
Ein wesentliches Merkmal des jungen und weltläufigen Filmers ist seine Vielseitigkeit: Alexander Papsch ist Kameramann, Regisseur, Fotograf und Musiker.
"Ich habe Filme immer aus einer technischen Sicht gemacht. Sie steht bei mir im Vordergrund - und danach richtet sich die Geschichte. Es ist eigentlich nicht der richtige Weg. Jene Filmemacher, die so denken, kommen eigentlich vom Architektonischen her. Dadurch ergeben sich bei mir eigenartige Bilder und eine eigene Erzählweise, die offenbar einmalig ist - und beim Publikum Erfolg hat", erläutert Papsch seinen Zugang.

"Milford Sound": Alexander V. Papschs Interesse gilt vor allem Dokumentar- und Fantasy-Filmen, die auch einen kinderfreundlichen Anspruch haben.
"Charakteristisch für meine Filme ist, dass sie auch ohne Sprache funktionieren. Ich erzähle sehr stark mit Bildern - und die erzählen eine Geschichte. Das finde ich als Kameramann sehr wichtig. Fügt man noch einen Text dazu, bekommt der Film noch eine zweite Ebene und wird dadurch noch stärker", erläutert Papsch, der mittlerweile 36 filmische Arbeiten vorweisen kann.
Heuer vertrat Alexander Vittorio Papsch Österreich bei den Olympischen Spielen in Peking mit seinem einminütigen Film "E.P.I.L.E.P.S.Y".
In diesem Einminüter, geht es um die Darstellung an der Grenze der Wahrnehmung. Der 16-Millimeter-Film, der auch beim Filmfestival in Peking und Brüssel gezeigt wurde, hat rund 1.200 (!) Schnitte.
Mit seinem Kurzfilm "The Second Last Man" gewann Papsch, der mehrfacher Preisträger ist, 2007 den Filmwettbewerb "Instant36".
In diesem Film geht es um einen Mann, der sich in seinem Mikrokosmos verliert. Er baut eine imaginäre Beziehung zu einer Person auf, die es nicht gibt. Und diese entlockt ihn schließlich aus seiner imaginären Welt.
Derzeit arbeitet Alexander Papsch an seinem 90-minütigen Dok-Film "Aotearoa", was in der Maori-Sprache "Land der großen weißen Wolke" bedeutet:
"Referenz sind sicher die Universum-Filme, denn ich bin ein sehr naturbegeisterter Mensch. Es wird das Land vorgestellt, aber auch seine sozialen Probleme. Denn Neuseeland hat eine der höchsten Selbstmordraten der Welt - obwohl es aus meiner Sicht das schönste Land der Welt ist. Und dieser Frage gehe ich nach."

Die Neuseeland-Dokumentation "Aotearoa" von Alexander Papsch soll bis Dezember 2008 fertiggestellt sein und anschließend in ausgewählten Kinos in Österreich sowie in Asien gezeigt werden.
Und Alexander Papsch kann inzwischen auch auf vielfältige internationale Erfahrungen verweisen:
So war der junge Nachwuchsfilmer bereits in den USA, in Neuseeland, Thailand und in Hongkong tätig.
2007 bewarb sich Papsch als Austausch-Student für ein Programm an der Kun Shan University for Motion Picture and Video –und bekam aufgrund seiner exzellenten Kenntnisse eine Professur angeboten. Er lehrte Schnitt, Postproduction und Special Effects.
"Was ich dort studiert habe, war chinesisch, weil mich die Sprache begeistert. Ich war vier Monate dort, hätte einen Vertrag auf zwei Jahre bekommen. Aber ich wollte von meiner Partnerin nicht so lange getrennt sein", berichtet er schmunzelnd.
Welche Zukunftswünsche hat der junge Lienzer Nachwuchs-Filmer?
"Ich bin ein Mensch, der nicht gerne vorausplant, weil es immer anders kommt – aber ich habe großes Vertrauen in die Zukunft. Ich möchte mich noch mehr weiterbilden und in der Film-Forschung engagieren. Inzwischen habe ich sehr gute Angebote aus Neuseeland bekommen und wäge die noch ab. Es stehen noch zwei große Projekte mit meiner Partnerin bevor: eines über die Zapatistas in Mexiko, das wir im Frühjahr 2009 drehen werden, sowie ein Kinofilm. Jedenfalls wird der Bereich Film für mich wegweisend bleiben", so Alexander Vittorio Papsch.
Text: Matthias Osiecki · 27.09.2008
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