Die Jagd

Vor Jahrtausenden war der Mensch Jäger und Sammler. Doch weshalb jagt er heute? Die Motive von Jägern und Jägerinnen sind vielfältig, für Jagdgegner und -kritikern bleiben sie oft unverständlich. Die Jagd polarisiert und emotionalisiert.

Die Hirschbrunft im Herbst gilt Jägern und Jägerinnen als einer der Höhepunkte im Jagdjahr. Der Reiz an der Hirschjagd ist die Trophäe, geben viele Jäger und Jägerinnen unumwunden zu, denn geschossen werden nur abschussreife Hirsche mit entsprechend ausgebildeten Geweihen.

Jäger und Jägerinnen schwärmen vom einzigartigen Naturerlebnis, von der Herausforderung, dem überaus intelligenten Wild nachzustellen, erzählen von Lust und Leidenschaft und dem fleischlichen Genuss des Wildbrets. Einige sprechen auch den "jagdlichen Urtrieb" an, den "Drang zum Töten" gar.

Alle erzählen von der Beziehung zum Tier, die man aufbaue, wenn man ein Wild über Monate oder gar Jahre beobachte, hege und pflege. Für Nichtjäger und -jägerinnen nicht ganz nachvollziehbar, dass der Hirsch, die Gämse, der Rehbock dann trotzdem erlegt wird. Vom gewissen Etwas, von Herzklopfen und Emotionen und nochmals Emotionen spricht einer, der seit 30 Jahren Berufsjäger ist.

Der Mensch im Wohnzimmer der Wildtiere

Das Ökosystem ist durch die vielfältigen Eingriffe des Menschen stark verändert worden. Es gibt kaum mehr reine Wildnis. Die Jagd ist heute Teil des vom Menschen dirigierten ökologischen Gleichgewichts. Durch die diversen Freizeitaktivitäten dringt der Mensch bis ins Wohnzimmer des Wildes vor und drängt es immer mehr zurück. Das Wild sei ein Indikator für den Zustand der Landschaft, so der Jagdexperte der Österreichischen Bundesforste, Friedrich Völk.

Wenn das Wild am Wald Schäden verursacht, weil es die Rinden der Bäume anknabbert, die der Mensch nutzen möchte, dann entsteht eine Konkurrenzsituation zwischen Mensch und Tier. Der Mensch antwortet mit einer geregelten Bejagung, mit Fütterung und Hege. Die Frage "Was würde passieren, wenn in einem Gebiet nicht mehr gejagt würde?" ist bis dato in Österreich noch nicht im Feldversuch überprüft worden.

Die ÖBF bewirtschaften rund zehn Prozent der Fläche Österreichs, sind Pachtherr von rund 1.100 Jagdrevieren. In ihrer Jagdphilosophie setzen sie zunehmend auf Nachhaltigkeit: Man jage heute vorsichtiger und bewusster, trachte danach, die Tiere so wenig wie möglich in ihrem Lebensraum zu stören und nur zu entnehmen was nachwachse.

Legitime Nutzung - Pro und Kontra

Diese "legitime Nutzung" natürlicher Ressourcen, zu denen für Jäger und Jägerinnen das Wild gehört, scheidet die Geister. Veganer oder Vegetarier, die dagegen sind, Fleisch zu essen und ein Tier zu töten, lehnen konsequenterweise die Jagd ohne Wenn und Aber ab.

Andere Tierschutzgruppen wenden sich gegen bestimmte Erscheinungsformen der Jagd, wie Fallenjagd, Baujagd, Gatterjagd oder Treibjagd. Abgelehnt und bekämpft wird insbesondere die künstliche Zucht von Enten, Rebhühnern und Fasanen für den Abschuss, vor allem, wenn diese Tiere aus dem Ausland auf Lkws (Tiertransporte!) herangekarrt werden.

Laut Gesetz muss das für die Jagd gezüchtete Niederwild vier Wochen vorher ausgewildert werden, was nach den Erfahrungen der Tierschützer nicht immer der Fall ist. Die Vertreter der Jagdverbände bestreiten das. Die Jagd ist aus dem Tierschutzgesetz ausgenommen.

Tradition verbindet

Die Jagd war lange ein Privileg des Adels. 1848 erhielt die Bevölkerung das allgemeine Jagdrecht. Die meisten Jäger und Jägerinnen (es gibt ca. 118.000 JagdkartenbesitzerInnen in Österreich, davon rund acht Prozent Frauen) sind aus einer familiären Tradition zur Jagd gekommen.

Sie halten diese Tradition hoch, schätzen Brauchtum und Kultur der Jagd. Die Jagd verbindet und das nützt so manche (r) auch für Beruf, Karriere und Geschäft. Stichwort "Schüsseltrieb" - darunter versteht man das gemütliche Beisammensein nach der Jagd.

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Hör-Tipp
Radiokolleg, Montag, 24. November bis Donnerstag, 27. November 2008, 9:05 Uhr

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Buch-Tipp
Bernd Balke, "Weidgerechtigkeit", Österreichischer Jagd- und Fischereiverlag

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Links
Weidwerk
Österreichische Bundesforste
Zentralstelle Österreichischer Landesjagdverbände
Wildbret.at
Wilderermuseum
Tiroler Landesmuseum - Wilderer Ausstellung
Österreichische Bundesforste - Jagdreviere im Angebot
Österreichische Bundesforste - Herunterladen von Tierstimmen-Klingeltönen fürs Handy