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Kollektive Intelligenz für die Nationalratswahl

Spielerisches Einbeziehen der Masse

Das intellektuelle und finanzielle Potenzial der aktiven Internet-User ist erkannt und will genutzt werden. Mit "Crowdsourcing" machen sich Unternehmen die Intelligenz der User zu Nutze. "Crowdfunding" nutzt das Geld der Masse und sucht Investoren.

Kollektive Intelligenz, die Weisheit der Vielen und Schwarmintelligenz sind die Schlagwörter und was heute ein innovatives Unternehmen sein will, macht sich diese mittels "Crowdsourcing" zunutze: Da werden Turnschuhe online von den Kunden designt, konkrete Probleme aller Art veröffentlicht und kollektiv gelöst, Marktentwicklungen vorhergesagt, etc.

"Crowdfunding" nutzt nicht die Intelligenz, sondern das Geld der Masse und sucht im "Online-Schwarm" Investoren für diverse Projekte. Beide Konzepte finden - mit unterschiedlichem Erfolg - im Vorfeld der österreichischen Nationalratswahl Anwendung:

(c) APA

Wo ist der Unterschied zwischen Mitarbeit und Ausbeutung?

Beispiel: Partei3

Partei3 war eine der vielen Initiativen, die eine Kandidatur bei der Nationalratswahl am 28. September 2008 anstrebten und gescheitert sind. Allerdings mit einem besonders innovativen Ansatz: Aus einer Online Bürgerbewegung sollte eine Parlamentspartei entstehen.

Mit diesem hohen Anspruch ging die Partei3 Anfang Juli mit einer Website online. Bis Mitte August sollten sich mindestens 1.000 Unterstützer online bereit erklären, ein Minimum von zehn Euro zu spenden und 1.600 weitere Unterstützungserklärungen zu sammeln, um eine österreichweite Kandidatur zu ermöglichen. Der Start war nicht schlecht: Innerhalb weniger Tage waren fast 200 Unterstützer gelistet. Anfang August ist das Projekt trotzdem eingeschlafen - mit rund 400 Spendern war man vom Ziel weit entfernt, die Zeit insgesamt wohl doch zu kurz und die Idee zu wenig professionell umgesetzt.

Beispiel: wahlfieber.at

Auf andere Art und wesentlich erfolgreicher macht sich wahlfieber.at die Schwarmintelligenz der Internet-User zunutze: Hier werden Wahlausgänge prognostiziert. Die Prognosen basieren aber nicht auf Umfragen, sondern auf einem sogenannten Prognosemarkt - einer Online-Börse für Vorhersagen.

Die Parteien, Kandidaten oder Ereignisse werden in Aktien abgebildet. Diese Prognose-Aktien werden wie auf einem Aktienmarkt gehandelt. Der aktuelle Aktienkurs spiegelt somit die Erwartung aller Teilnehmer über den Ausgang einer Wahl wider: Er ist die Prognose.

Als Teilnehmer registriert man sich online in einem konkreten Prognosemarkt und erhält zu Beginn eine fixe Anzahl von Aktien, sowie einen virtuellen Geldbetrag, mit dem gehandelt werden kann. Ziel des Spieles ist es, durch gute Prognosen, sowie geschicktes Spekulieren den eigenen virtuellen Vermögenswert zu maximieren.

Aus den Marktbewegungen ergibt sich der Kurs der Aktien bzw. Parteien, und damit der erwartete Wahlausgang. Solche Prognosen haben sich zuletzt bei der Tiroler Landtagswahl als erstaunlich zuverlässig erwiesen.

Die Grenze zwischen einbeziehen und ausbeuten

Die Vorteile des Crowdcourcing haben sich auch die Grünen zu Nutze gemacht und einen Teil ihre Wahlplakate nicht wie sonst üblich in kleinen Runden mit der Werbeagentur entworfen und ausgewählt, sondern Ideen dafür im Netz gesammelt. Auf dem Weblog eines Grünpolitikers konnten Entwürfe gepostet werden, aus denen mittels einer Online-Abstimmung Gewinnersujets gekürt wurden. Diese werden im Wahlkampf tatsächlich eingesetzt, womit sich die Grünen erstens als innovative Partei positionieren und zweitens eine Menge Agenturkosten sparen.

Aber Achtung: Vom spielerischen Einbeziehen bis zur ausbeuterischen Nutzung der kollektiven Intelligenz ist es oft nicht weit. Wie schrieb Kollege Ritchie Pettauer unlängst so treffend: "In der Hitze der Begeisterung verwechselt der eine oder andere schon mal gemeinnützige Wertschöpfung mit unbezahlter Sklavenarbeit".

Text: Eva Schmidhuber · 11.09.2008

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Links
Wahlfieber.at
Die Grünen - Gewinner der Plakataktion

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