Unaufdringliche Spendenkeilerei

Der E-Mail-Schneeballeffekt

E-Mails werden milliardenfach pro Tag verschickt, oft mit kurzen Nachrichten, viel Platz bleibt ungenützt. E-Mail-Charity nutzt den verbleibenden Raum unter der Signatur, um mit einem Banner auf Projekte von Hilfsorganisationen aufmerksam zu machen.

Auf großen Einkaufsstraßen, auf Parkplätzen vor Einkaufszentren und in U-Bahn Stationen hört man oft: "Haben Sie eine Minute Zeit für den Umweltschutz / Tierschutz / misshandelte Kinder?" In Scharen wollen diese jungen Menschen Passanten für ihre Projekte gewinnen, ihnen Interesse und eine Unterschrift abringen. Im besten Fall auch die Zusage für eine Spende. Doch oft müssen sich die Werber mit Kopfschütteln und Abwinken begnügen.

Zu direkt und offensiv werben die Organisationen und trampeln in die geheiligte Privatsphäre des öffentlichen Raums. Einen weitaus sanfteren Weg haben die Organisationen sich mit E-Mail-Charity eröffnet.

Unterstützungsbanner für Hilfsorganisationen

"Wir nutzen den verbleibenden Platz der E-Mails, um unter der Signatur kleine Unterstützungsbanner für Hilfsorganisationen zu schalten", sagt Sebastian Philipp von emailcharity.com. Auf der Website kann man ein Projekt auswählen und es mit Hilfe eines Programms in die E-Mail-Signatur hineinkopieren. Mit jedem E-Mail, das verschickt wird, bekommt das Projekt Aufmerksamkeit.

Damit wollen die Organisationen vor allem Freundeskreise erschließen, da dort die Glaubwürdigkeit besonders hoch ist. Das Projekt adressiert vor allem die Generation Internet, die um die Bedeutung von Aufmerksamkeit im Netz Bescheid weiß und gewollten Inhalt von Spam zu unterscheiden weiß.

Hoffen auf Schneeballeffekt

Der Banner ist ein dezenter Spendenaufruf, so Sebstian Philipp, "denn wenn ich mit meinem Namen für ein Projekt eintrete, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich andere Menschen aus meinem Umfeld ebenfalls interessieren." Sobald man auf den Banner klickt kommt man auf die entsprechende Seite.

Auch wenn man nicht Spenden will, so hat man vielleicht doch Interesse an einer eigenen Signatur bekommen und irgendwann wird auch ein Spender dabei sein, hofft der Geschäftsführer von emailcharity. Der Schneeballeffekt durch die E-Mails scheint garantiert.

Ansturm erwartet

Die Spenden werden zu 95 Prozent weitergeleitet, fünf Prozent sind payment-Gebühren, die an Kreditkartenunternehmen gehen. Finanzieren soll sich die Seite über Sponsoren, die eine Werbebotschaft mittransportieren können. Zum Großteil soll auch dieses Geld den NGOs zugute kommen, doch gratis arbeitet auch niemand bei emailcharity.com.

Ab Herbst erwarten die Betreiber einen Ansturm, denn bisher haben erst einige tausend Menschen das Angebot genutzt. Rund zwölf Projekte gibt es derzeit zur Auswahl, weitere 30 sollen bald zur Verfügung stehen.

Hör-Tipp
Digital.Leben, Montag bis Donnerstag, 16:55 Uhr

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