Asien, Afrika und ein Drittel Europas sind Problemzonen
Das meiste Wasser wird derzeit weder in den USA noch in Europa verbraucht, sondern in Asien. Denn aufgrund des Bevölkerungswachstums muss die Landwirtschaft angekurbelt werden. Und die ist schon jetzt der größte Wasserschlucker.
Der Landwirtschaftssektor ist weltweit der größte Wasserverbraucher. 70 Prozent des Wassers gehen in die Bewässerung. Wenn die Bevölkerung in Asien wie prognostiziert wächst, werden der Lebensmittelbedarf und damit die Wassernachfrage steigen. Der Klimawandel wird diese Entwicklung behindern. Denn die Niederschläge verändern sich - für Asien gibt es Szenarien, die weniger Regen vorhersagen.
Der Klimawandel verschärft die Situation auf vielen Ebenen: Die Himalaya Gletscher schmelzen. Zwischen 1960 und jetzt sind 70-80 Prozent der Eismasse verschwunden. Mit verheerenden Folgen. 1,5 Milliarden Menschen in Indien, aber auch in Nepal sind vom Schmelzwasser der Gletscher abhängig. Immer weniger Wasser wird in die Flüsse abfließen, in Kombination mit den veränderten Monsunregenfällen ist die Wasserversorgung in 20 bis 30 Jahren nicht mehr gesichert.
Asien ist ein Hotspot, Afrika ist ein zweiter. Pavel Kabat von der Universität Wageningen erklärt die Problematik anhand der Staudämme, die überall auf der Welt als Wasserspeicher fungieren. "Jeder Einwohner Nordamerikas hat 6000 Kubikmeter Wasser in Reservoirs verfügbar, in Europa sind es 5.500. In Afrika ist das beste Land Südafrika mit noch 700 Kubikmetern pro Kopf, aber zum Beispiel in der Subsahara, in Äthiopien, sprechen wir von nur 50 Kubikmetern pro Kopf. Jede Veränderung des Niederschlags, jede Dürre ist ein gravierendes Problem."
Auch Europa wird nicht von Wasserstress frei sein. Obwohl sich der Wert des Wassers mittlerweile herumgesprochen haben dürfte, denn die Verbrauchszahlen sind seit 20 Jahren stabil. "In den die nächsten 20-30 Jahren werden wir in Europa ein ernstes Problem in den mediterranen Regionen haben. Ich würde sagen, alles südlich von Paris. Alle Klimamodelle, die wir haben, sind sich einig, dass es viel weniger Regenfall in den mediterranen Regionen geben wird, teilweise sogar 40-50 Prozent weniger Niederschläge in Nordafrika", sagt Kabat, einer der führenden Autoren der IPCC, des Intergovernmental Panel on Climate Change, und somit einer der Wissenschaftler, die im Vorjahr den Friedensnobelpreis gewonnen haben - gemeinsam mit Al Gore.
Das Wasser für die Landwirtschaft wird nicht da sein, es wird immer knapper werden, und ein Drittel Europas wird deshalb unter Wasserstress leiden. Kabat sieht heißere Sommer auf Europa zukommen, die Probleme mit der Frischwasserversorgung wird die Landwirtschaft, aber auch der Energiesektor zu spüren bekommen. Die Wasserkraftwerke werden ihre Potentiale nicht mehr ausschöpfen können.
Europa wird 40 Prozent weniger Energie erzeugen können, weil zu wenig Wasser zur Verfügung stehen wird, ist der Klimahydrologe überzeugt. Und schließlich wird der Industrie Kühlwasser für ihre Anlagen fehlen.
Kabat hat einen ganzen Katalog von dringenden Maßnahmen: In Afrika müssten Speicher gebaut werden, um mit Dürren und Sturmfluten fertig zu werden. Zum anderen sollte die Effizienz der Bewässerungssysteme verbessert werden, derzeit kommen gerade einmal 30-40 Prozent des Wassers bei der Pflanze an.
Und schließlich sollte auch über neue Methoden zur Entsalzung des Meerwassers nachgedacht werden. Derzeit ist die Entsalzung extrem energieintensiv - das heißt die Klimaspirale wird durch die Entsalzung noch weiter angekurbelt. Pavel Kabat bezweifelt aber, dass bis zum Jahr 2020 eine neue energiesparenden und noch dazu kostengünstige Technologie, die sich jeder Bauer leisten kann, auf dem Markt sein wird.
Text: Ulrike Schmitzer · 15.09.2008
Hör-Tipp
Dimensionen, Montag, 15. September 2008, 19:05 Uhr