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Kolumne

Vater sein dagegen sehr...

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Du hast doch Kinder, sagt meine Kollegin, schreib doch was zum "Diagonal" in dieser Woche. Gut, sage ich leichtfertig. Und dann geht's, wie so oft, erst in letzter Minute und mit etwas weniger Schlaf als sonst. Damit sind wir schon mitten im Thema.

Dieser Text ist ein Zeugnis, ein Zeugnis, wie es ist, Kinder, Küche und Kolumne unter einen Hut zu bringen. Nämlich schlecht. Da geht es Vätern und Müttern gleich, wenngleich die Väter sich ganz augenscheinlich mehrheitlich das Recht herausnehmen, sich aus der Verantwortung zu ziehen. Immer noch.

In der selbstverwalteten Kindergruppe fällt das noch nicht so stark auf, aber wenn man genau schaut, merkt man's auch da. Deutlich wird es am Kinderspielplatz, selbst im Herzen von Boboville. Das merkt man beim Elternabend in der Schule, beim Smalltalk im Kindertanzkurs und an all den anerkennenden Bemerkungen des sozialen Umfelds, was das väterliche Engagement betrifft. Meine Frau hört das nie, obwohl wir beide versuchen, die Lasten einigermaßen gleich zu verteilen. Versteht sich bei ihr irgendwie ja von selbst. Immer noch. Auch in Boboville.

Kinder, Küche und Kolumne, das ist wie das magische Vieleck der Volkswirtschaft. Der Idealzustand ist erreicht, wenn alle Elemente gleich berücksichtigt sind, was inhärente Widersprüche grundsätzlich verunmöglichen und so knirscht es in der Wirklichkeit beständig an irgendwelchen Ecken und Kanten.

Gesellschaft (c) ORF, Schimmer

"Papa, mach ein Foto von mir, damit mich die ganze Welt im Internet sehen kann". So klingt es, wenn Kinder die Arbeit ihrer Väter hautnah miterleben - jedenfalls wenn die Väter Online-Redakteure sind.

Gestern zum Beispiel, als dieser Text in Ruhe am Schreibtisch in meinem Büro entstehen sollte, war ich mit meiner Tochter in der Klavierstunde, weil meine Frau, die das ursprünglich übernehmen wollte, in einer Sitzung festklemmte, die nicht und nicht enden wollte. Als Online-Redakteur gehört das dislozierte Arbeiten quasi zur Jobdiscription, also lässt sich so eine Pause von zwei, drei Stunden schon hinkriegen, wenn man länger arbeitet, weniger schläft, oder sonst wie Ausgleich schafft.

Sonst geht meine Frau mit der Tochter in den Klavierkurs, ich mit dem Sohn in die Schlagzeugstunde. So viel Rollenklischee muss schon sein, aber manchmal geht die schöne Ordnung an den Irregularitäten der Arbeitswelt in die Brüche. Schlimmer sind nur kranke Kinder, die das labile Gleichgewicht vollends zum Kippen bringt.

Die Kinderbetreuung anständig hinzukriegen, ist mit einer durchschnittlichen Angestelltenexistenz eigentlich unvereinbar. Beginnzeiten im Kindergarten, Abholzeiten in der Schule, der Biorhythmus des Nachwuchses, das alles passt irgenwie so gar nicht in den strengen Takt der Wirtschaftswelt. Im magischen Vieleck der Kinderbetreuung sind es die Eckpunkte "Eigene Bedürfnisse" und "Beziehung", an denen am häufigsten gespart wird, damit sich Kinder und Kolumne ausgehen. Die am häufigsten gestellte Frage meiner Kinder auf dem Weg in die Schule, in die Kindergruppe, zum Musikkurs, zu Playdates und was so eine bürgerliche Kinderexistenz noch so mit sich bringt, ist: "Sind wir zu spät?"

Das Schlimmste ist die Müdigkeit. Schlafmangel ist ja seit altersher ein probates Foltermittel um (Zu-)Geständnisse jeglicher Art zu erreichen. Das hat die Evolution bei Kleinkindern fein herausgearbeitet und so bringen sie einen ständig dazu, Dinge zu tun, die man bevor sie das Licht der Welt erblickten für unmöglich gehalten hätte. Dass sie bei einem im Bett schlafen zum Beispiel, oder dass man freiwillig am Sofa oder im Kinderbett schläft, weil das letztlich bequemer und um ein Uhr früh auch stressfreier ist, als hehre Ideale zu exekutieren.

Kindererziehung ist praktisches Tun. Sie können ihren Kindern erzählen, was sie wollen, solange sie es nicht leben, werden die es nicht glauben. Wenn Sie selbst ihre Hemden bügeln, den Kochdienst in der Kindergruppe übernehmen und die Windeln wechseln, bekommt der Metadiskurs zur Gendergerechtigkeit gleich viel mehr Drive.

"Mama, ich fände es gut, wenn du Bürgermeisterin wärest, dann würdest du ganz viel Kohle verdienen", höre ich eben meinen Sohn zu meiner Frau sagen, die die Kinder zu einer der vielen politischen Veranstaltungen mitnimmt, die sie als Bezirkspolitikerin zu besuchen hat. "Nein, weil dann bist du am Abend nie mehr da", protestiert meine Tochter. Dann hält sie inne und sagt; "Naja, macht auch nichts, der Papa ist ja auch noch da".

Text: Joseph Schimmer · 08.08.2009

Hör-Tipp
Diagonal, Samstag, 8. August 2009, 17:05 Uhr

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