Standort: oe1.ORF.at

Musik

Sonic Zones

Reise in ein großes Musik-Territorium

Vor 20 Jahren öffnete sich der Eiserne Vorhang. Anna Ceeh und Franz Pomassl von Laton haben das Jubiläum zum Anlass genommen, um zur Entdeckungsreise in jenes elf Zeitzonen umspannende Musik-Territorium einzuladen, das die UdSSR ausgemacht hat.

Das gesamte Jahr über jeweils einmal im Monat laden Anna Ceeh und Franz Pomassl von Laton Musikerinnen und Musiker aus dem postsowjetischen Raum in ihren Club "Zone" in der Wiener Secession. Gipfeln wird diese Veranstaltungsreihe schließlich in der Veröffentlichung des Buches "Sonic Zones", das Ende des Jahres erscheinen soll. Zeit-Ton bringt jeweils im ersten Zeit-Ton Magazin des Monats und parallel dazu auf oe1.ORF.at die Vorlese.

Intensiver Kulturaustausch

Laton pflegt bereits seit vielen Jahren einen intensiven Kulturaustausch mit den Ländern im postsowjetischen Raum. Er sei in unmittelbarer Nähe zum Eisernen Vorhang aufgewachsen, erzählt Franz Pomassl auf die Frage, wie es dazu kam. Schon als Kind hätte es ihn interessiert zu erfahren, was sich hinter dieser Schwelle verbirgt. "Und auch als ich dann später mit meiner Musik getourt bin", erinnert sich der Musiker, "gab es hier eine Blockade."

Aber Franz Pomassl ließ sich eben einfach nicht abblocken und lernte bei seinen zahlreichen Konzertreisen in die diversen postsowjetischen Länder schließlich viele Musikerinnen und Musiker kennen, die allesamt im Westen unbekannt waren. Langsam reifte der Entschluss, dieses Informationsvakuum zu füllen.

Wo ist Russland?

Anna Ceeh ist in der Sowjetunion, in St. Petersburg, aufgewachsen. Mit 17 Jahren emigrierte sie zuerst nach Deutschland und schließlich - vor zehn Jahren - nach Österreich, wo sie dann auch Franz Pomassl kennenlernte.

"Ich bin in der Sowjetunion aufgewachsen und sehe den postsowjetischen Raum daher noch als ein Ganzes", erzählt Anna Ceeh. "Wenn man in St. Petersburg jemandem erzählt, dass man nach Wladiwostok fährt, wird man gefragt, ob man noch alle Tassen im Schrank hat, denn dort gäbe es doch nichts zu holen. In St. Petersburg und Moskau interessiert man sich nicht dafür, was um einen herum passiert. Und die Leute in Kaliningrad wiederum sagen, wenn sie nach St. Petersburg oder Moskau fahren, dass sie nach Russland fahren. Ich sage Ihnen dann: Aber Kaliningrad liegt doch auch in Russland. Aus der Distanz beginnt man dies alles plötzlich zu sehen. Von Österreich aus kann ich die Lage besser analysieren."

Gemeinsamkeiten...

Über insgesamt elf Zeitzonen erstreckte sich die UdSSR und obwohl nach der Öffnung des Eisernen Vorhangs dieser große Staat in eine Vielzahl an Staaten zerfiel, lassen sich - nach nun bereits 20 Jahren - doch noch immer Gemeinsamkeiten finden, die verbinden. Eine solche verbindende Gemeinsamkeit sei etwa die russische Sprache, so Franz Pomassl. Und dann gab es plötzlich das Internet, über das sich die Musikerinnen und Musiker in diesem riesigen Territorium eben mit Hilfe der gemeinsamen Sprache schnell kurzschließen konnten.

"Und sie konnten sich gleichzeitig in den globalen Kommunikationsaustausch einklinken", so Franz Pomassl. "Damals entstand mit der elektronischen Musik auch zum ersten Mal eine global verständliche Musikform. Das war ein revolutionärer Schritt."

...und Unterschiede
Zu entdecken gibt es in diesem großen geographischen und gesellschaftlichen Raum zum einen also Gemeinsamkeiten, aber natürlich auch Unterschiede. In Murmansk etwa, erzählt Anna Ceeh, ist die Musik sehr zugänglich.

"Murmansk liegt über dem Polarkreis und die Natur dort ist relativ karg", erläutert Ceeh. "Die Musik ist - wohl als Reaktion darauf - geradezu positiv aufbauend. Und in der Musik im Süden in Wladiwostok klingen wiederum japanische Einflüsse an, so hört es jedenfalls das zentralrussische Ohr."

Umfassende Unterstützung
Eine Schwierigkeit, die sich ihnen bei ihren Recherchen immer wieder stellen würde, so Anna Ceeh, sei die, dass Musikerinnen und Musiker, mit denen sie sich bereits ausgetauscht haben, von denen sie interessante Musik in ihrem Archiv haben, plötzlich nicht mehr auffindbar sind. Viele hören bald wieder mit dem Musik machen auf, weil sie das Gefühl haben, dass sich ohnehin niemand für sie interessiert.

Es sei ihnen daher auch ein Anliegen, die Musikerinnen und Musiker zu ermutigen, weiter zu machen. Und in diesem Zusammenhang sei es ganz wichtig, ihnen auch Auftrittsmöglichkeiten zu bieten, ergänzt Franz Pomassl, sowohl innerhalb des postsowjetischen Raumes, als auch darüber hinaus.

Gestaltung: Susanna Niedermayr · 15.01.2008

Hör-Tipp
Sonic Zones, die Vorlese, jeweils im ersten Zeit-Ton Magazin des Monats

Veranstaltungs-Tipp
Club Zone mit Andres Löo, Glam, Aivar Tönso, Dabelka, Mr. Belk und Anna Ceeh, Freitag, 16. Jänner 2009, 19:00 Uhr, Wiener Secession

Links
Club Zone
Myspace - Club Zone
Laton

Mehr dazu auf oe1.orf.at

Übersicht: Alle ORF-Angebote auf einen Blick